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„Finde Hitler - Oder suche dich selbst”

„Der Lokale Aktionsplan ‚Toleranz fördern - Kompetenzen stärken‘, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, verfolgt das Ziel, eine weltoffene, bunte und vielfältige Gesellschaft zu fördern. Die Ausstellung ‚Toleranz‘ von Sven Schmidt und Winfried Wunderlich spiegelt genau diese Ziele wider. So ist die Schau für jedermann offen, verspricht einen vielfältigen Gedankenaustausch und ist bunt allein schon durch die Farbgebung”, so oder so ähnlich kamen mir die Worte über meine Lippen, denn Reden halten ist echt nicht mein Ding. Als Mitglied im Begleitausschuss des LAP und Patin des Kunstprojektes „Toleranz” bat mich Sven Schmidt um ein paar einführende Worte.

Sagen wollte ich eigentlich: Schon lange ist das rechte Gedankengut nicht mehr das alleinige Problem des immer lauter werdenden Alltagsrassismus. Ob behindert, schwul, dick, Aussteiger oder Querdenker, wer anders scheint, ist raus. Sibylle Grundeis, eine der ausstellenden Künstlerinnen, bringt es mit ihren Werken mit dem Titel „Finde Hitler - Oder suche dich selbst” auf den Punkt. „Die Idee entstammt einer Diskussion um die veränderten Umgangsformen mit ‚Dämonenfiguren‘ (wie z.B. Hitler zwischen Abscheuerziehung in der Schule und Witzfigur im Kino) und der Frage ‚Steckt nicht ein bisschen Hitler in jedem von uns?‘. Die alltäglichen Intoleranzen gegen Kopftücher, Asylanten, Schickimickis, oder eben auch mal die beste Freundin und ihren Lebensstil machen uns zu einem von vielen Menschen, der Sichtweisen ablehnt. Letztendlich entscheidet und öffnet sich jeder selbst neuen Sichtweisen”, sagt sie.

Wenn ich dieses Bild betrachte, braucht es nicht vieler Worte, um zu verstehen, dass jeder anders als der andere ist. Und trotzdem sind wir alle gleich, wir bestehen alle aus dem gleichen Stoff. Wir alle haben den gleichen Ursprung.

Genau dieser Gedanke findet sich in Harald Alffs „100 Köpfe” wieder. „Die Arbeit entstand 2013 in der Technik des Farblinolschnittes. Zuerst wurde die immer gleiche Kopf-Grundform in verschiedenen Farben gedruckt. Diese wurde jeweils mit einer Auswahl aus rund 30 unterschiedlichen Druckformen ergänzt. Immer neue Kombinationen lassen neue Typen entstehen, die sich durch ihre ethnische und kulturelle Zugehörigkeit, Religion sowie Geschlecht unterscheiden”, erklärt der gebürtige Leipziger.

Klar, ja, so ist es auch. Nur weil die Natur einigen Menschen braune Farbe ins Gesicht gepinselt hat, heißt das nicht, dass sie nicht dazu gehören. Sicher, sie leben nach anderen Regeln, doch wer tut das nicht? Stellt nicht jeder seine eigenen Codes für das Leben auf? Wir alle sind anders und trotzdem gleich. Denn nackt und ungeschminkt, gehören wir alle zur Spezies Mensch.

Zu sehen sind die Arbeiten der 18 Berufskünstler in den Remisen und dem Amtsgebäude. Doch nicht nur sie brachten ihre Meinung zu Toleranz auf Papier oder Leinwand. „Wir haben im Vorfeld mit Schülern der Pfortener Grundschule und des Zabelgymnasiums zusammengearbeitet. Es sind Bilder von 61 Kindern und Jugendlichen mit ganz unterschiedlichen Ansichten und Positionierungen zum Thema ‚Toleranz in unserer Gesellschaft‘ entstanden”, erklärt Sven Schmidt die Herangehensweise an das Projekt. „Schon im Entstehungsprozess war mir klar, dass es eine äußerst anspruchsvolle und hochkarätige Ausstellung werden wird, die genügend Impulse für das Publikum zur Auseinandersetzung mit dem so wichtigen Thema Toleranz geben kann”, war sich der Geraer Künstler sicher und bereits zur Eröffnung gab ihm die Vielzahl der Besucher Recht. Die Gedanken der Schüler sind in der Alten Wache zu ergründen.

Zur Vernissage traf ich auf Marleen Fischer. Ihr Bild zeigt zwei Hände, welche die Religionen schützend in sich halten. „Das Hin und Her der Religionen ist präsent. Ich möchte sagen, dass wir sie und deren Zusammenleben schützen müssen”, betont die Gymnasiastin. Und während ich mich so mit ihr unterhalte, höre ich im Hintergrund einen Mann sagen: „Verurteile nicht einen Menschen, in dessen Lage du nicht gewesen bist”. Ich drehe mich um und entdecke Herbert Lichy, wie er seiner Enkelin Kimberley eine weitere Schülerarbeit erklärt. „Ich lege sehr viel Wert darauf, dass meine Kinder und Enkelkinder unvorbelastet aufwachsen. Mein Schwiegervater war sehr intolerant und beurteilte die Menschen nach ihrem Äußeren”, antwortete er mir auf die Frage, wie wichtig ihm eine weltoffene Erziehung sei. „Wir sind die Nachkriegsgeneration und können nichts für die Vergehen unserer Vorfahren, trotzalledem lastet auf uns noch eine hohe Bürde. Ist es nicht genauso intolerant, wenn wir immer als die bösen Deutschen dargestellt werden?”, wirft er die Frage in den Raum.

Die neunjährige Kimberley besucht die Grundschule Pforten und gehört damit zum Kreis der Künstler, die ihre Bilder in der Alten Wache zu hängen haben. „Ich habe eine alte Dame am Krückstock und eine blinde Frau gezeichnet. Ihnen gegenüber steht ein Mädchen, welches die beiden Frauen nicht auslacht”, erklärt die junge Grundschülerin ihr Bild mit dem sie ausdrücken möchte, dass sie alle Menschen so akzeptiert wie sie sind.

Neben dem Bund wird die Ausstellung auch von der Sparkasse Gera-Greiz gefördert.

( Fanny Zölsmann, 04.07.2014 )

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