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Sucht - Spiegel unserer Zeit


Drogen, Alkohol, Tabak, Essen, Medikamente, Medien, Glücksspiel - die Palette möglicher Abhängigkeiten ist lang. Sie alle haben aber eins gemein: sie führen zum Verfall und mitunter auch zum Tod. „Ich lernte einmal einen jungen Mann kennen, er war um die 25 Jahre alt, der sich nur noch in seinem rollenden Bürostuhl fortbewegen konnte. Seine Wohnung war komplett verwarlost, er aß kaum noch und lebte komplett isoliert. Der Grund für seinen desolaten Zustand war der Computer – er war süchtig nach dem Onlinespiel World of Warcaft”, erinnert sich Sozialtherapeut Jan Janovic an einen seiner Fälle, bei dem sich die Muskulatur soweit zurückgebildet hat, dass er nicht einmal mehr stehen konnte. Ein Beispiel dafür, dass nicht nur die körperlich abhängig machenden Stoffe einen Menschen in den Abgrund stürzen können. Wenngleich Mediensucht noch einen minimalen Prozentsatz der Süchtigen ausmacht, ist sie schwer im Kommen und zieht einen ähnlich wie Drogen, Alkohol und Medikamente in einen dämonischen Bann. „Wir leben nun einmal in einer Mediengesellschaft, daher ist es umso wichtiger seinen Kindern den gesunden Umgang mit den Medien beizubringen und den Eltern Richtwerte an die Hand zu geben. Für einen Jugendlichen ist es normal, wenn er am Tag 60 bis 90 Minuten am Computer sitzt und spielt. Wir sprechen von Abhängigkeit, wenn der Zustand mindestens ein Jahr anhält, wobei Kinder schneller der Sucht verfallen. Wenn ein Jugendlicher mal zwei Tage am Rechner sitzt, weil er sein neues Spiel testen will, dann ist das okay. Auch Ballerspiele sind nicht gleich besorgniserregend, es ist das neumodische Räuber und Gendarm”, sagt Janovic. Doch sollte man nicht nur das Bewusstsein bei den Kindern wecken, sondern vielmehr bei den Eltern. „Es ist kein Wunder warum die Demenzen zunehmen. Wir leben in einer Medienwelt und unser Kopf kann gar nicht alles verarbeiten”, macht die Leiterin der Beratungsstelle, Annett Wetterau, bewusst. 
Zwölf Betroffene und/oder Angehörige suchten 2013 die Beratungsstelle hinsichtlich einer medialen Sucht auf. Weitaus höher liegt die Zahl derer, die wegen anderer Süchte kommen. Exakt 1.099 Menschen, im Durchschnitt etwa vier am Tag, kamen im vergangenen Jahr. „Wobei wir aufgrund der angespannten finanziellen Situation nur noch an drei Tagen ganztägig Sprechzeiten anbieten können. Die Verhandlungen stehen aber unter einem guten Stern”, blickt Wetterau zuversichtlich in die Zukunft. Aktuell stehen 4,3 Vollzeitstellen den Betroffenen in Gera zur Seite. „Dies allein reicht aber nicht aus. Die üblichen Rahmenbedingungen für eine Suchtberatungsstelle sprechen von einem Suchtberater je 10.000 Einwohner plus Verwaltung und Prävention. Wir hingegen puffern Suchtberatung, Prävention und Verwaltung mit den besagten 4,3 Stellen ab. Da sind Wartezeiten vorprogrammiert. Mitunter warten Hilfesuchende drei bis fünf Wochen - in Notsituationen und Akutfällen eine zu lange Zeit”, klärt Wetterau auf. „Diese Zeit ist auch dann zu lang, wenn jemand die Motivation gefunden hat, sich helfen zu lassen. Denn ein Konsument lebt in einem abivalenten Verhältnis. So kann die Motivation morgen schon wieder weg sein, wenn die Entzugserscheinungen überwiegen”, fügt Janovic hinzu. 667 Fälle mit einer Alkoholproblematik verzeichnete die Beratungsstelle 2013. „Würde Alkohol heute erst erfunden werden, es gäbe kein Land, welches es legalisieren würde”, macht Janovic die Gefahren dieses lukullischen Getränks deutlich. Auch wenn die Zahlen rückläufig sind, stellt Alkohol noch immer die größte Problematik dar, aber nicht den heißesten Brandherd. Im Jahresbericht 2013 der Suchtberatungsstelle (www.do-diakonie.de/suchtberatung-psychosoziale-suchtberatungsstelle.html) steht geschrieben, dass die kontinuierliche Verbreitung von Crystal in Gera und Umland steigt. Noch nie war es so einfach an diese Droge zu kommen. Der Drogenmarkt wird überschwemmt und erreicht zugleich eine neue Nutzergruppe, die durch den Konsum dem Leistungsdruck im Job standhalten will. „Auch zunehmend junge Mütter konsumieren Crystal und bringen abhängige Babys zur Welt”, verdeutlicht Wetterau die Lage der hochriskanten, neurotoxischen Droge Crystal. 


( Fanny Zölsmann und Benjamin Schmutzler, 21.03.2014 )

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