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Alle für einen - keiner für alle

Ende letzten Jahres machten sie Schlagzeile - die Retter für das KuK Gera. Es gründete sich eine Initiative aus nicht einmal zwei handvoll Geraer Bürgern, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, den Spielbetrieb im KuK auch nach dem 31. Dezember 2014 zu sichern. Denn dies ist derzeit Fakt, per Stadtratsbeschluss wird das Haus im Eigenbetrieb der Stadt Gera ab 2015 keine Veranstaltungen mehr durchführen.
Feuer und Flamme, das Haus als solches für Gera und die Region zu erhalten, gründete sich aus der anfänglichen Initiative ein Verein „Wir für das KuK Gera”, mit Jürgen Schaab als Vereinsvorsitzenden. So war er es, der es via sozialem Netzwerk geschafft hat, Geraer Bürger zu motivieren und zu mobilisieren.  
Mitte Februar lud der Verein zur Podiumsdiskussion unter dem Motto „Der Verein stellt sich vor”. Rund 200 interessierte Bürger, Vertreter aller politischer Couleur und Vertreter der Stadt folgten der Einladung und diskutierten fleißig mit, wie es denn nun weitergehen könnte (wir berichteten). Bereits an diesem Tag schien der „Jenga”-Vereinsturm einen Stein verloren zu haben. Denn es war nicht Jürgen Schaab, der im Podium als Vereinsvorsitzender saß, es war Ronny Häberer - Vorstandsmitglied des Vereins und nun Vereinsvorsitzender. Gründe sollten nachgereicht werden. Wenige Tage später folgte die Erklärung: Es sei dem Gesundheitszustand von Schaab nicht mehr länger zumutbar, die Tätigkeiten als Vereinsvorsitzenden auszuführen. 
Zur Podiumsdiskussion wurde erstmals der mögliche Gedanke publik, das KuK per Genossenschaftsgründung retten zu wollen.  Die Initialzündung kam von den Piraten. Zur weiteren Umsetzung dieser Idee sollte ein Runder Tisch Mitte März einberufen werden. Entgegen der Ankündigung folgte bereits eine Einladung für einen Runden Tisch Ende Februar, ausgehändigt von Ernst-Dietrich Färber (Piratenpartei). Indes trat Schaab vom Rücktritt zurück, da es sich um einen satzungswidrigen Akt gehandelt habe. „Laut Vereinssatzung muss eine Vollversammlung einberufen werden, um einen Nachfolger zu bestimmen. Aus diesem Grund bin ich offiziell noch Vorsitzender, wobei es nur noch auf dem Papier steht. Ich möchte von all meinen Pflichten entbunden werden”, antwortete Jürgen Schaab unserer Zeitung, der laut eigenen Angaben im Verein keinen Sinn mehr sieht. Aktuell ist der Verein handlungsunfähig, da nach Rücksprache mit Ronny Häberer der noch amtierende Vereinsvorsitzende seinen Pflichten nicht nachkomme. Doch im Inneren des Vereins laufen die Bestrebungen weiter. „Am 24. Mai ist ein Benefiz-Konzert für das KuK angedacht”, verkündet Vereinsmitglied Fayme Feliciano. „Seit Wochen plant sie eifrig die Organisation. „Wir wollen uns mit diesem Event in der breiten Öffentlichkeit vorstellen, doch dafür müsste erst einmal Ruhe einkehren, damit das Ziel - die Rettung des KuK - wieder an vorderster Front steht”, gesteht sie ihre derzeitige Sorge und auch ihren Ärger, wie sich die Dinge in dem letzten Monat entwickelt haben. „Der Termin steht, neun Formationen haben bereits zugesagt, darunter Rock Revival, Hella Donna, Achim Petry und Jonny Hill. Zudem liegt uns ein Fördermittelbescheid in Höhe von 80 Prozent der Gesamtkosten vor. Es sind lediglich noch einige Verträge zu unterschreiben, welches eine Pflicht des Vorsitzenden des Vereins ist”, verweist sie auf die aktuelle Handlungsunfähigkeit desselbigen. „Fakt ist, er hat seinen Rücktritt öffentlich gemacht und er tat es freiwillig. Die Satzung sieht in diesem Fall vor, dass aus den Reihen des Vereinsvorstandes (Ronny und Conny Häberer sowie Marcel Blümm) durch den Vorstand ein neuer Vorsitzender gewählt werden kann - ohne Mitgliedervollversammlung”, erklärt Ronny Häberer auf Nachfrage. Während im Verein selbst ein Kauderwelsch hinsichtlich der Frage nach der eigenen Handlungsfähigkeit herrscht, spinnen Verfechter der Genossenschaftsidee weiter an ihrer Beteiligung am Interessenbekundungsverfahren, welches die Stadt zum KuK eingeleitet hat. 
Hier an forderster Front: Ernst Dietrich Färber, Uwe Rüdiger und Jürgen Schaab. Zum ersten Runden Tisch am 26. Februar kamen 13 mehr oder weniger interessierte Bürger. So saßen u.a. Günter Domkowsky (die Linke), Ines Wegner (die Grünen), Dieter Falk (die Bürgerschaft e.V.), Thomas Elstner (DGB) und zwei Mitarbeiter des KuK in der Runde. Viele Fragen zur inhaltlichen und räumlichen Gestaltung kamen auf, ob es z.B. Sinn mache, darüber nachzudenken, die Bibliothek in das KuK zu integrieren, anstatt beim Ursprung nachzuhaken, woher das Geld für die Genossenschaft kommen solle. Färber, der den Runden Tisch moderierte und mit zahlreichen Zahlen und Fakten zum Haus und der aktuellen Situation jonglierte, ist sich sicher, dass eine Genossenschaft funktionieren könne, da diese als eigenständiges Unternehmen Fördermittel und nötige Kredite beziehen könne - allerdings geknüpft an die Prämisse, dass das Haus wirtschaftlich arbeiten müsse. Ein erster Schritt sei mit der Reduzierung des Personals um 50 und mehr Prozent möglich. „Mit Beendigung der Betreibung des KuK endet zwar der Spielbetrieb, die 22 Mitarbeiter jedoch werden von der Stadt übernommen - jährliche Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Zugleich rechnet die Stadt nach der Stilllegung mit Betriebskosten in Höhe von 400.000 Euro. In Summe bleiben der Stadt Kosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro (Anmerkung der Redaktion: Die Sanierungskosten für einen Weiterbetrieb belaufen sich allein für 2014 auf bis zu 2,3 Millionen Euro)”, so Färber und führt weiter aus, dass die Genossenschaft bereit wäre, einen Teil des Personals zu übernehmen. So wurde viel geredet - und ein bisschen auch um den heißen Brei - bis am Ende Uwe Rüdiger eine wichtige Zahl auftischte. „Wir rechnen derzeit mit Genossenschaftsanteilen in Höhe von 100 bis 200 Euro. Die Stadt selbst könnte ja auch Genosse werden.” Ein zweiter Termin für den Runden Tisch wurde ausgemacht: 12. März. 
Doch kurzerhand wurde wenige Tage später zum zweiten Runden Tisch bereits am 4. März geladen. Und nahtlos ging das Spinnen der Genossenschaftsidee weiter, nur dieses Mal mit weniger und teils unbekannten Gesichtern in gemütlicher Runde. Erneut gesprächsführend: Ernst Dietrich Färber, daneben Uwe Rüdiger und Jürgen Schaab, letzterer betont als Privatperson. Visionäre Schlagworte wie energetische Sanierung, Optimierung des gastronomischen Bereiches, Erhöhung der Veranstaltungsquote, zwei Prozent Dividende auf die Genossenschaftsanteile ab dem fünften Jahr, raunten durch den Raum. Denn Färber räumte gleich zu Beginn mit der Frage nach der Finanzierung auf: „Die Frage nach dem Geld brauchen wir nicht zu klären, es ist klar, woher das Geld bei einer Genossenschaft kommt.”
Doch wo waren bei allem die Vereinsmitglieder? Geschlossen kamen sie zum ersten Runden Tisch zehn Minuten zu spät und „waren verwundert, dass Ernst Dietrich Färber das Sprachrohr übernommen hat. Wir als Verein wollten uns nie politisieren lassen. Der zweite Termin war uns erst gar nicht bekannt”, so Ronny Häberer.
Und so fiel ein weiterer „Jenga”-Stein. Denn es sollte das A und O einer funktionierenden Organisation sein, zu kommunizieren - nach oben und nach unten. Ganz zu schweigen von den Geschehnissen hinter den virtuellen Kulissen. So soll es mehrere Anfeindungen, Bedrohungen, ja sogar Kommentar- bis hinzu Mitgliederlöschungen und Fake-Accounts im sozialen Netzwerk „Facebook” - dem Ursprung des Vereins und der einstigen Begeisterungsstätte - gegeben haben, um die Diskussionen anzuheizen - alles im Sinne der Rettung des KuK?!
Da kann man von Glück sagen, dass das Haus auf fester solider Bausubstanz steht und der Wankelmütigkeit nicht so leicht zum Opfer fallen kann. Bleibt zu hoffen, dass die Seele des Hauses nicht am Ende in der Luft zerfetzt den Krähen zum Opfer fällt. 

( Fanny Zölsmann, 07.03.2014 )

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