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Schnelle Hilfe war die erste Pflicht

Gera hat Anfang Juni eine der schlimmsten Naturkatastrophen in seiner Geschichte erlebt. Wie hoch sind die Schäden?

Zunächst das Wichtigste: Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Sachschäden sind allerdings immens. Sie belaufen sich, einer ersten Übersicht zufolge, auf mindestens 30 Millionen Euro im privaten und im öffentlichen Bereich. Und mit den Sachschäden können einher gehen Trauer um den Verlust, Angst vor der Zukunft und auch Ärger über tatsächliche oder vermutete Fehlleistungen der Helfer.

Wie hilft denn die Stadt den Betroffenen konkret?

Zuerst möchte ich den vielen tausend Menschen danken, die Nachbarn, Bekannten, aber auch völlig fremden Mitbürgern uneigennützig geholfen haben. Dies zeigt in wunderbarer Weise, dass unsere Zivilgesellschaft noch funktioniert. Diese Bereitschaft gilt es zu würdigen und zu fördern, weil sie durch staatliches oder öffentliches Handeln niemals ersetzt werden kann.

Mir war wichtig, die Soforthilfen des Landes schnell den Betroffenen zu Gute kommen zu lassen. Gera hat als erste Stadt in Thüringen die Gelder ausgezahlt, dazu wurden im StadtService H 35 am Wochenende 8. und 9. Juni zusätzliche Öffnungszeiten eingerichtet.

Wir konnten allein an diesen beiden Tagen mit der Soforthilfe sehr unbürokratisch 2.150 Haushalte erreichen – damit wurden vor allem Berufstätige entlastet. Die Menschen hatten schnell Geld, um dringend notwendige Anschaffungen zu tätigen. Kleinunternehmer werden durch die Wirtschaftsförderung im Rathaus (Tel.: 8381200) zu Soforthilfen beraten.

In Gesprächen mit der Landesregierung konnte ich erreichen, dass die zunächst auf eine Million Euro bezifferte Soforthilfe für die Bürger unserer Stadt um weitere zwei Millionen Euro aufgestockt wurde.

Wer noch keinen Antrag gestellt hat – ist es dafür zu spät?

Nein, Anträge werden bis 1. Juli im H 35 und im Jobcenter entgegengenommen.

StadtService H35, Heinrichstr. 35, 07545 Gera; Tel.: 8381900
Mail: stadtservice@gera.de
Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8-20 und Sa 8-16 Uhr

Jobcenter Gera, Reichsstraße 15, 07545 Gera
Öffnungszeiten: Mo 8-13, Di 8-16, Do 8-18 und Fr 8-13 Uhr

Alle Informationen gibt es auch im Internet unter www.gera.de

Wer koordiniert Sachspenden und Arbeitseinsätze? Wo können sich freiwillige Helfer melden?

Unsere Ehrenamtszentrale am Kornmarkt 7, Tel.: 8383021 vermittelt solche Angebote Mo bis Do 8-17 und Fr 8-15 Uhr. Für die Sachspenden haben wir eine Halle bei der Otegau eingerichtet, Keplerstraße 31 von Mo bis Fr 10-18 Uhr.

Das große Aufräumen hat längst begonnen. Wann sind der Sperrmüll und die Sandsäcke eingesammelt?

Die Beräumung der Sandsäcke hat am Montag begonnen. Das geht sehr langsam voran, weil die Säcke vollgesogen und damit schwer sind.

Der vom Hochwasser geschädigte Hausrat (Sperrmüll war ausdrücklich nicht gemeint) ist bis letzten Sonntag beräumt worden.

Zusätzliche Restmengen dieses Hausrates werden bis Ende nächster Woche endgültig beräumt sein, denn ab dem Montag dieser Woche soll wieder Normalität einziehen. Leider wird in Straßenzügen, in denen bereits aufgeräumt wurde, erneut Sperrmüll vor die Tür gestellt. Das belastet unsere Kräfte über die unmittelbaren Flutfolgen hinaus und weckt den Eindruck, es gehe nicht schnell genug vorwärts.

Ich appelliere an alle Bürger, die Termine der satzungsgemäßen Entsorgung von Sperrmüll, Schrott sowie Elektro-Großgeräten zu nutzen.

Wohin können sich Bürger wenden, wenn es um Sandsack- bzw. Hausratberäumung geht?

Für die Beräumung des zusätzlichen Hausrates ist der Abfallwirtschaftszweckverband zuständig, 
Tel.: 8332150.

Für die Abfuhr der Sandsäcke ist die Stadt Gera zuständig, Tel.: 8384210.

Die Stadt hat Spendenkonten eingerichtet. Wem kommt das Geld zu Gute?

Hier soll Bürgern und Vereinen in besonderen Härtefällen geholfen werden. Am Dienstag haben unsere Spendenkonten die 100.000-Euro-Marke geknackt. Das ist ein Super-Zwischenergebnis. Bitte helfen Sie alle weiter mit.

Anträge können hier im Rathaus (buero.oberbuergermeister@gera.de) bis spätestens Freitag den 28. Juni gestellt werden. Über die Verwendung entscheidet zeitnah ein Kuratorium.

Auf welche Konten kann eingezahlt werden?

Weitere Spenden sind willkommen bei der Sparkasse Gera-Greiz, Kontonummer 14 175 665, BLZ 830 500 00 und bei der Geraer Bank, Kontonummer 100 055 255, BLZ 830 645 68.

Sie hatten eine Manöverkritik des Hochwasser-Einsatzes angekündigt. Gibt es da schon Ergebnisse?

Eine solche Manöverkritik ist selbstverständlich. Wir analysieren den Katastropheneinsatz und ziehen Schlussfolgerungen. Am Freitag habe ich die hochwasser-erprobten Experten aus Dresden in unserer Stadt. Wir können sicher von ihnen lernen. Wir werden ein Merkblatt für alle Haushalte erarbeiten mit Hinweisen, u.a. wo Sammelpunkte für Evakuierungen, aber auch für freiwillige Helfer sind, wo es Sandsäcke gibt und mit den wichtigsten Telefonnummern für den Katastrophenfall.

Und nicht zuletzt müssen wir das Hochwasserschutzkonzept vorantreiben. Ich habe das Thema „Hochwasser 2013 – Konsequenzen für den Katastrophen- und Naturschutz“ bereits auf die Tagesordnung der nächsten öffentlichen Stadtratssitzung am 4. Juli gesetzt. Der Auftakt ist die öffentliche Sitzung des Hauptausschusses am 25. Juni, 18 Uhr im Rathaussaal.

Wir müssen die Planungen im Katastrophenschutz verbessern, ebenso die operative Führung im Ernstfall. Alle personellen, technischen und organisatorischen Ressourcen sind einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Viel Fachwissen ist vor Ort angesammelt. Ich will die Ortsteile und die Ortsteilräte und Ortsteilbürgermeister in die Planungen einbeziehen, Maßnahmen und Mittel müssen dezentral vorgehalten werden.

In der anstehenden Diskussion mit den Bürgern erbitte ich ehrliche Kritik an Fehlern und Versäumnissen, aber gleichzeitig um konstruktive Vorschläge, um uns allen solche Katastrophen zukünftig zu ersparen. Die Flut ist eine Naturgewalt, die von Menschen gezähmt werden kann.

Warum wurden die mobilen Hochwasserschutzwände an der Sommerbadstraße nicht eingesetzt?

Hochwasserschutzwände nur an einer, nämlich der rechten Elsterseite, hätten die Wassermassen nach links, nach Heinrichsgrün gedrängt. Einseitiger Hochwasserschutz ist nicht möglich. Hochwasserschutzmaßnahmen in diesem Bereich müssen erneut beim Land beantragt werden. Da sind 2008/09 leider Millionenbeträge buchstäblich nach Nordhausen weggeflossen, weil es in der Geraer Politik keine Einigung zwischen Natur- und Hochwasserschutz gab.

Ich kenne den Volksmund, der der Stadtverwaltung schon unterstellt hat, nicht mehr zu wissen, wo die Schlüssel für den Lagerraum der Stellwände seien.

Es gibt immer wieder „böses Blut“ durch zu schnell weitererzählte „Pannen“ in der Arbeit der Stadtverwaltung: Knöllchen für sicher geparkte Autos und mangelhafte Benachrichtigung der Bevölkerung. Ohne einer ausführlichen Auswertung vorzugreifen, was können Sie dazu sagen?

Es gab eine Anweisung von mir, keine Knöllchen zu verteilen und keine Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Offensichtlich gab es zeitlich Überschneidungen, so dass es einige wenige derartige „Pannen“ auftraten. Alle betroffenen Bürger werden informiert, Bußgelder werden zurückgenommen bzw. zurückerstattet.

Frau Dr. Hahn, wir bedanken uns für das Interview und die Information an unsere Leser.

( Frau Dr. Hahn, 20.06.2013 )

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