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Druckerei Gebr. Frank feiert 100. Geburtstag

„Gera hat mehr zu bieten als nur Wismut, Elektronik und Textilindustrie, auch die Kunst des Buchdruckes ist seit mehr als 400 Jahren in Gera zu Hause.“ Mit dieser Feststellung eröffnete Dr. Harald Frank die neue Studioausstellung „100 Jahre Gebrüder Frank – 400 Jahre Druckereien und Verlage in Gera“ im Stadtmuseum. 
Damit kommen zwei Jubilare unter ein Dach: Am 1. April 1914 hatten der Lithograph Paul Frank und sein Bruder Karl Frank, von Beruf Buchbinder, ihre Klischeeanstalt eröffnet, im gleichen Jahr wurde auch das heutige Stadtmuseum gegründet.
Die rasante Entwicklung der Technik kann man an der beeindruckenden Entwicklung der Druckerei Gebr. Frank nachvollziehen und sie wird mit der Ausstellung im Stadtmuseum dokumentiert. Dabei sieht man nicht nur historische Maschinen und Geräte, sondern auch Druckerzeugnisse, über deren Qualität man auch nach Jahrzehnten nur staunen kann. Bei der Herstellung von Klischees besaßen Gebr. Frank weit über Ostthüringen hinaus eine Art Monopolstellung. Aber auch in der Folgezeit erfolgte eine ständige Anpassung an die neuen technischen Erfordernisse und Möglichkeiten. „Wir mussten uns stets daran orientieren, was die Kunden wollen“, so der heutige Firmenchef Dr. Harald Frank. Ganze Kundenkreise sind weggebrochen, andere kamen hinzu. Dazu ein Beispiel: Während die „Geraer Zeitung“ – sie bezog über viele Jahrzehnte die Klischees von Gebr. Frank – über mehrere Jahrzehnte die einzige in Gera erscheinende Tageszeitung war, gab es 1920 sechs Titel zu Auswahl. Heute wird keine Tageszeitung mehr in unserer Stadt gedruckt. Rechtzeitig hat sich die Firma Frank dann auf die Herstellung von Faltschachteln konzentriert, ohne andere Auftragsarten zu vernachlässigen.
Vom Handwerk bis zum Industriebetrieb – oftmals ein steiniger Weg, der Rückschläge verkraften musste. 1972 war das Unternehmen enteignet und der Druckerei Volkswacht angeschlossen worden. 1990 riskierte Herbert Frank gemeinsam mit seinem Sohn Harald die Reprivatisierung. „Jetzt diktiert die Technik das Geschehen“, sagt der Firmeninhaber. Auch die Wünsche der Kunden haben sich verändert und kommen heute aus Städten im Umkreis von 200 Kilometern.
Dr. Frank hat die Entwicklung seines Familienunternehmens niedergeschrieben. Darin betont er, dass die Geschichte über 100 Jahre auch bei der heutigen Gesellschaft Ehrfurcht und Anerkennung vor den Leistungen mehrerer Generation der Familie und vieler Mitarbeiter erzeuge, gleichzeitig aber ein intensives Bewusstsein und große Verantwortung beinhaltet. Auch wenn ein Großteil der Aufträge heute von weit her kommt, so wird doch noch in Gera produziert. (Viele interessante Fakten aus der Entwicklung des Graphischen Betriebes veröffentlicht Dr. Frank in einer mehrteiligen Reihe in Neues Gera. Die 8. Folge wird auf Seite 10 dieser Ausgabe veröffentlicht, weitere folgen).
Die Geschichte des Buchdruckes geht allerdings viel weiter zurück und dokumentiert, wie sich aus einem angesehenen Handwerk eine moderne Industrie entwickelt hat. „Die Historia von Doktor Johann Fausten“ stammt aus der Druckerei von Johann Spieß aus Langenberg, und ist 1607 erschienen. Andere Quellen besagen, dass das Buch bereits 1587 auf der Frankfurter Herbstmesse gezeigt worden sei und hier für ein großes Aufsehen gesorgt hatte. Unbestritten ist dass Spieß als der älteste Drucker Geras gilt. Der kleine Handwerksbetrieb hat rund 200 Jahre existiert und war in ganz Deutschland bekannt.
Das Drucker-Gewerbe Geras erlebte in den folgenden Jahrzehnten einen enormen Aufschwung. Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Siegeszug des Steindrucks, der Lithografie. Das Verfahren erlaubte die Herstellung von Ansichten, Porträts, Vordrucken und Werbematerial in höherer Auflage und war damit wesentlich preiswerter, als das bisher mit Kupferstichen oder Radierungen der Fall war. Geras erste Steindruckerei, die „Lithographische Anstalt“, wurde 1824 gegründet, weitere folgten ab den 1850er Jahren. Die Chromolithografie, ein aufwendiger, in mehreren Druckvorgängen hergestellter Farbdruck, fand nach 1880 als Buchillustration weiteste Verbreitung. Auch Geraer Firmen, allen voran Verlag und Steindruckerei von Fr. Eugen Köhler, setzten sich mit opulent illustrierten Büchern ein unvergängliches Denkmal. Im Jahre 1930 wurden in der Stadt 30 Druckerei betrieben.

Die Zeiten haben sich geändert. Gedruckt wird heute nicht mehr mit Kalksteinen und nur noch selten mit beweglichen Lettern. Geraer Firmen wie das Druckhaus Gera, Gebrüder Frank oder die Druckerei Oppenrieder bereichern aber die heutige Medienlandschaft weiterhin mit einem vielfältigen Leistungsangebot. Die Ausstellung im Stadtmuseum ist bis zum 25. Mai, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, von 12 bis 17 Uhr geöffnet.  

( Reinhard Schubert, 28.02.2014 )

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