Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Reformation und deren Auswirkungen

Geschichte wird oftmals als Abfolge von Schlachten, Eroberungen und Umstürzen vorgeführt. Dabei kann sie hochdramatisch, ja amüsant sein, wie die kürzlich eröffnete Sonderausstellung „Zwischen Kaiser und Kurfürst – Die Reformation in Gera und ihre Auswirkungen“ zeigt.

Mit einem unkonventionellen Streifzug durch die Geschichte der Geraer Reformation spannt Kurator Dr. Thomas Frantzke den Bogen über die politische Situation von Herrschaft und Stadt Gera am Vorabend der Reformation, hin zur Bedeutung von Kirche und Religion im späteren Mittelalter, über die Einführung der Reformation in der Herrschaft Gera sowie deren Auswirkungen bis in die Regierungszeit des Heinrich Posthumus Anfang des 17. Jahrhunderts.

Die Aussagekraft der Ausstellung zeigt sich in der Entscheidung des Kurators für „etwas weniger ist mehr“, womit er die Besucher bei der Betrachtung der Ausstellungsstücke während ihres Rundgangs auf das Wesentliche konzentrieren lässt und gleichzeitig Hintergrundwissen vermittelt, wodurch der geschichtliche Zeitraum an Lebendigkeit gewinnt.

Jedes der etwa 100 ausgewählten Objekte ist verbunden mit einer spannenden Geschichte. Sie alle zusammengenommen geben eine Antwort auf die Fragen, weshalb sich die Reformation hier erst 1533 durchgesetzt hat, worin sich der Konflikt zwischen den katholischen Mächten im Reich (an deren Spitze der Kaiser stand) und den Anhängern des neuen Glaubens (dessen prominentester Vertreter der sächsische Kurfürst Johann Friedrich war) zeigte, sowie nach den Verdiensten des Landesherren Heinrich Posthumus Reuß jüngerer Linie, der ebenso tolerant und weltoffen wie zutiefst gläubig nach einem wirtschaftlichen Aufschwung seiner Herrschaft strebte.

So förderte er den im Textilgewerbe tätigen und als Kaufmann erfolgreichen Nicolaus de Smit, der seine Heimat Flandern aus Glaubensgründen verlassen musste und sich 1595 in Gera niedergelassen hatte. Dies hatte den Aufschwung Geras zu einem überregional bedeutsamen Textilstandort zur Folge. Heinrich Posthumus führte den Prozess der Etablierung einer streng lutherisch geprägten Landeskirche weiter und vollendete ihn. Auch nach seinem Tod setzte er Maßstäbe. War er doch einer der Ersten im protestantischen Raum, der einen individuell gestalteten, voll beschrifteten Sarkophag hinterließ. Dafür wählte Heinrich Posthumus noch zu Lebzeiten Bibeltexte und Gesangbuchverse als Grundlage für die Trauerfeierlichkeiten und die Sargbeschriftung aus.

Der Komponist Heinrich Schütz vertonte diese Texte, vermutlich noch von Posthumus beauftragt, zu den weltbekannten „Musikalischen Exequien“, welche zur Beerdigung im Jahre 1636 erstmals erklangen.

Neben dem Sarkophag Heinrich Posthumus zählt zu den herausragenden Exponaten die Postersteiner Kreuzigung (Altartafel) von Lucas Cranach dem Älteren, der von Peter Breuer geschaffene Hirschfelder Altar (Zwickauer Bildhauerschule), ein Epitaph aus dem Jahr 1616 für einen Geraer Kaufmann, der „Leichenzug von Heinrich II“, die Kopie des Gedenkbildes an die Jahrhundertfeier der Augsburger Konfession (das Original gehört zur Ausstattung der Geraer Trinitatiskirche) und der Ablassbrief für die Geraer Pfarrkirche St. Johannes vom 20. März 1480.

Mehr über diesen, für Gera so bedeutsamen, historischen Zeitraum bietet das „Geraer Heft 4“, das sich ausschließlich mit dem Ausstellungsthema befasst. Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar 2014 zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

( Reinhard Schulze, 01.08.2013 )

zurück