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70 Minuten für 40 Tage Flutgeschichte

40 Tage und 40 Nächte regnete es, und der Sturm wütete. Noah hatte die Weisung Gottes befolgt, eine Arche gebaut, seine Familie und von allen Tieren ein Pärchen mit in die Arche genommen. Am 40. Tag ließ er eine Taube heraus, die mit einem Ölzweig zurückkehrte. Da wusste Noah, dass Gott die Sünden der Menschheit verziehen hatte und die Flut vorbei war.

So erzählt es die Bibel. Der britische Komponist Benjamin Britten, einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, schuf daraus das Mysterienspiel „Noahs Flut“. Wie er sich dieses biblische Ereignis vorstellte, können Zuschauer am 4. Juli in der Johanniskirche erleben. Zwar wird es nicht 40 Tage lang regnen, der Sturm brausen und das Wasser  ansteigen, doch werden das Fallen der Regentropfen und das Sturmgebraus zu hören sein.

Und wie sehr der Wind weht, verdeutlichen Papierstücken und Plastikschnipsel, die über den Köpfen der Gäste im Kirschenschiff hinweg fegen. Ein Schiff, das ist gar nicht so weit hergeholt, denn der Innenraum der Johanniskirche wird die Grundlage für das riesige Bühnenbild, das mit Schrägen und Stützen die Arche andeuten soll.

Es ist ein gewaltiges Projekt und nur möglich, weil Theater &Philharmonie Thüringen gemeinsam mit der evangelischen Kirche St. Johannis das Werk zur Aufführung bringen wird und die Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde das nötige Geld aufgebracht hat. „16.000 Euro konnten wir zur Verfügung stellen“, verkündete der Vorsitzende Karl-Heinz Walter stolz.  Die erste Kennenlernprobe für einen Großteil der Mitwirkenden fand vor wenigen Tagen in der Johanniskirche statt.

Generalintendant Kai Kuntze gab den Startschuss für das Mammutprojekt und betonte, wie sehr er sich darauf freue. Es sei etwas Besonderes, dass das Theater ihr Domizil verlasse und die Kirche als Bühne gewählt habe. Künstler und Laien werden zusammenarbeiten, und davon verspreche er sich eine große Resonanz. Dabei sind der Theaterkinderchor, die Kinderchöre des Goethegymnasiums, des Liebegymnasiums, des Zabelgymnasiums aus Gera, Chor und Theater AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Zeitz und der Chor der Staatlichen Regelschule „Am Eichberg“ in Schmölln. Rund 200 Kinder gestalten die Szenerie mit. Dabei sind ebenso Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera, das Orchester der Heinrich-Schütz-Musikschule Gera der Handglockenchor der Johanniskirche und dabei sind auch viele Solisten für die Hauptrollen, die wiederum von Profis wie auch Laien besetzt sind. Der Sänger Kai Wefer wird als Noah zu sehen und zu hören sein, die Mezzosopranistin Chrysanthi Spitadi als Noahs Frau. Peter Prautsch, viele Jahre am Geraer Theater zu Hause, wird die Stimme Gottes sein. „Seit gestern weiß ich, dass ich der liebe Gott bin“, gab er sich zu erkennen, fügte aber dann ein: „Nein, nur die Stimme Gottes“. Weitere Rollen sind mit begabten Schülerinnen und Schülern besetzt, die während einer halbjährigen Vorsingezeit am Theater gesucht wurden. Mit seinem Regiebuch zeigte sich Felix Eckerle, der „Noahs Flut“ inszeniert. Er habe sich schon lange im Vorfeld mit der Geschichte, dem Stoff und was daraus zu machen sei, befasst, erklärte er den mitwirkenden Kindern. Alles sei im Regiebuch eingetragen, damit nichts vergessen wird. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Thomas Wicklein. Von ihm erfuhren die Anwesenden, warum er Partitur und Dirigentenstock benötigt. Julia Ackermann ist für die Dramaturgie und Organisation zuständig.

An sie könnten sich die Kinder mit allen Fragen und Problemen wenden. Eingekleidet werden alle Akteure von Kostümbildnerin Petra Linsel. „Nicht dass ihr denkt, ihr bekommt niedliche Tierkostüme an“, warf Felix Eckerle ein. „Die Tiere werden nur angedeutet, reduziert in Formen und Farben.“  70 Minuten dauert die Aufführung. Die Gemeinde soll dabei nicht nur zuschauen und zuhören, sondern aktiv mitwirken. Gleich zu Beginn sind ihren Stimmen beim ersten Choral gefragt. Und auch am Schluss zum Dankeschoral stehen alle auf, fassen sich an den Händen und singen zur pathetisch mitreißenden Musik – ein schöner symbolischer und versöhnender Schluss.

( Helga Schubert, 21.02.2013 )

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