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Mit dem Anhänger zu Fuß zum Einsatz

Laut deutschem Feuerwehrverband sind heute mehr als 1,3 Millionen Menschen bei den Feuerwehren tätig. Ein Großteil gehört dabei einer der zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren an, mit denen vor über 150 Jahren für den Brandschutz in Deutschland die modernen Zeiten anbrachen. Damaligen Bränden standen die Menschen oft hilflos gegenüber und so musste man mit ansehen, wie oftmals ganze Stadtteile bis auf die Grundmauern niederbranden. Auch in Liebschwitz gab es Brände die letztendlich mit dazu führten, dass hier im Jahr 1921 die Feuerwehr des Ortes gegründet wurde.
Die Verbundenheit zum Ort und das Helfen wenn Menschen in Not sind, nennen auch hier alle, wenn man fragt warum sie einen oftmals gefährlichen Job in ehrenamtlicher Tätigkeit auf sich nehmen. Einander helfen ist dabei für die Liebschwitzer nichts neues, sondern gehört zum Leben eines jeden der hier wohnt und so gehört aus vielen Familien jemand zur Feuerwehr. Von Beginn an dabei ist hier auch Familie Albert. „Ich selbst bin seit 1981 bei der Feuerwehr, mein Vater ist jetzt 65 Jahre dabei und mit anderen noch immer als Alters- und Ehrenkraft im Verein tätig und auch mein Opa war bei der Liebschwitzer Feuerwehr,  als diese gegründet wurde“, erzählt Frank Albert im Gespräch. „Wir kennen das gar nicht anders. Wir führen das weiter, was unsere Eltern und Großeltern begonnen haben und außerdem ist doch jeder froh, wenn ihm in der Not geholfen wird. So wollen wir das auch und sind deshalb auch gern dazu bereit zu helfen“, fügt er hinzu. Derzeitig sind bei den Liebschwitzern 27 Einsatzkräfte, zwölf Alters- und Ehrenkräfte sowie zehn Jugendfeuerwehrleute tätig, die im Jahr an über 40 Einsätzen beteiligt sind. Dabei gehört der Süden von Gera bis zur Südosttangente und Orte wie Niebra und Falka zum Einsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Liebschwitz. 
Das Hochwasser im vergangenen Jahr gehörte dabei zu den größten Herausforderungen im Jahr 2013. Hier war man mit allen Kräften mehr als eine Woche im 24 Stunden-Dienst tätig. „So gut das Wasser beim Löschen eines Brandes hilft, umso schlimmer ist was es anrichten kann, wenn es sich seinen Weg sucht. 1954 gab es auch eine solche Katastrophe, aber damals gab es keine Bebauung in den vom Hochwasser gefährdeten Gebieten und das Wasser konnte abfließen. Jetzt haben wir das Problem, dass durch die Bebauung fast keine Ausweichflächen da sind, dass Wasser sich seinen Weg durch die Ortschaften sucht und es dazu auch nicht mehr so einfach abfließen kann“, erklärt Heinz Albert zum Thema.
Das es bei den heutigen Möglichkeiten und der zur Verfügung stehenden Technik trotzdem so verheerend endete wie 2013 ist nicht jedem verständlich. Dabei denken die älteren daran, mit welchen Mitteln sie „damals“ zurecht kommen mussten. So erinnern sich Heinz Albert, Jürgen Ziemer und Siegfried Dietrich, die gemeinsam über 150 Jahre Feuerwehrerfahrung mit sich bringen, an das ein oder andere Erlebnis in ihrer Laufbahn. So gab es einen TSA-Hänger (Tragkraft-Spritzen-Anhänger) auf dem sich die Erstausrüstung befand. „Diesen zogen wir auch schon mal per Hand zum Einsatz, denn wir hatten damals noch kein eigenes Fahrzeug. Der Hänger wurde immer an einen privaten LKW angehängt. War dieser im Einsatz, mussten wir selbst ran und zogen das Teil quer durch den Ort“, erinnern sich die drei lächelnd an so manche Situation. Doch es gab auch gefährliche Einsätze, bei denen etwas schief gehen konnte. So gab es Ende der 70er Jahre einen durch Kurzschluss ausgelösten Großbrand in einem Werk der damaligen Energieversorgung. „Hier herrschten Temperaturen, die die Stahlträger schmelzen ließen, welche  sich wie Korkenzieher verdrehten. Man musste damit rechnen, dass alles zusammenstürzt“, so Sigfried Dietrich zum Brand. Noch heikler war die Angelegenheit im August 1988, als das Minoltanklager in Gera-Zwötzen brannte. „Eine Abfüllstation hatte sich entzündet und darunter waren die Tanks gefüllt mit 250.000 Litern Treibstoff. Wäre das explodiert, würde Zwötzen heute anders aussehen und auch die Feuerwehrleute von Gera wären nicht mehr da“, berichten die drei Alters- und Ehrenkräfte. „Ja, so etwas gehört dazu. Aber dafür besuchen wir ständig Aus- und Weiterbildungen, führen selbst Übungen und einmal im Jahr auch ein mehrtägiges Übungslager durch“, so Steffen Höntsch, der Wehrleiter der Liebschwitzer Feuerwehr.
„Umfangreich und Verantwortungsvoll ist das Aufgabengebiet, welches die Feuerwehrleute heute übernehmen. Dabei sind Sie gut ausgerüstet, aber passieren kann immer etwas und außerdem wird auch hier immer mehr eingespart. Aber unsere Jungs wissen sich zu helfen, wie wir damals. Wir hatten bis 1993 nicht einmal ein Telefon. So wurden wir über verschiedene Kanäle zwecks eines Einsatzes informiert und kamen immer noch rechtzeitig. So manches Mal hatten wir diesbezüglich Angst, dass wir zu spät sind und am Ende die Bauarbeiter schon da sind um mit der Sanierung zu beginnen“, so Heinz Albert mit einem lachenden Auge zur damaligen Situation. Neben den Einsätzen engagiert sich der Feuerwehrverein auch traditionell im Ort. So veranstaltet man am 9. und 10 Mai das große Maibaumsetzen in Liebschwitz. Beim gleichzeitig größten Fest des Ortes beginnt es am Freitag mit einem Fackelumzug, es gibt ein großes Feuer und im Zelt gibt es Musik und Tanz. Der Sonnabend beginnt um 14 Uhr mit dem Maibaumsetzen, einigen Überraschungen am Nachmittag für Groß und Klein und dem abendlichen Maitanz im Festzelt. Für das leibliche Wohl ist an beiden Tagen bestens gesorgt.

( Lars Werner, 21.03.2014 )

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