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Interessen des Geraer Vereinssports

Im März 2013 wurde Markus Morbach zum Präsidenten des Stadtsportbundes Gera e.V. gewählt. Seitdem sind 100 Tagen vergangen und Neues Gera wollte es halten wie beim Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, beim Papst oder einem Manager, die nach ihren ersten 100 Tagen eine Zwischenbilanz geben. Sie sprachen bei ihrem Amtsantritt davon, dass die bisher geleistete Arbeit Ansporn und Motivation sei, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Was heißt das nach 100 Tagen konkret?

Was kann man in einer so kurzen Zeit bewegen und erreichen? Der Stadtsportbund versteht sich als Dienstleister und Interessenvertreter des Geraer Vereinssports. Für mich und das gesamte Präsidium gilt es, das mit Leben zu erfüllen. Dazu zählt u.a., dass wir uns derzeit einmal im Monat mit dem Fachdienst Bildung und Sport austauschen. Unser Ziel ist es, sehr zeitnah den Kontakt zu suchen, um die Probleme, die den Vereinen unter den Nägeln brennen, zu thematisieren und zu lösen.

Auf der kürzlich stattgefundenen Konferenz der Kreis- und Stadtsportbünde Thüringens habe ich angeregt, bei den Konferenzen stärker auf Zukunftsthemen einzugehen. Das vom Landessportbund (LSB) vorgelegte Organisationsentwicklungskonzept 2020 enthält schon viele gute Ansätze und Orientierungen.

Dazu zählt, dass der LSB künftig eigenverantwortlich über die Mittel für Sportstätten in Trägerschaft der Vereine, deren Rekonstruktion und Sanierung entscheidet.

Wir wollen uns in die Diskussion aktiv einbringen. Positiv bewerten wir, dass der LSB von sich aus den Weg zu der im April stattgefundenen Präsidiumssitzung gefunden hatte. Wir als Präsidium sehen uns gegenüber dem LSB auch als treibende Kraft des Vereinssports in unserer Stadt.

Dabei sind aber auch die Vereine gefordert, ihre Meinungen, Ideen, Vorschläge einzubringen. Gibt es dafür Beispiele?

Ohne Verein geht nichts. So gilt es die Frage zu klären hinsichtlich der Eigenbewirtschaftung von Sportstätten oder nach Wegen zu suchen, wie es uns gelingt, in den Vereinen künftig Strukturen zu etablieren, die es ermöglichen, den Bedarf an Kampf-, Schiedsrichtern oder Übungsleitern zu sichern. Wir sind dabei auf einem guten Weg und wollen diesen moderierend weiter begleiten.

Als eine der Herausforderungen benannten Sie die Sicherung der Attraktivität des Ehrenamtes. Welche konkreten Schritte sind dazu bereits eingeleitet worden?

Ohne das Ehrenamt geht in einem Verein nichts. Diese Engagement kann nicht hoch genug bewertet werden. Gerade in den Tagen des Kampfes gegen das Hochwasser und die zurückgelassenen Folgen hat insbesondere der Solidaritätsgedanke in vielen Vereinen eine neue Qualität angenommen.

In diesem Sinne appelliere ich an alle Mitglieder, in ihren Vereinen noch enger zusammenzurücken. Mit Enttäuschung habe ich die Nachricht vernommen, dass sich derzeit Kündigungen von Mitgliedschaften im Schwimmverein häufen. Ein Großteil der Mitgliedsbeiträge kommt der Förderung des Kinder- und Jugendsports im Verein zugute. Ich glaube, es reicht schon zu, dass sie infolge der momentanen Schließung des Hofwiesenbades ihrer Trainingsstätte beraubt sind. Auch beim Ehrenamt brauchen wir die Unterstützung der Vereine. Wir sind offen für Ideen und Anregungen, die Würdigungen der Ehrenamtlichen noch attraktiver zu gestalten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, die Vereine von administrativen Tätigkeiten zu entlasten. Gibt es konkrete Festlegungen?

Hierfür bedarf es einer genauen Analyse der Aufgaben in den Vereinen. Ein Problem ist die Vermeidung von Doppelerfassungen, wie beispielsweise bei der Antragstellung für Übungsleiterzuschüsse.

Millionen-Schäden hat das Junihochwasser an Geraer Sportstätten angerichtet. Welche Unterstützung kann der SSB den betroffenen Vereinen anbieten?

Ein erster Schritt zur Koordinierung der Hilfeleistung war die außerordentliche Präsidiumssitzung, gemeinsam mit Vertretern der zuständigen Fachdienste der Stadtverwaltung mit dem Ziel, für mehr Transparenz zu sorgen.

Wir werden einen Hilfsfonds für Sportvereine in Höhe von 20.000 Euro auflegen, um unbürokratisch Sportvereine nach den Schadensaktualisierungen und Kostenermittlungen bei Neuanschaffungen von Sportgeräten nachhaltig zu unterstützen. Gegenüber dem Fachdienst werden wir darauf drängen, den Kontakt mit den Vereinen vor Ort zu suchen, die Vereine über den aktuellen Stand zu informieren und mit ihnen gemeinsam Festlegungen zu treffen, wie es weitergeht und wie das Engagement der Vereinsmitglieder wirkungsvoll genutzt werden kann. Hier könnte die Kommunikation des Fachdienstes besser sein.

Unsere Aufgabe ist es darüber hinaus, die Belange der Vereine gegenüber der Stadt „am Kochen“ zu halten, wenn die Hochwasserkatastrophe längst aus unserer medialen Welt verschwunden ist. Geplant ist auch eine Benefizfußballspiel zugunsten der betroffenen Vereine.

Welche konkreten Vorgehensweisen gibt es derzeit in der Zusammenarbeit zwischen dem SSB und der Stadt Gera?

Für den 1. Juli hatten wir alle vom Hochwasser betroffenen Sportvereine zu einer Beratung eingeladen, wo SSB und Vertreter der zuständigen Fachdienste anwesend waren. Hier hatten die Vereine die Gelegenheit ihre ganz speziellen Fragen zu stellen. In Fortsetzung dieser Beratung wird es zeitnah Terminabsprachen geben, wo sich die Vertreter der Fachdienste und der Vereine jeweils vor Ort treffen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Allen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann, heißt es. Auch Sozialministerin Heike Taubert hat bei ihrem Besuch davon gesprochen, dass nicht alles gleich repariert werden kann. Wird es eine Prioritätenliste geben?

Sicherlich müssen Prioritäten gesetzt werden. So sind zunächst die betroffenen Schulturnhallen in Debschwitz und Untermhaus für den Schulsport umgehend herzurichten. Weiterhin wird dem Hofwiesenbad ein hoher Stellenwert zugeordnet. Aber genauso wichtig sind all die anderen vom Hochwasser betroffenen Sportstätten.

Sie haben das Präsidentenamt mit viel Optimismus angetreten. Ungebrochen oder wieviel ist davon nach 100 Tagen noch übrig?

Einhundertprozent ungebrochen. Ich setzte in das Vertrauen unserer Sportvereine und was sie in den vergangenen Tagen an Solidarität und Engagement gezeigt haben, das hat mich nicht nur in meiner Entscheidung zur Annahme des Präsidentenamtes bestätigt, sondern weiter motiviert. Und ich weiß, dass ich den dafür notwenigen Rückenhalt auch in meiner Familie finde.

( Interview: Reinhard Schulze, 04.07.2013 )

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