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Eine eigene kleine Welt

Aus der Selbsthilfegruppe heraus gründete sich vor ungefähr eineinhalb Jahren der Autismus Ostthüringen e.V. und zählt heute 15 Mitglieder. „Als Selbsthilfegruppe hat man nur einen bestimmten Wirkungskreis. Ein Verein kann glaubwürdiger und seriöser auftreten und hält als juristische Person mehr Rechte inne”, erklärt Susan Kirchner, Gründungsmitglied und Vorsitzende des Vereins, die Intention der Vereinsgründung. 
Neben zahlreichen internen und externen Treffen, Teilnahmen an Messen und Thementagen sowie der Unterstützung von Fachvorträgen stellt sich der Verein nun auch zum zweiten Mal der Herausforderung, den Weltautismustag auch nach Gera zu holen. „Wir wollen das ganze Jahr über die Bürger für die Entwicklungsstörungen des Autisten und dessen Facetten sensibilisieren, organisieren Gesprächskreise und Fortbildungen, beraten und begleiten betroffene Eltern und wollen stetig unser Netzwerk, von Therapeuten, Pädagogen, Ärzten und anderen Personen und Institutionen, die sich mit der Thematik Autismus-Spektrum-Störungen intensiv auseinandersetzen, aufbauen. Aber an einem Tag wollen wir all unsere Kräfte bündeln und mit einer besonderen Aktion die Menschen zum Zuhören, Zuschauen und Nachdenken anregen”, sagt die Vorsitzende. 
Während der Verein im vergangenen Jahr eine Lesung mit Tessa Korber „Ich liebe dich nicht ....“ organisierte, soll es in diesem Jahr ein Film im Filmclub Comma sein.
„Wir erhoffen uns wieder zahlreiche interessierte Bürger und das vielleicht auch weitere betroffene Eltern den Weg zu uns finden”, lädt Kirchner ein. 
Am Dienstag, 8. April, 20 Uhr, flimmert „Das Pferd auf dem Balkon” über die Leinwand. Der zehnjährige Mika ist anders: Er liebt Mathematik, sagt immer nur die Wahrheit und erkennt Sachen, die andere übersehen. Mit Menschen kann er zwar wenig anfangen, Freunde hätte er aber schon gerne. Eines Nachts hört er ein Wiehern – da ist tatsächlich ein Pferd auf dem Balkon der Nachbarwohnung. Das Pferd gehört Sascha, der in großen Schwierigkeiten steckt.....
Am 2. April ist der internationale Tag der Autisten. 2008 wurde er von der UNO ins Leben gerufen. Autismus ist eine komplexe Störung, die das Gehirn betrifft. Sie beeinträchtigt die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Personen. „Oftmals wird Autismus mit ADHS abgetan, doch auch wenn die Diagnostik des Autismus langwierig ist, oftmals Jahre bis Jahrzehnte dauern kann und manchmal Ähnlichkeiten mit ADHS aufweist, gibt es einen wesentlichen Unterschied. Während an ADHS erkrankte Kinder oder Erwachsene soziale Kontakte aufbauen können, leben Autisten in ihrer eigenen Welt, mit ihren eigenen Regeln und ihren ganz strickten Abläufen”, erklärt die Mutter eines erwachsenen Autisten. Auch wenn sich ihr Sohn mit seiner Außenwelt im Einklang befindet, möchte sie zu dessen Schutz unerkannt bleiben. Denn das ist oftmals die bittere Realität, wenn man der Wahrheit ins Auge blickt: Eine ignorante, nicht aufgeklärte und sich dem „nicht Normalen” abwendende Gesellschaft, die dabei über ihre eigenen Normen und Werte stolpert. 
Doch wie lässt sich die Welt eines Autisten, dessen Sein ebenso vielfältig wie facettenreich sein kann, ansatzweise verstehen? „Der Verkehr ist mit Ampeln und Verkehrszeichen geregelt, doch was passiert, wenn diese Hilfsmittel wegbrechen? Während der gesunde Mensch Dinge ein- und ausblenden kann, sind für einen Autisten alle Dinge gleich wichtig”, erklärt Susan Kirchner.  
Der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. sagt, dass „es trotz umfangreicher Forschungsergebnisse bislang noch kein Erklärungsmodell gibt, das vollständig und schlüssig die Entstehungsursachen des Autismus belegen kann. So wichtig die Forschung für ein besseres Verständnis des Syndroms auch sein mag, so lassen sich doch keine theoriegeleiteten Ansätze für eine Förderung autistischer Kinder daraus ableiten. So unterschiedlich sich die ursächlichen Faktoren für das Syndrom darstellen, so vielfältig und jeweils am einzelnen Kind ausgerichtet müssen die pädagogischen und therapeutischen Ansätze sein.” 
Doch hier liegt die Krux, denn um die besondere und einzigartige Schöpfung der Autisten begreifen und verstehen zu können und die Welt für sie und ihre Eltern ein bisschen leichter zu machen, bedarf es Anlaufstellen. Daher ist es das größte Ziel des Vereins, ein Autismuszentrum in Gera aufzubauen, in dem autismusspezifische Förderungen und Beratungen stattfinden können.
Wer sich selbst einmal ein Bild vom Verein und seinen  Mitgliedern machen möchte, der kann sich zum kommenden Treffen am Montag, 7. April, 18 Uhr, im Streetwork Gera e.V. , Am Bärenweg 9, einfinden

( Fanny Zölsmann, 28.03.2014 )

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