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Nach der Flut wurden Schäden sichtbar

Die Wasserflut ist weg, aber sie hat so tiefe Wunden geschlagen, dass vielerorts noch viel Arbeit und hohe Geldmittel erforderlich sind, bis die Narben der Überschwemmungen wenigstens etwas verheilt sind. Die Otto-Dix-Schulen in Untermhaus gehören zu den am schlimmsten betroffenen öffentlichen Gebäuden unserer Stadt und ganz Ostthüringens. Auf rund 200.000 Euro schätzt der Fachdienst der Stadt Gera allein die Schäden an Einrichtungsgegenständen, Lehr- und Lernmitteln. Hinzu kommen noch die Gebäudeschäden, die sich nach vorsichtigen Schätzungen nochmals in gleicher Höhe bewegen dürften.

Rund 20 Prozent aller Räume sind betroffen, Technikkabinett, Hauswirtschaftsküche, die Keramikwerkstatt mit ihrem hochwertigen Großbrennofen, Elektronik-Bausätze, Computer-Server, fast alle Lehrmittel und die Einrichtungen beider Turnhallen, die Hausmeisterwerkstatt, das Lager sowie die technischen Anschlüsse wurden verwüstet und unbrauchbar. „Wir haben in großen Bereichen nichts mehr,“ konstatiert Rektor Holger Weisheit und fügt hinzu, dass zudem viele Unterrichtsmittel nur schwer beschaffbar sind.

„Sprichwörtlich von der ersten Minute an, bei der wir vor den Auswirkungen des Hochwassers standen, haben wir eine nicht erwartete Hilfe vieler Eltern, der Lehrer, viele ehemaliger Schüler und anderer freiwilliger Helfer gespürt, wie ich sie in den kühnsten Träumen nicht erwartet habe“, so Holger Weisheit. „So haben der DGB, die Wählervereinigung ‚Arbeit für Gera‘, die Familie Abt-Franke und viele andere ehemalige Schüler geholfen. Nachbarn brachten Würstchen und Getränke für die Helfer, Frau Anita Meyen stellte Papier, Stifte, Kreide und Ausrüstungsgegenstände für die Hauswirtschaftsküche zur Verfügung, die Firma Thomann brachte uns zwei Keyboards, die Firma Fürst half bei den Reinigungsarbeiten und übergab zusätzlich 1.000 Euro, der Schüler Luca Johannes Weber startete eine Aktion, bei der er Spielsachen auf einem Dorffest verkaufte und dabei 110 Euro für seine Schule erzielte. Für jeden Cent sind wir sehr dankbar,“ meint der Rektor.

Aus dem nahe Kassel gelegenen Ort Waldkappel reiste der frühere Feuerwehrmann Georg Großkurth an. Einen Tag half er bei den Aufräumungsarbeiten. Allerdings war es schwierig, für ihn eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, bis schließlich die „Froschmühle“ in Eisenberg ausgeholfen hat und auf die Übernachtungsgebühren verzichtete. Aus den Medien waren die Sorgen und Nöte der Geraer Schule natürlich in ganz Deutschland bekannt geworden. Daraufhin starteten z.B. 104 Kinder der Klasse 2b der Eichendorff-Schule Beckum eine eigene Aktion. Auf dem Wochenmarkt verkauften sie einen „Wassertropfen aus Glas“ und nahmen 1.020 Euro ein, Schüler des Schiller-Gymnasiums Hameln brachten weitere 1.000 Euro zusammen. Eine hier arbeitende Lehrerin aus Thüringen hatte die Aktion angeregt.

Mit den 5.000 Euro der Firma „MEDIMAX“ und 5.000 Euro der Firma PI Ceramic Lederhose sowie den 1.000 Euro von Schuh-Petters sind jetzt ca. 21.300 Euro auf dem Spendenkonto des Fördervereins der Regelschule angekommen, weitere Spenden erfolgten für die Grundschule. Zusagen für weitere Hilfen gibt es u.a. vom Thüringer Landesverband der Schulfördervereine, der landesweit dazu aufgerufen hat, die Schulen in Gera und Berga vor allem mit Unterrichtsmitteln für den Technikunterricht zu unterstützen.

Natürlich musste und muss das Schulleben weitergehen. So stand u.a. die Abschlussfahrt der 10. Klassen nach Kroatien auf des Messers Schneide. Aber das Lehrerkollegium hat entschieden: Wir fahren. Mit dabei war auch die Lehrerin Frau Jörk, deren Familie selbst vom Hochwasser betroffen war. Ihr Mann Harald Jörk half in dieser Zeit beim Ausräumen der Schule mit. Die Abfahrt wurde zwar um einen Tag verschoben, aber das Reisebüro hatte alles bestens organisiert.

Außerdem standen die Prüfungswochen auf dem Plan, die fristgemäß durchgeführt wurden. Für Rektor Weisheit endlich einmal ein Grund zur Freude. Die beiden Schüler Lea Dieminger und Maximilian Weber bestanden die Abschlussprüfung mit der Note 1. Dazu der Rektor: „Wir sind stolz, weil wir diesmal das beste Ergebnis seit Jahren erzielt haben.“

Wie wird es weiter gehen? Diese Frage kann niemand vollständig beantworten, zu viele Fragen sind ungeklärt. Die Untermhäuser Schulen mit ihren 325 Regel- und 270 Grundschülern hoffen auf die Unterstützung anderer Schulen und weiterhin auf die Hilfe des Fachdienstes Bildung/Sport der Stadtverwaltung. Während der Ferien soll die Trocknungsphase abgeschlossen werden, Fußböden bedürfen der Erneuerung. Der Sportunterricht wird wahrscheinlich in Ausweichobjekte verlegt, eventuell in die Panndorfhalle. Trotzdem bleibt Holger Weisheit optimistisch: „Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres fertig sind.“

( Reinhard Schubert, 18.07.2013 )

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