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Lassen Sie uns nach vorn schauen

 „Lassen Sie uns gemeinsam nach vorn schauen und nicht ständig den Blick zurückwerfen”, diese Worte sprach der neue Vorsitzende des einladenden Vereins „Wir für das KuK Gera e.V.”, Ronny Häberer, oft an jenem Abend aus, als zur Podiumsdiskussion „Der Verein stellt sich und seine Arbeit vor” geladen wurde.

Seit 13. Februar ist Ronny Häberer neuer Vorsitzender des Vereins. „Auf dringendes Anraten meiner Ärzte war ich gezwungen, mit sofortiger Wirkung mein Amt als amtierender Vorsitzender niederzulegen. Vielen unserer Mitstreiter ist bekannt, dass ich vor zwei Jahren einen schweren Herzinfarkt hatte. Die Belastungen und auch einige, unerwartete Widerstände von Seiten der Verantwortungsträger waren meinem gesundheitlichen Befinden augenscheinlich nicht zuträglich”, erklärte Jürgen Schaab auf Nachfrage.

Das Thema „Zukunft KuK” bahnte sich nur schwerlich seinen Weg durch die politische Debatte der teilnehmenden Gesprächspartner, denn eines wurde relativ schnell in dieser Talkrunde klar: Schuld sind wie immer die anderen und der Keim allen Übels liegt im ewig Gestrigen. Nach vorn schauen fällt anscheinend schwer und mit Lösungsvorschlägen ist das auch so eine Sache.

Angesetzt waren zwei Diskussionsrunden. In der ersten kamen besagter Vereinsvorsitzender Ronny Häberer, Dr. Frank Rühling, Geschäftsführer Eigenbetrieb Kultur-und Veranstaltungsmanagement der Stadt sowie Stephan Papperitz vom Genossenschaftsverband zu Wort. Häberer bekräftigte, dass es das Ziel des Vereins sei, den Spielbetrieb des Hauses über 2014 hinaus zu sichern. „Seit acht Wochen sind wir nun ein eingetragener Verein und zählen bis dato 26 Mitglieder. Wir wollen den Verein wachsen lassen und appellieren an die Bürger sich uns anzuschließen”, rief er an diesem Abend zu Beitritt und/oder Spenden auf.

Doch wie steht es denn tatsächlich gerade um das KuK? „Auch wenn die Lichter im vollen Glanz strahlen, ist die Haustechnik noch von 1981, die Küche ist vom einstigen Interhotel und ganz zu schweigen vom Zustand hinter den Kulissen”, zählt Dr. Rühling die Mängel auf. „Das Haus weist einen 2,1 Millionen Euro hohen Sanierungsstau auf, davon betroffen ist die szenische Beleuchtung im Saal, der Brandschutz und die Kälteversorgung, welche noch bis Ende 2014 über eine Fernkältetrasse reguliert werden kann. Diese wird es definitiv ab 2015 nicht mehr geben”, betont er und bilanziert, dass rund 300.000 Euro für eine neue Klimatechnik nötig wären. In diesen 2,1 Millionen Euro ist allerdings auch ein rund ein Millionen hoher jährlicher Zuschuss vom Eigenbetrieb einkalkuliert. „Trotz des Zuschusses hat das Haus bis 2011 ein Minus von rund 300.000 Euro erwirtschaftet, dieses konnten wir 2012 erstmals auf 20.000 senken und können sagen, dass das KuK in den letzten zwei Jahren praktisch mit Null ausging”, rechnet er weiter vor.

Die Lösung zur Rettung des KuK sehen die Vereinsakteure derzeit in der Gründung einer Genossenschaft. „Ein gutes Beispiel für eine gelungene bürgerschaftliche Initiative ist die Festhalle in Annaberg. Mit Anteilen zwischen 50 und 5.000 Euro haben die Bürger ihre Festhalle auf sichere Füße gestellt, wobei sie auf starke Partner wie eine hiesige Bank und die Stadtwerke bauen konnten”, führt Stephan Papperitz aus. Bei einer erfolgreichen Laufbahn der Genossenschaft könnten die Anteilseigner in wenigen Jahren mit einer Dividendenausschüttung rechnen. Eins wäre mit dieser Lösung auf jeden Fall gesichert: mitreden ist garantiert. „Es ist urdemokratisch, denn jedes Mitglied erhält eine Stimme”, fasst er zusammen. Doch wie dieser Rettungsschirm für das KuK aussehen könnte, blieb unbeantwortet.

In einer zweiten Talkrunde waren die Politiker und Fraktionen an der Reihe. Sämtliche Vereinsakteure verschwanden von der Bildfläche und gaben die Redegewalt an die Stadträte und politischen Vertreter ab. Sollten es also doch wieder die ehrenamtlichen Stadträte klären? Mit von der Partie: Günter Domkowsky (Linke-Stadtrat), Armin Allgäuer (Fraktionsvorsitzender SPD), Kerstin Pudig (Fraktionsvorsitzende Arbeit für Gera), Harald Frank (Fraktionsvorsitzender Bürgerschaft), Regina Pfeiler (Mitglied der Grünen) und Uwe Rüdiger (Kreisverbandsvorsitzender Piraten). In Zeiten des Kampfes, um die besten Plätze im Stadtrat, ist es wohl eine Frage der Ehre, einen Vertreter mit in den Ring zu schicken. Angereichert mit Phrasen wie „Es ist ein Teil unserer Geschichte” (Allgäuer), „Kultur wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben” (Pudig), „Vieles ist mit Bürgerengagement möglich” (Pfeiler) waren sich alle Repräsentanten aller politischer Coleur einig, dass das KuK erhalten bleiben muss. Doch mit schwammigen Worthülsen lässt es sich nun einmal leichter jonglieren als mit bissfesten Lösungen. Man muss nicht um den heißen Brei reden, um die Tatsache auf den Punkt zu bringen: Finanzielle Mittel sind nötig, um den Spielbetrieb zu sichern, doch woher nehmen, wenn nicht stehlen.

Kerstin Pudig (AfG) unterstützt den Ansatz der Genossenschaft, der auch von den Piraten mitgetragen wird. „Vielleicht findet sich im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens jemand, der diese Idee einbringt und vielleicht gibt es so auch die Möglichkeit, neue Drittmittel zu akquirieren”, so Pudig. Armin Allgäuer, der in der Schließung eine bundesweit tödliche Schlagzeile wittert, will erneut die Gespräche mit Landtagsabgeordneten suchen. Und wenn alles Reden und Lancieren nichts mehr bringe, werde Günter Domkowsky Mitte des Jahres ein Bürgerbegehren starten. Doch das viele Reden ist am Ende wieder nur heiße Luft, wenn keiner bereit ist das Portemonnaie zu zücken. „Wir unterstützen alle Versuche für die Rettung, ob wir es schaffen, steht auf einem anderen Blatt. Dass ich Engagement habe, zeigte ich daran, dass ich einen Euro für die Garderobe gezahlt habe. Hätte dies jeder heute Abend getan, wären schon 100 Euro mehr in der Kasse. Ich werde Mitglied und werde spenden”, meinte Dr. Harald Frank und verwies darauf, dass die Idee der Genossenschaft „zwar gut, aber noch völlig unklar ist”. Ein Rechenbeispiel, wie das KuK binnen eines Jahres gerettet werden könne, legte der Verein dar: Wenn jeder zweite Bürger monatlich fünf Euro spenden würde, hätten wir in einem Jahr die notwendige Summe zusammen.

Auch wenn an diesem Abend kein tragfähiges Konzept vorgelegt wurde, eines wurde auf jeden Fall erreicht: Vom Rausch dieser zweistündigen Debatte und dem propagandistischen Aufruf von Dr. Harald Frank, zu spenden anstatt zu reden, benebelt, zückten die Gerschen ihre Geldbörsen und spendeten fünf Euro Scheine.

Für die Vereinsakteure gilt es nun erst recht am Ball zu bleiben, soll es am Ende ja nicht ein zweites Dilemma à la Kunsthaus geben. Angekündigt wurde als nächster Schritt die Gründung eines Runden Tisches Mitte März.

Um den Spielbetrieb auch über 2014 hinaus zu sichern, sucht die Stadt einen Betreiber für das KuK. Dazu wurde bundesweit und regional ein Aufruf zur Teilnahme an einem Interessenbekundungsverfahren veröffentlicht. Die Suche nach einem neuen Betreiber ergebe sich aus dem Haushaltssicherungskonzept, das der Stadtrat im November letzten Jahres beschlossen hatte und weil die Stadt das Geld für dringend notwendige Investitionen nicht aufbringen kann. Angebote von Interessenten sollen bis zum 31. März bei der Stadt vorliegen. „Nach Auswertung der Angebote werden vertragliche Regelungen vorbereitet. Die Entscheidung über einen neuen Betreiber trifft dann der Stadtrat“, erklärte Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. Der Betreiber müsse das Gebäude KuK laut dem Interessenbekundungsverfahren nicht zwingend als Eigentümer übernehmen. „Ziel bleibt es, Partner zu gewinnen, mit denen wir nachhaltig die Zukunft für das KuK sichern können“, betont sie. 

( Fanny Zölsmann, 21.02.2014 )

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