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Musikalischer Bogen von Paris nach Gera

Er könne heute noch die Chorpartie von Verdis „Requiem“ mitsingen, lachte Laurent Wagner. Damals sei er 13 Jahre alt gewesen und habe im Alt gestanden. Das sei für ihn ganz normal gewesen. „Ich bin in einer Chorwelt groß geworden“, erzählte er im perfekten Deutsch. Sein Vater sei Chordirigent gewesen und habe in Lyon mehrere Chöre gegründet. Doch das war nicht der Grund, dass es den aus Paris stammenden Franzosen an die Stadt an der Weißen Elster geführt hat. Laurent Wagner wird ab der neuen Spielzeit die leer stehende Stelle des Generalmusikdirektors von „Theater&Philharmonie Thüringen“ besetzen. Allerdings sind die Spielstätten in Gera und Altenburg für den international renommierten Dirigenten keine Unbekannten mehr, denn die erste Begegnung mit dem Philharmonischen Orchester und dem Musiktheaterensemble hatte Laurent Wagner vor noch nicht allzu langer Zeit. Er studierte in Gera die Oper „Werther“ von Jules Massanets ein. „Schon damals lernte ich ein kleines bisschen von Gera und Altenburg kennen. Was ich sah, gefiel mir gut, und jetzt suche ich sogar eine Wohnung in Gera“, hat er die Schiller- oder Lessingstraße im Visier.

Bei seiner Vorstellung wirkte TPT-Generalintendant Kay Kuntze sichtbar erleichtert, schließlich hatte er versprochen, mit einem neuen GMD in die Sommerpause und damit in die nächste Spielzeit zu gehen. Fast zwei Jahre hat sich die Suche nach Howard Arman, der 2011 an der Opernhaus Luzern wechselte, hingezogen. Bei der ersten Ausschreibung konnte niemand Passendes gefunden werden. Immerhin, so erinnerte Kay Kuntze, hätte es 170 Bewerbungen gegeben. „Ich freue mich deswegen ganz besonders, dass wir mit Laurent Wagner einen Generalmusikdirektor gefunden haben, der zu uns passt und zu dem wir passen“, betonte er. Laurent Wagner habe in seinen vielen vorangegangenen Positionen seine Kompetenz und seine Fähigkeit bewiesen, einen Orchesterklang entscheidend weiter zu entwickeln.

Laurent Wagner begann sein Studium in seiner Heimatstadt Lyon, studierte später in Paris und an der Wiener Musikhochschule. In Wien habe er auch richtig Deutsch gelernt. Der sympathische Franzose hat aber auch weitere enge Beziehung zu Deutschland. Der Vater seiner Frau, die in Paris am Deutschen Forum für Kunstgeschichte eine hervorragende Stelle hat, stammt aus Altenburg. Nach 1945 sei dieser allerdings in den Westen gegangen, verriet er die Familiengeschichte. Viele Stationen belegen den Werdegang von Laurent Wagner. Er begann als Repetitor und Kapellmeister an den Theatern in Heidelberg, Gelsenkirchen und Wuppertal, war in Barcelona tätig, war als stellvertretender GMD am Theater Dortmund und wurde zum Generalmusikdirektor an das Saarländische Staatstheater Saarbrücken berufen. Er war Operndirektor in St. Gallen und anschließend Principal Conductor des irischen Rundfunkorchesters in Dublin. In Tel Aviv in Israel unterrichtete er junge Nachwuchssänger und seit 2013 betreut er am Konservatorium von Rennes eine Dirigentenklasse. Für seine langjährigen Verdienste als Botschafter der französischen Musik wurde er vom französischen Staatspräsidenten zum Chevalier de l’Ordre du Mérite ernannt.

„Eigentlich liebe ich mehr die deutsche Klassik und Romantik und die italienische Oper“, bekannte der erfahrene Operndirigent. Er freue sich sehr auf seine Tätigkeit in Gera und Altenburg. „Es ist ein Augenblick der Emotionen, und es brennt etwas in meinem Bauch“, gestand er. Er habe zur Einstudierung von Werther zwei schöne Monate in Gera verbracht und er konnte sich auch von der guten Leistung des Orchesters und der Solisten überzeugen. „Musikalisch und menschlich – sehr angenehm“, schätzte er ein. „Auf dieser Grundlage können wir gut weitermachen“. Er sei aber auch über die schwierige Finanzlage informiert. „Wir sind da, um der Kunst zu dienen und nicht in Zahlen zu denken“, unterstrich er seine Meinung.

Ab September ist Laurent Wagner vor Ort. Er übernimmt alle Konzerte, die jetzt noch im Programmheft mit einem N. N, gekennzeichnet sind, außerdem alle drei neuen Opereinstudierungen sowie die „Neunte“ von Beethoven am Jahresende. „Die Arbeit geht los“, sagte er und freut sich auf die Einstudierung von Verdis „Requiem“, das im dritten Philharmonischen Konzert erklingen wird. Dabei wird er auch mit dem Hauschor und dem Philharmonischen Chor zusammenarbeiten. Allerdings ist diesmal sein Platz nicht im Alt, sondern vor dem Dirigentenpult.

( Helga Schubert, 27.06.2013 )

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