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Noch viele hohe Hürden für „Grüne Oase“ in Untermhaus

Ein nicht genutztes Haus ist dem Tod geweiht. Dieses Schicksal ereilt nun auch die Biermann-Villa in der Untermhäuser Schellingstraße. Max Biermann hatte das Haus vor über 100 Jahren für seine Söhne errichten lassen. Bis zur Wende beherbergte es einen Kindergarten, dann wurde 20 Jahre lang nichts getan. Die Quittung dafür: Putz fällt von den Mauern, Decken sind eingestürzt, die Treppen kaum noch begehbar. Die vor Jahren angestrebte Aufnahme des Gebäudes in die Denkmalliste ist gescheitert, so dass jetzt nur noch eine Lösung mit der Abrissbirne in Frage kommen dürfte. Die Mitglieder des Bauausschusses des Stadtrates überzeugten sich vor wenigen Tagen persönlich vom Bauzustand der Villa und können sich auch keine andere Möglichkeit vorstellen.

Dabei sitzt die Zeit den Stadtvätern im Nacken. Sie müssen nach dem laufenden Planverfahren Baurecht schaffen. Das wird sich dann auf das gesamte Biermann-Quartier beziehen, zu dem auch der frühere Luboldt-Garten gehört. Deshalb hat sich der Ausschuss für ein beschleunigtes Verfahren entschieden. Bis 4. März können sich die Bürger mit ihren Bedenken und Stellungnahmen an die Stadtverwaltung wenden. Außerdem hat es im Rathaus bereite öffentliche Anhörungen gegeben. Während der jüngsten Beratung stellten der Geschäftsführer der HFW Wohnbau Gera, Hans-Gerd Reit, und die Architektin Anne Schmidt-Rossiwal, ihre Entwürfe vor, verbunden mit der Versicherung, dass man jede Anmerkung ernst nimmt und prüfen wird. Allerdings zeichnete sich nur wenig Übereinstimmung mit den Anliegern ab. Über 50 Anwohner haben sich bereits der Bürgerinitiative „Luboldt-Garten“ angeschlossen und wollen weiter für ihre Belange kämpfen.

Hans-Gert Reit nannte als Eckpunkte seiner Planung: Es wird nur eine Wohnbebauung mit rund 30 Reihenhäusern in zwei- bis viergeschossiger Blockbebauung mit je zwei Parkplätzen erfolgen, Gewerbebetriebe sind nicht vorgesehen, für den durch das Gelände führenden Mühlgraben ist an eine Verrohrung gedacht, die im Falle der durchgängigen Renaturierung des Wasserlaufes eine Wiederöffnung ermöglichen solle. Ein Teich im Gelände werde gleichzeitig als Rückhaltebecken bei Hochwasser genutzt werden können. Im Luboldt-Garten muss eine generelle Abholzung erfolgen, nur drei Bäume von bisher über 350 sollen erhalten werden. Dadurch wird eine hohe Ablösesumme entstehen, die nach Angaben des Investors allein 80.000 Euro kosten dürfte. Einen Ausgleich mit Neubepflanzung soll es in der Kantstraße und an den Ufern des Teiches geben. Das entspreche in vollem Umfang der Bauschutzordnung der Stadt Gera und sei mit der Naturschutzbehörde abgestimmt. Es wird also eine Zeit dauern, bevor Gera um eine „Grüne Oase“ reicher geworden ist. Frau Schmidt-Rossiwal erläuterte den Plan, die stadtauswärts links befindliche Seite der Kantstraße mit ihrer schönen Bebauung aufzuwerten und die nur mit wenigen Bäumen noch vorhandene Reihe einschließlich veränderter Parkmöglichkeiten neu zu gestalten. Allerdings würde die notwendige Verbreiterung der Straße auch den Bauraum verengen, bisherige Stellflächen für die Hausbewohner würden wegfallen. All das ist natürlich immer mit Kosten verbunden, die ein Investor im Auge behalten muss, schließlich braucht er Käfer für seine Wohnungen.

Die Bürgerinitiative und zahlreiche Einzelpersonen hat gegen eine Vielzahl der Vorhaben erhebliche Bedenken vorgebracht. So bleibt die Befürchtung, dass die Hochwasserproblematik nicht ausreichend gelöst sei, wenn der Mühlgraben überbaut werden soll. Der Sprecher der Bürgerinitiative und Stadtrat Günter Domkowsky stellte z.B. die Frage, warum der Mühlgraben im Bereich der Biermann-Villa geschlossen werden soll, im Baugebiet Cubastraße allerdings nicht und vermutet eine Gefälligkeitsplanung. Der Anwohner Bernd Beyer und andere bezweifeln, dass der kleine Teich bei einem Hochwasser, unter denen Untermhaus schon oft zu leiden hatte, ausreichend Rückhalt bieten kann. Bemängelt werde weiterhin, dass der Bauträger keine Zeichnungen der geplanten Häuser vorgestellt hat. „Wie sieht die Fassade aus? Sitze ich dann vor einer Fabrik oder Mietskaserne“ fragte Lothar Göpfert. Anlieger befürchten auch eine erhöhte Luftbelastung durch die Neubauten. Dazu Hans-Gerd Reit: In den Reihenhäusern in der Mitte der Quartiere dürfen keine Kamine oder Feststoff-Heizungen eingebaut werden. Anwohner befürchten auch eine weitere Belastung durch die gegenwärtig geplante Verkehrsführung, den Mangel an Stellflächen und die Gestaltung der Grundstückszufahrten, denn schon jetzt sei ein Mangel an Parkplätzen zu verzeichnen. „Das Problem ist erkannt, wir werden eine Lösung dazu finden,“ meinte Daniela Hoffmann-Weber Fachdienstleiterin für Bauvorhaben der Stadtverwaltung.

Für die bevorstehende Abwägung bleiben nur ein paar Wochen Zeit, dann muss der Entwurf des Bebauungsplanes für das Gebiet um Naumannplatz, Kantstraße, Tobias-Hoppe- und Leibnizstraße dem Stadtrat vorliegen. Er allein kann ihn in Kraft setzen – oder auch nicht!

( Reinhard Schubert, 21.02.2013 )

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