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Mit Mut zum Risiko

Zwei Akkordeonspieler vertraten im Mai die Geraer Musikschule „Heinrich Schütz“ zum 50. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Der jüngere, Konrad Gustav Schopplich, kurz zuvor gerade 14 Jahre alt geworden, stärkte sich vorab mit: „Weiterkommen kann man nicht. Hauptsache ich spiele dort!“

Für Konrad war es nach Bruchsal 2012 immerhin schon die zweite Teilnahme in der Starklasse der jungen Künstler. Und dennoch wirkte er kurz nach der Rückkehr eher selbstkritisch. Lehrerin Karin Müller meint, ihre beiden Schützlinge seien sehr ehrgeizig. Darum bauten sie nach dem Regional- und Landeswettbewerb ihre Programme nochmals um, damit sie den Anforderungen für den Auftritt im Marmorsaal der Nürnberger Akademie vielleicht ein Quentchen besser gerecht werden könnten. Technik, Ausdruck und Dynamik; schwieriger, schneller, stärker. Auf Bundesebene geht es deutlich strenger zu. Für Konrad kam also Domenico Scarlattis Sonata a-Moll hinzu - als erstes Stück. Kann man da für eine vergleichsweise kurze Probenzeit nicht auch größeres Lampenfieber haben? Er setzte auf Muttis speziell gemischtes Beruhigungsöl, nahm noch einen Schluck Süßes aus der Flasche und los ging es. 19 Punkte vergab die Jury schließlich. So knapp unter einer Preisträgerschaft. Aber eigentlich sollten Punkte doch zweitrangig sein. Als Fazit bleibt: Gerade in diesem Musikschuljahr machte Konrad sehr große Fort-schritte. Ohnehin hat er schon neue Ziele. Wenn das Stipendium vom Landesentscheid überwiesen ist, möchte er sich eine Patenschaft über einen Elefanten in Afrika kaufen. Sein Traumberuf: Tierpfleger im Elefantenwaisenhaus von Kenia. Im Sommer würde er darum gar zu gern ein Praktikum im Erfurter Zoo machen. Der Umgang mit Tieren zu Hause sei für ihn beruhigend. Dann geht es als Förderschüler weiter. Und fest steht: Mit jedem Vorspiel wird es besser.

Schon am Tag zuvor trat Peter Johannes Hausigk (17) an. Für ihn war es gut, dass Karin Müller zum Einspielen in Nürnberg dabei war; die musikalische Bezugsperson seit der frühmusikalischen Ausbildung und seit ihrer ersten Entscheidung für ein Instrument - eben das Akkordeon. Nur was heißt dann „das Akkordeon“? Bei Peter ist das inzwischen ein Spezialinstrument mit Einzeltontechnik auf der Bass-Seite. Für Konrad noch 96 Knöpfe, die er demnächst gegen die ausgewachsene Größe des 120er Instruments tauschen wird.

Auch Peter folgte dem Ratschlag, eine Nummer für den nationalen Wettbewerb auszutauschen. Er brauche sich mit der nochmaligen Teilnahme doch nichts mehr beweisen und könne etwas probieren. „Ich bin hohes Risiko gegangen mit dem neuen Stück. Aber es war noch nicht fertig gearbeitet. Das war wohl der Knackpunkt.“ 15 Punkte lagen an der unteren Grenze seiner Altersgruppe. „Die Jury war jedoch sehr nett, hilfreich und recht respektvoll mit ihren Tipps zur Auswertung“, hielt er für sich mit gewisser Erleichterung fest. Andererseits klang danach sein „ich kann eben nicht alles mit links machen“ schon wieder symptomatisch für die Vorausschau. Viele Sprünge mit der rechten Hand im Diskant, zum Teil weiter als eine Oktave und mehrstimmig, er habe aber durch dieses neue Stück ungleich viel mehr gelernt. Das habe ihn technisch weiter gebracht. Der Musikspezialklassenschüler am Goethe-Gymnasium möchte künftig auf Lehramt studieren; mit dem Akkordeon im Musik-Unterricht als Hauptinstrument. 

( Thomas Triemner, 30.05.2013 )

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