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Grundstein für Turner-Bewegung

Der Stadt Gera sind im Laufe der Geschichte viele Attribute zugeordnet worden, die ihre Attraktivität stärken sollten. Die Bemühungen waren ehrenwert, ein durchschlagender Erfolg ist aber eher ausgeblieben. Allerdings ist der Begriff „Sportstadt“ weitgehend unstrittig geblieben. Das hat seinen guten Grund: Die aufgezeichnete Sportgeschichte der Stadt an der Elster reicht weit über 100 Jahre zurück und ist bis heute voll gültig: 110 Sportvereine mit nahezu 15.000 Mitgliedern vereinen unter dem Dach des Stadtsportbundes ihre Aktivitäten. Sie umfassen 63 Sportarten, vom Aikido über das Wandern bis zum Turnen.

Die Turner haben in Gera sogar den Grundstein für eine gesamtdeutsche Bewegung gelegt: Am 21./22. Mai 1893 wurde der „Arbeiter-Turner-Bund“ in dem Lokal „Reichskrone“ gegründet. Die Belege darüber sind noch heute im Stadtarchiv vorhanden. Weshalb Gera für die Gründungsveranstaltung ausgewählt wurde, ist nicht vollständig nachvollziehbar. Fest steht allerdings, dass sich schon Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten bürgerlichen Vereine gegründet hatten, in denen auch Arbeiter turnten, die „Turngemeinde auf Belevue“ bestand seit 1851 und wurde 1863 in „Turnverein Gera“ umbenannt. 1861 folgte die „Turngemeinde Gera“. Beide sind demnach die ältesten Turnvereine der Stadt. Am 1. Oktober 1891 wurde der Arbeiterturnverein Gera (ATV) ins Leben gerufen, dem im folgenden Halbjahr rund 200 Mitglieder betraten. Ein halbes Jahr später trennten sich die Arbeiterturner vom bürgerlichen Verein und gründeten eine „Freie Turnerschaft Untermhaus“. Das Beispiel machte Schule und führte zu einer erheblichen Zunahme der Mitgliederzahl in ganz Deutschland.

Ab 1891 sind im Zeitraum von drei Jahren in Gera und einigen Nachbarorten 14 Arbeiter-Turnvereine entstanden; sie hatten rund 1.000 Mitglieder. Nachdem das so genannte Sozialistengesetz 1890 gefallen war, nahm die Zahl der Mitglieder in ganz Deutschland zu. Allerdings wurden die unterschiedlichen Sportverbände nach wie vor erheblich mit Verboten und Auflagen schikaniert. Trotzdem gab es große Arbeiter-Turn- und Sportfeste und die Arbeiter-Olympiade 1929 in Nürnberg und 1931 in Wien. In der Nazi-Zeit waren die „marxistischen Kulturvereine“, zu denen auch Sportverbände gehörten, verboten. In Gera war die Arbeitersport-Vereinigung aber nicht vergessen. Ute Heckmann, Hans Leucht, Siegfried Mues, Alfred Zelt und viele andere bemühten sich um die Pflege der reichen Traditionen in unserer Stadt. Zum 120-jährigen Bestehen des Arbeiter-Turner-Bundes fand am 21. Mai 1993 ein großer Festakt statt, auf der der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes, Hans Hansen, die Festrede hielt. Teilnehmer der Veranstaltung waren auch die Ministerpräsidenten von Thüringen und Rheinland-Pfalz, Geras Oberbürgermeister Michael Galley sowie Prof. Dr. Jürgen Dieckert, Präsident des Deutschen Turner-Bundes.

Der Festakt war nur durch die Unterstützung eine Reihe von Firmen und Institutionen aus Gera und anderen Thüringer Städten möglich. Und auch Pfingsten 2013 konnte so das 120-jährige Bestehen des Arbeiter-Turner-Bundes begangen werden. Gera wird – so kann man wenigstens hoffen – seinem Ruf als Sportstadt treu bleiben und die reichen Traditionen wahren.

( Reinhard Schubert, 23.05.2013 )

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