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Der Meister und sein Schüler

„Henry van de Velde und Thilo Schoder – Meister und Schüler“ heißt die neue Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst (MAK), die bis zum 29. September Keramik, Kunstgewerbe, Buchgestaltung, Architekturgestaltung, Bauzeichnungen und Fotografie in den Mittelpunkt des Meisters und seines Schülers rückt. Im Van-de-Velde-Jahr, war es einfach ein Muss, dass die Stadt Gera dem bedeutenden aus Belgien stammenden Künstler, der nicht nur in Gera, sondern in ganz Thüringen wirkte, eine Ausstellung außerhalb der Villa Schulenburg widmete.

Van de Velde war von 1902 bis 1917 in Erfurt, Jena, Gera, Apolda, Weimar und im sächsischen Chemnitz tätig, war Vorreiter der Kunstgewerbeschule in Weimar, beeinflusste die Töpferkunst in Bürgel, gab der Thüringer Buchkunst Impulse. Die Spuren, die der Architekt in Thüringen hinterlassen hat, sind unübersehbar.

Doch wie das so ist, wenn so einem bedeutenden Alleskünstler zu seinem 150. Geburtstag ein ganzes Jahr gewidmet wird, gestalten viele Museen und Archive in ganz Deutschland Ausstellungen und nehmen Würdigungen vor. „Da ist es schwer an Leihgaben heranzukommen“, räumte Kurator Wieland Führ ein.

Trotzdem seien einige bedeutende Stücke zu sehen, wie z.B. die Monumentalausgabe von Nietzsche „Also sprach Zarathustra“ oder die Ausgabe von Ecco Horno, wovon es nur 150 Exemplare gibt.

In einem Raum des Museums werden die Arbeiten von van de Velde präsentiert, davon jedoch einige ganz bedeutende, wie der berühmte Stuhl, den er für das Nietzsche-Archiv in Weimar entworfen hat. „Deswegen war es bei der Gestaltung der Ausstellung wichtig, uns auf das Regionale zu konzentrieren“, erläuterte der Kurator. Und da gibt es keinen Anderen als den in Weimar geborenen Thilo Schoder, der van de Veldes Meisterschüler war.

Sein Geburtstag jährt sich zum 125. Mal. In Gera verbrachte er die entscheidenden Jahre seines Lebens und Wirkens in Deutschland. Von 1919 bis zu seiner Übersiedlung 1932 nach Norwegen hinterließ er hier vielfache Spuren. Die Stadt kann auf zwölf Schoder-Bauten im Industrie-, Siedlungs- und Wohnungsbau verweisen., wie den Golde-Bau in der Wiesestraße. Er war einer der ersten Eisenbeton-Industriebauten in Thüringen und gilt als Beispiel für die Verbindung von Kunst und Technik.

Während sich Thilo Schoder in den Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit viel mit der Gestaltung von kunstgewerblichen Gegenständen befasste – er hatte an der Großherzoglichen-Sächsischen Kunstgewerbeschule studiert – konzentrierte er sich später auf die Architektur. „Viele der Bauzeichnungen sind zum ersten Mal ausgestellt“, macht Wieland Führ auf das Besondere aufmerksam.

In den Jahren des Aufenthalts von Thilo Schoder in Gera entstanden moderne Industrie-, Siedlungen und Wohnungsbauten, die auch heute noch durch ihre Eigenständigkeit bestechen.

Die Schäfersche Frauenklinik in der heutigen Gagarinstaße, der Erweiterungsbau der Seidenweberei „Schulenburg & Bessler“ in Gera-Zwötzen – heute ein internationales Industriedenkmal – und mehrer Wohnhäuser oder der Brunnen im Dahliengarten sind Beispiele des Neuen Bauens, dessen Vorreiter Thilo Schoder war. Ihm den Großteil der Ausstellung zu widmen, ist somit kein Mangel, sondern zeigt Berührungen, aber auch Abgrenzungen beider Künstler.

( Helga Schubert, 04.07.2013 )

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