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Dolmetschen, Lotsen, Moderieren

Seit reichlich fünf Monaten ist Dr. Kurt Herzberg Bürgerbeauftragter des Freistaates Thüringen. Der 1965 in Gernrode geborene und im thüringischen Eichsfeld aufgewachsene Theologe, Psychologe und Kommunikationswissenschaftler hatte in Erfurt und Bamberg studiert und über das neuere katholische Eheverständnis promoviert. 1997 war er zum Thüringer Landesgeschäftsführer des Familienbundes der Katholiken gewählt worden. Weithin bekannt geworden ist er im Jahre 2011, als er zum Leiter des Koordinierungsbüros für den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Bistum Erfurt berufen wurde. Jetzt hat er zum ersten Mal in seiner neuen Funktion in Gera einen Sprechtag abgehalten. Neues Gera führte mit ihm das nachstehende Interview. Ihr Dienstsitz befindet sich im Thüringer Landtag. Gehen Sie jetzt quasi auf eine Rundreise durch den gesamten Freistaat?

Ich möchte wenigstens einmal im Jahr in jedem Landkreis bzw. jeder kreisfreien Stadt einen Sprechtag durchführen. Natürlich gibt es in der Landeshauptstadt feste Sprechtage, aber für manche Bürger ist die Anreise beschwerlich, deshalb stehen regelmäßige Besuche in den Landkreisen und kreisfreien Städten auf meinem Programm. In Gera waren meine Vorgänger und ich nun zum achten Mal.
War der Tag hier erfolgreich?
Was heißt erfolgreich? Der gesamte Tag war ausgebucht. Wir hatten im Vorfeld zehn Termine abgesprochen und alle angemeldeten Besucher waren erschienen. So ein Gespräch dauert einige Zeit, damit man gegenseitiges Vertrauen aufbauen und sich mit der oft sehr unterschiedlichen Materie befassen kann. Und manchmal bleibt es nicht bei einem Anliegen, dass die Menschen vorbringen.
Lässt sich auch eine Jahresbilanz ziehen?
Im Jahre 2013 wurden 674 Anfragen übermittelt. Man muss allerdings dazu auch wissen, dass es über sechs Monate keinen Bürgerbeauftragten gegeben hat.
Sie haben viele Erfahrungen als Landesgeschäftsführer eines Familienverbandes gesammelt. Kommt das Ihrer heutigen Arbeit zugute?
Es gibt tatsächlich viele familienbezogene Anliegen. Sie reichen von den Elternrechten in den Kindereinrichtungen bis hin zum Ärger mit der Familienkasse beim Kindergeld. Das sind alles für mich keine unbekannten Tatsachen oder Anliegen. Dabei sehe ich meine Funktion oft als eine Art Lotse, der lenken und beraten kann. Natürlich ist es dabei von Vorteil, dass ich einen direkten Kontakt zu den Behörden habe.
Haben sich besondere Schwerpunkte herausgebildet, bei denen die Bürger Unterstützung brauchen?
Die Palette ist so breit, wie das Leben. Es gibt viele soziale Anliegen, aber auch Fragen zum Baurecht. Mir ist auch wichtig, ein latentes Misstrauen gegenüber Behörden abzubauen. Die Kommunikation scheitert manchmal auch schon an kleinen Missverständnissen. Manchmal ist es auch eine schnelle Hilfe, wenn z.B. ein Rentner seinen Rentenbescheid nicht versteht und von unabhängiger Seite erklärt bekommt. Im Vordergrund steht für den Bürgerbeauftragten natürlich immer das Handeln der Behörden. Oftmals ließe sich manches schneller deutlich machen, wenn Bescheide und andere Dokumente einfacher und verständlicher formuliert wären. Dennoch: Ich bin fest davon überzeugt, das Verwaltungen und Behörden besser sind als ihr Ruf. Meine Arbeit würde ich mit „Dolmetschen, Lotsen, Moderieren“ überschreiben.
Haben Sie dazu ein Beispiel?
Dazu eine Vorbemerkung: Alle Probleme, die an uns herangetragen werden, unterliegen einer strengen Vertraulichkeit. Aber an einem Beispiel kann ich das doch zeigen: Der Leiter eines Altenheimes schickte uns eine E-Mail, weil die Stadtwerke wegen dringenden Bauarbeiten das Wasser in drei Tagen vormittags abstellen wollten. Das war genau die Zeit, in der die Bewohner gewaschen werden und das Essen gekocht werden muss. Unsere Moderation hat geholfen, und es wurde ein einfacher Weg gefunden, die Wünsche beider Beteiligten unter einen Hut zu bringen.
Noch einmal zurück nach Gera. Welche Probleme standen hier im Zentrum?
Es ging um ein breites Spektrum, das vom Straßenbaurecht bis zur Überwindung der Folgen des Hochwassers im vergangenen Jahr reicht.
Wird es bald eine Wiederholung ihrer Sprechstunden geben?
Bis jetzt stehen die Termine nur für das erste Halbjahr fest, da steht Ostthüringen nicht noch einmal auf dem Programm. Aber man kann sich für einen Besuch in Erfurt anmelden.
 Interview: Reinhard Schubert
 

( vorstufe, 02.05.2014 )

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