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Rucksack voller Probleme auspacken

Die rote Laterne in Sachen Arbeitslosigkeit kann sich die Stadt Gera anhängen. Bei der Zahl der Arbeitslosen nimmt sie in Thüringen mit 11,8 Prozent den unrühmlichen letzten Platz ein. 5.686 Menschen sind in unserer Stadt ohne Lohn und Brot. 38 Prozent davon wiederum sind Langzeitarbeitslose, „einige seit mehr als 20 Jahren“, weiß Regina Müller, Leiterin des Regionalen Integrationsprojektes Gera. 
Dieses Projekt mit Sitz in der Erfurtstaße 10 unter dem Dach der „Otegau“ kümmert sich seit Juli 2010 um arbeitslose Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen. Das heißt, ein Großteil von ihnen hat sich aufgegeben, glaubt, dass sie nicht mehr gebraucht werden, fühlt sich wie ein Stiefkind der Gesellschaft und versinkt immer mehr in Resignation. 
Aus diesem schicksalsergebenen Kreislauf will das Integrationsprojekt die Betroffenen herausbringen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ nennt es Roswitha Schmeller, Otegau-Geschäftsführerin. Diese Hilfe bieten vier Integrationsbegleiter an, die in dem Projekt beschäftigt sind. Sie haben in den drei Jahren ihrer Tätigkeit gute Erfahrungen im Umgang mit den arbeitslosen Menschen gesammelt und fungieren nicht nur als Begleiter, sondern auch als Wegbereiter, Lotse und nicht zuletzt auch als Seelentröster. „Jeder, der zu uns kommt, hat erst einmal einen Rucksack voll Probleme“, schildert Regina Müller den Weg. Schritt für Schritt müsse er ausgepackt werden. 
Vor allen Dingen machen die Mitarbeiterinnen denjenigen, die zu ihnen kommen, Mut, wieder auf sich selbst zu vertrauen, nach vorne zu schauen und auf den eigenen Stärken aufzubauen. Das geschieht ganz individuell, denn jeder hat eine andere Geschichte: der über 50-Jährige, der schon lange Zeit ohne Arbeit ist; die Alleinerziehende oder der Jugendliche ohne Berufs- oder gar Schulabschluss oder Spätaussiedler.
Die Integrationsbegleiter handeln nach dem Prinzip „orientieren, aktivieren, integrieren“. Dazu wird ein Netzwerk genutzt, zu dem Partner von der Agentur für Arbeit, Jobcenter, Volkshochschule bis zu den Unternehmen gehören. 
Seit Juli 2010 wurden in der Einrichtung 615 Teilnehmer betreut, davon waren 129 über 50 Jahre alt. „Über jeden, der wieder dem ersten Arbeitsmarkt zugeführt werden konnte, sind wir stolz und froh“, freut sich die Leiterin der Geraer Einrichtung. Aber auch solche, die wieder Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen und in der Ehrenamtszentrale oder im Freiwilligendienst mitarbeiten, werten die Betreuer als Erfolg ihrer Tätigkeit. Bestätigt sehen sie sich darin, dass das Land Thüringen ihre Arbeit anerkennt und das Projekt durch Fördermittel unterstützt. Die Zuwendungen stammen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Freistaates Thüringen zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration im Rahmen des Programms „Arbeit für Thüringen und Zukunft Familie“.
Den jüngsten Fördermittelbescheid übergab Staatssekretär Jochen Staschewski vom Thüringer Wirtschaftsministerium. Zu den bereits gezahlten fast 500.000 Euro legte das Land jetzt ca. 120.000 Euro zu, sodass das Projekt bis Mitte 2014 verlängert werden kann. „Dadurch ist jetzt eine längere Betreuung möglich“, versichert Roswitha Schmeller. 
Der Politiker lobte das Projekt und verwies auf den Erfolg. 13.000 Menschen seien in Thüringen arbeitslos, auf der anderen Seite herrsche ein Fachkräftemangel, für den wiederum arbeitslose Menschen ein Sockel seien. In Thüringen müsse das Arbeitslosenprogramm weiter ausgebaut werden. Das regionale Integrationsprojekt Gera sei ein gutes Beispiel, denn es ginge nicht um einen schnellen Erfolg, sondern um einen nachhaltigen. An die Stadt Gera richtete er die Aufforderung, alles zu unternehmen, um die Zahl der Arbeitslosen abzubauen. 


( Helga Schubert, 16.08.2013 )

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