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Episoden einer Erfolgsgeschichte

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich den Seniorennachmittag im Stadtmuseum. Nein, ich zähle - egal nach welcher Definition - noch nicht zu den Senioren, nein, ich fühlte mich trotz alledem nicht deplatziert aber ja, komisch fühlte ich mich allemal. Die Bezeichnung Seniorennachmittag ist natürlich etwas restriktiv, so empfand es auch Besucherin und Gästeführerin Sabine Rentzsch. „Sie müssten eine andere Bezeichnung für diese Veranstaltung finden, denn vielleicht würde auch ein Schüler gerne zu dieser Nachmittagsrunde kommen wollen, fühlt sich aber von vornherein schon ausgeschlossen”. Doch in diesem Artikel soll es nicht über Sinn und Unsinn der Bezeichnung „Seniorennachmittag” gehen.
Mein Chef, Verlagsleiter und zugleich Geschäftsführer des Graphischen Betriebes Gebr. Frank, führte durch die kürzlich eröffnete Studioausstellung „100 Jahre Gebr. Frank – 400 Jahre Druckereien in Gera“. Quasi ein Muss dem beizuwohnen. Rund 40 ehemalige Mitarbeiter, Experten und interessierte Bürger folgten der Einladung des Stadtmuseums, sich in die Geschichte eines untergegangenen Kunsthandwerkes entführen zu lassen, das seiner Zeit viel zu bieten hatte. „Es ist verblüffend, dass in der Zeit, in der es weder Farbfernseher noch Farbfotos gab, bunte Kupferstiche und Lithografien als z.B. Seitenillustrationen in Büchern vorkamen”, erzählt Matthias Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stadtmuseum. Dr. Harald Frank verdeutlichte an Zahlen und Fakten, wie sich das einstige Kunsthandwerk in einen reinen Industriebetrieb wandelte. „Während 1960 noch drei Personen an einer Druckermaschine standen und rund 700 Bögen in einer Farbe pro Stunde produzieren konnten, verlassen heute stündlich rund 15.000 Bögen sechsfarbig die Ein-Mann-Maschine”, bilanziert er. Es ist dem Wandel geschuldet, dass der einstige Anspruch an einem Buch als Kunstwerk mit dem heutigen nicht mehr vergleichbar ist. So steht heute die Masse im Vordergrund. Mit diesem Wandel vollzog sich auch einer im Graphischen Betrieb. „In den 50er Jahren erkannte mein Vater die Chance der Verpackungsindustrie, die heute 70 bis 80 Prozent unseres Jahresumsatzes ausmacht”, erzählt Dr. Frank episodenhaft aus der 100jährigen Firmengeschichte und erinnerte an die ausrangierten Stempelrondelle, die Anfang der 90er Jahre noch auf allen Vorstandsschreibtischen ein unantastbares Machtsymbol darstellten. So habe der Betrieb 1990 noch eine halbe Million D-Mark mit Stempel umgesetzt, zwei Jahre später waren es nur noch 20.000 D-Mark. „So wie wir vor 100 Jahren noch nicht wussten, was uns im Heute erwartet, vermögen wir auch heute nicht zu wissen, was wir in fünfzig Jahren produzieren werden, denn dies bleibt das Geheimnis des Wandels”, so Dr. Frank abschließend. 
Unter den Zuhörern fand sich auch Vera Richter. Ihre Leidenschaft zum geschriebenen und gedruckten Wort verbindet sie mit dem Verlag und der Druckerei von Dr. Frank. „Mich lockte mein Interesse am Druckwesen im Allgemeinen und an der Firma Gebr. Frank im Besonderen in die Ausstellung. Er ist ein sehr engagierter Mann und ich wollte wissen, wie sich das Unternehmen entwickelt hat”, erzählt sie. Vera Richter schreibt heitere satirische Kurzgeschichten u.a. Mensch, Oma Herta - Szenen eines aufregenden Lebens, erschienen im Verlag Dr. Frank.
Auch der Lithograf Pit Eremit zählte zu den Gästen. Er lernte den Beruf von der Pike auf und bezeichnet diesen heute als „museal”. „Unvorstellbar heute, wurde damals noch größtenteils seitenverkehrt gearbeitet. Heute werden die Fertigkeiten des Lithografen wenn überhaupt noch von Künstlern genutzt”, fasst er kurz zusammen.
Dass Gera nicht nur mit Dix und Schütz aufwarten kann, soll diese Ausstellung unter Beweis stellen. Auch im Druckereiwesen sind viele Stücke entstanden, die es zu erwähnen und zu erhalten gilt. Es ist das Anliegen von Dr. Frank, den Respekt vor der Druckerzunft wieder zu erlangen.
Die Ausstellung ist bis zum 25. Mai, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, 12 bis 17 Uhr, geöffnet.

( Fanny Zölsmann, 07.03.2014 )

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