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„Es werden dort die bauen, die dort leben werden“

Anfang vergangenen Jahres schlugen die Wogen hoch: Anwohner und sogar eine Bürgerinitiative hatten erhebliche Bedenken zum Bauvorhaben „Wohnen in Untermhaus, Biermann-Quartier“ angemeldet, öffentliche Anhörungen folgten und setzten sich sehr kritisch mit dem Konzept aus-

einander. Im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtrates wurden daraufhin verschiedene Überarbeitungsvorschläge des Bauträgers und Verfügungsberechtigten über die Grundstücke diskutiert, wie auch ein weiterer Bebauungsvorschlag eines bis dahin nicht beteiligten Projektentwicklers.

„Wir haben uns die Kritik der Anwohner zu Herzen genommen und alle nennenswerten Einwände berücksichtigt,“ stellte Dr. Hans-Gerd Reit, Vorhabenträger zum Bebauungsplan von der HFW Heim&Familie GmbH, fest, der gemeinsam mit Baudezernent Ramon Miller und Projektentwickler Christian Matern das Bauvorhaben „Wohnen in Untermhaus, Biermann-Quartier“ vorgestellt hat.

Während 2013 noch davon ausgegangen wurde, dass die rund 100 Jahre alte Biermann-Villa wegen ihres desolaten Bauzustandes nicht zu retten ist, wird jetzt der Erhalt der Villa angestrebt. „Die Villa ist ein Denkmal, das kein Denkmal ist,“ meinte Matern und spielte damit darauf an, dass das Gebäude nicht auf der Denkmalliste steht. Daher müssten aber nicht noch zusätzliche Auflagen berücksichtigt und bezahlt werden.

Obwohl sich der gesamte Baukörper in einem maroden Zustand befindet, wird jetzt eine Rettung für möglich gehalten, ansonsten müsste hier ein anderer Baukörper entstehen. Auf jeden Fall – so Dr. Reit weiter – werde man das zukünftige Wohngebiet von der Kantstraße aus erreichen, die sogenannte dritte Reihe werde auch nicht gebaut. Außerdem ist an eine Vielzahl von Parkplätzen gedacht, so dass in der Parksituation eine deutliche Entspannung eintreten wird.

Im Ergebnis der Abstimmung zwischen den Beteiligten wurde der Stadtverwaltung ein abgestimmtes Konzept von Dr. Reit und Projektentwickler Christian Matern vorgelegt. Dieser Bebauungsvorschlag rückt weitgehend von der ursprünglichen Absicht ab, Einfamilienhäuser zu bauen und beinhaltet ausdrücklich eine Option zum Erhalt der ehemaligen Unternehmervilla. Nach seinen Vorstellungen wird der Biermann-Komplex aus drei Baukörpern bestehen: die Villa, ein Baukörper im Innenbereich und ein Anbau an die Bebauung Tobias-Hoppe-Straße. Von hier wird dann die Zufahrt zum Innenhof erfolgen.

Damit bleiben zwei Drittel des Gebäudes stehen, ein Drittel des Hintergebäudes muss abgerissen werden. Der Mühlgrabenverlauf parallel zur Kantstrasse soll in seiner ursprünglichen Lage erhalten bleiben. Eine Überbauung soll lediglich in der nordwestlichen Quartierecke erfolgen. Es sind insgesamt eine geringere Verdichtung und damit auch der Erhalt von mehr Bäumen vorgesehen. Nachdem der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss die Änderungsabsichten positiv bewertet hat, kann nun mit der Ausarbeitung der Pläne begonnen werden. Die Verwaltung geht davon aus, dass eine öffentliche Beteiligung zum zweiten Entwurf im Herbst dieses Jahres durchgeführt werden kann.

Baudezernent Ramon Miller, Dr. Reit und Christian Matern sehen in dem Untermhäuser Projekt bereits in der noch laufenden Entwicklungsphase einen offenen Prozess unter Einbeziehung der künftigen Eigentümer und Mieter: „Es werden dort die bauen, die dort leben werden“, so Matern, dabei kann er sich sogar die Gründung einer kleinen Genossenschaft vorstellen und ergänzt: „Es geht nicht um einen Luxusbau, sondern um Mischformen des Bauens und Lebens.“

Interessant ist ein weiterer Aspekt: „Es besteht die begründete Erwartung, dass das Biermann-Quartier mit den neuen Entwicklungsimpulsen den hohen Ansprüchen, Kriterien und Erwartungen der Internationalen Bauausstellung 2023 in Thüringen (IBA) gerecht werden kann. Durch eine Beteiligung könnten sich durchaus auch Vorteile für das Projekt ergeben. In einer aktuellen Pressemitteilung der IBA heißt es dazu: „Die IBA bietet inhaltliche Impulse und kommunikative Unterstützung bei der Ausarbeitung der Konzepte und der nachhaltigen Umsetzung der Projekte sowie die Vernetzung mit anderen Projekten an. Die IBA Thüringen leistet Unterstützung bei der Akquise von Fördergeldern. Für Projekte, die sich im IBA Projektverfahren qualifiziert haben, besteht die Möglichkeit einer (Mit-)Finanzierung über das IBA Exzellenz-Programm ‚Zukunft: Kommune’.“

Dazu Thüringens Landesentwicklungsminister Christian Carius: „Mit dem ersten Projektaufruf beginnt eine neue IBA-Phase mit konkreten Vorhaben und Prozessen. Mit dem Aufruf ‚Zukunft StadtLand!‘ starten wir die Mitwirkung der Öffentlichkeit am Zukunftslabor IBA. Wir suchen hierfür nach außergewöhnlichen Ideen und Menschen, die sich aktiv für ihre Visionen und Modellprojekte engagieren.“ Damit habe auch Gera eine Chance stellte Matern fest und tröstete zugleich: Wenn es mit der IBA scheitert, geht es auch weiter!

( Reinhard Schubert, 02.06.2014 )

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