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In Würde sterben, aber erlebbar bleiben

Erst kürzlich hörte ich von einer Bekannten, dass sie immer, wenn sie sich nach einer Krankheit oder Arbeitsüberlastung müde fühle, sie zu einer Eiche ginge und diese umarme. Schon nach kurzer Zeit verspüre sie eine Kraft in ihren Körper aufsteigen.

Die „Kalte Eiche” in Ernsee auch weiterhin erlebbar zu erhalten, darin sind sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Naturschutzbeirates und Gehölzkundler der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften, die sich kürzlich zu einer Begutachtung der wohl 550 bis 600 Jahre „alten Dame“ vor Ort eingefunden hatten, einig.

In vielen Kulturen gilt die Eiche als heiliger Baum. Das harte Holz und das spät fallende und langsam vergehende Laub machen sie zum Symbol für Standhaftigkeit und Unsterblichkeit. Häufig wird sie mit Blitz- und Donnergottheiten wie Thor oder Zeus assoziiert, denn offenbar schlägt der Blitz tatsächlich häufiger in Eichen ein, als in andere Bäume. Für die Gerschen und Besucher der Stadt ist die „Kalte Eiche” längst zu einem imposanten Naturdenkmal geworden.

Ganz ungefährlich ist der Aufenthalt unter der rund 30 Meter hohen, früher soll sie sogar bis zu 35 Meter hoch gewachsen sein, „Kalten Eiche” nicht, mit ihrem stattlichen über 6,50 Meter Stammumfang. Davon künden die Umzäunung und ein entsprechendes Warnschild „Vorsicht Lebensgefahr“.

Was den Baumschützern Sorgen bereitet, sind die toten Äste, die die Eiche nicht mehr verkehrssicher macht. Nach 16 Jahren wird der Baum nun erstmals wieder gestutzt, so das Ergebnis beim Ortstermin. Eine komplette Einzäunung wurde zwar in Erwägung gezogen, aber dann doch verworfen, um die Gewünschte „Erlebbarkeit“ der „Kalten Eiche” und damit ihre Anziehungskraft zu erhalten, wodurch der Baum seine prägnante Form, einen Habitus, beibehält.

Die „Kalte Eiche” ist ein Baum, etwas Lebendes und somit nichts für die Ewigkeit. So liegt es nah, auch sie in Würde sterben zu lassen. Dieses Recht will man auch künftig billigen und dennoch soll mit fachmännischen Eingriffen seitens des Fachdienstes Stadtgrün, nach 16 Jahren wieder einmal an den Jahrhunderte alten Baum Hand angelegt werden.

Wir Bärbel Kaschta vom Fachdienst Stadtgrün mitteilte, wird nach 1998 erstmals wieder behutsam und ausschließlich in das Totholz des Baumes eingegriffen. Die toten Äste werden dabei bis 15 Zentimeter Durchmesser eingekürzt. Es folgen dann halbjährliche Kontrollen und im Bedarfsfall wird nachgeschnitten. Zum Glück sei die Standfestigkeit des Baumes nicht gefährdet.

Zuspruch findet die Entscheidung auch bei Matthias Röder vom Naturschutzbeirat. So sei zukünftig die Begehbarkeit wie auch die Erlebbarkeit gesichert. Gleichzeitig sei dies auch für die Stadt die kostengünstigere Variante. Eine komplette Einzäunung kostet zusätzliches Geld, während die Schnittarbeiten durch die Mitarbeiter des Fachdienstes selbst ausgeführt werden können.

Mit dem Erwerb der Fläche durch die Stadt im Jahre 1982 wurde der Baum unter Naturschutz gestellt. Schaden genommen hatte die „Kalte Eiche” durch einen unmittelbar über ihren Wurzelbereich führenden befestigten Weg sowie einer ehemals angrenzenden Fäkaliendeponie. Mit der Übernahme des Areals wurde der Weg umgelegt und der Wurzelbereich entsiegelt. 

( Reinhard Schulze, 04.07.2014 )

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