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„Jeder kann helfen“

„Einmal piksen und zweimal helfen“ lautete vor kurzem das Motto im Haema Blutspendezentrum Gera. Zusammen mit dem Verein für Knochenmarkspenden (VKS) rief man die Einwohner zur Typisierung auf. Das bedeutet: Gemeinsam wurde nach potenziellen Lebensrettern, Blut- und Stammzellspendern, gesucht. Insgesamt 203 Interessierte ließen sich an diesem Tag typisieren. Benötigt werden die Stammzellen für die Behandlung von Bluterkrankungen. In Deutschland beispielsweise erkranken jährlich ca. 11.000 Menschen an Leukämie. Meist besteht die einzige Chance auf Heilung in der Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders. Um mehr über diese lebensrettende Thematik zu erfahren, sprach Neues Gera mit Karin Grahnert vom Verein für Knochenmarkspenden. Frau Grahnert, welche Aufgaben übernimmt der Verein?

Der VKS wirbt neue Stammzellspender für Leukämiepatienten weltweit. Hierzu gehört die Organisation und Durchführung von Typisierungsaktionen, die Einpflege in die zentrale Datenbank des ZKRD (Zentralen KnochenmarkspenderRegister Deutschland) sowie allgemeine Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Aufmerksamkeit für den Themenkomplex Leukämie, Stammzell- u. Knochenmarkspende zu schärfen. Des Weiteren betreuen wir unsere Stammzellspender, die im Bedarfsfall als aktive Lebensretter für Patienten weltweit angefordert werden.    

Unterscheiden Sie bitte: Blut- und Stammzellspender.

Voraussetzung für beide Spendeformen ist, dass man gesund ist. Zum ersten Mal darf man mit 18. bis zum 65. Geburtstag Blut spenden. Blut wird bei schweren Verletzungen und lebensbedrohlichen Krankheiten wie z.B. Krebs benötigt. Frauen können viermal, Männer sogar sechsmal innerhalb von zwölf Monaten spenden. Zwischen zwei Spenden muss ein Abstand von mindestens acht Wochen liegen. Anders bei Stammzellen, diese spendet man höchstens zweimal im Leben. Sie können aus dem Knochenmark oder auch aus Blut gewonnen werden. Eine Aufnahme als Stammzellspender ist im Alter von 18 bis 55 Jahren möglich.

Was bedeutet es nach potentiellen Lebensrettern, nach Stammzellspendern, zu suchen?

Es erfordert viel Aufwand, viel Aufklärung, viel Geduld und letztlich auch viel Geld, um die nötige Aufmerksamkeit zu schüren und überhaupt ins Blickfeld potentieller Neuspender zu gelangen. Viele sind zu wenig darüber informiert und manche verwechseln Knochenmark mit Rückenmark.

Wie wird man zum Lebensretter?

Alles beginnt mit dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung und einer Gewebeprobe (Blut oder Wangenschleimhautabstrich). Mit der Probe können in einem Speziallabor die Gewebemerkmale ermittelt werden. Diese Merkmale werden dem ZKRD in anonymisierter Form übermittelt. Damit steht jeder Spender für Patienten weltweit als möglicher Spender zur Verfügung. Erst wenn die Gewebemerkmale mit einem Patienten übereinstimmen, werden weitere Schritte eingeleitet. Es gibt zwei Möglichkeiten, Stammzellen zu gewinnen: die Entnahme aus dem Knochenmark oder aus dem Blut. Bei der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm wird ein operativer Eingriff unter Vollnarkose durchgeführt. Bei der Spende von Blutstammzellen gewinnt man die Stammzellen nicht direkt aus dem Knochenmark, sondern mit Hilfe eines Verfahrens aus dem Blut des Spenders. Der Spender erhält hierzu über vier Tage ein Medikament, durch das die Stammzellen aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf übertreten.

Kann es sein, dass die Angehörigen nicht die richtigen Spender sind? Wenn ja, warum?

Nur in etwa 35 Prozent der Fälle kann man im Familienkreis einen geeigneten Spender finden. Durch Vernetzung der Spenderzentralen auf der ganzen Welt kann heute für 80 bis 85 Prozent der Betroffenen ein nicht verwandter Spender gefunden werden.

Kommen Sie mit Betroffenen in Kontakt? Wenn ja, welches war ihr bewegendstes Schicksal?

Auch der Kontakt mit Patienten während bestimmter Aktionen ist regelmäßiger Bestandteil unserer Arbeit. Viele Aktionen haben meist eine große Resonanz und sind immer sehr bewegend, auch besonders dann, wenn Kinder oder Jugendliche von der Krankheit betroffen sind, wie im Falle der beispiellosen Spendenaktionen für Adrian Schauer im Frühjahr 2012. Auch ehemalige Patienten, wie die einstige Leukämiepatientin Roswitha Schieck, sind seit Jahren ehrenamtlich für uns im Einsatz.

Sollten Spenden jeglicher Art gesetzlich verpflichtet werden?

Bei uns kann man jederzeit die Einverständniserklärung widerrufen. Es gibt und sollte keinen Zwang zur Spende geben. Das funktioniert nur auf Basis der Freiwilligkeit.

Was glauben Sie, wie kann man noch mehr Menschen vom Leben retten überzeugen?

Jeden kann diese Krankheit treffen - und jeder kann helfen. Jeder Mensch, der selber im Krankheitsfall einen Spender braucht, wünscht sich Hilfe, hofft auf lebensrettende Stammzellen von einem Unbekannten, der dazu bereit ist.

Was halten Sie vom Einfrieren des Nabelschnurblutes?

Wird Nabelschnurblut gegen eine Gebühr bei einer privaten, kommerziell betriebenen Nabelschnurblutbank eingelagert, steht dieses primär nur dem Spender selbst zur Verfügung. Die Wahrscheinlichkeit, eigene Stammzellen für eine heute etablierte Therapie zu benötigen, ist sehr gering. Gerade bei hämatologischen Erkrankungen werden derzeit vorwiegend fremde Stammzellen verwendet, da diese einen zusätzlichen immuntherapeutischen Effekt haben und das Risiko besteht, dass die Krankheit auch im eigenen Nabelschnurblut angelegt ist. Nabelschnurblut dagegen, das einer gemeinnützigen Nabelschnurblutbank gespendet wurde, steht für alle Patienten weltweit zur Verfügung.

Wie viel kann ab der Geburt getan werden, um sich und sein Leben oder des Kindes zu schützen?

Je mehr Menschen als Stammzellspender registriert sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen oder Ihren Angehörigen im Krankheitsfall geholfen werden kann.

( Fanny Zölsmann, 23.05.2014 )

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