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Für Menschlichkeit und Toleranz

Gera (NG). Die „Interessengruppe Stolpersteine“ hat beschlossen, weitere zwölf „Stolpersteine“ an sechs Standorten im öffentlichen Verkehrsraum der Stadt zu verlegen. Der Termin ist auf Freitag, 2. November, ab 14.30 Uhr, datiert. Die zwölf „Stolpersteine“ sollen im Rahmen des städtischen Programms für Toleranz und Menschlichkeit, gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt an weitere Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an jüdische Mitbürger, Zeugen Jehova sowie aktive Widerstandskämpfer,  erinnern. Die Legung erfolgt erneut durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Folgende Steine sollen verlegt werden: 
Friedrich Thumann 
Er trat 1929 der Gemeinschaft der Zeugen Jehova bei. Die Anhänger der Zeugen Jehova verweigerten während der Zeit des Nationalsozialismus Hitler- und Fahnengruß sowie den Wehrdienst. Auch Thumann verweigerte und saß bis 1945 in einer Todeszelle. Friedrich Thumann wurde 1945 von einem SS-Mann erschossen.
 
Walter Thumann
Der Sohn von Friedrich Thumann  durchlebte mehrere Wehrmachtsgefängnisse und wurde gefoltert. Das Kriegsgericht verurteilte Walter Thumann am 6. April 1944 wegen Verweigerung des Wehrdienstes zum Tod. Er wurde am 2. Mai 1944 hingerichtet. Die Stolpersteine für Friedrich und Walter Thumann sollen 14.30 Uhr, am Geburtshaus in Gera-Thieschitz, verlegt werden.
Robert Mazur
 Gegen 15.15 Uhr wird in besonderer Weise vor dem Gebäude in der Ebelingstraße 10 an die Familie Mazur mit sechs Stolpersteine gedacht In der Nacht zwischen 9. und 10. November 1938 war Robert Mazur in Berlin und seine Familie wurde in ihrem Wohnhaus durch vier SS-Offiziere aus dem Schlaf geweckt. Robert Mazur wurde aufgefordert, bei seiner Familie zu erscheinen, und nach dem Eintreffen ins KZ Buchenwald gebracht. Sein Sohn wurde gezwungen zuzusehen, wie Robert Mazur fast zu Tode geprügelt wurde. Das Robert Mazur nach drei Wochen entlassen wurde, hängt mit dem Verkauf des Unternehmens zusammen. Sein Sohn Otto Mazur trug lebenslange gesundheitliche Schäden aus der KZ Haft in Buchenwald davon. Die sechs Familienmitglieder Mazur wanderten 1939 nach England aus.
Karl Otto Wetzel
Das Mitglied der SPD gehörte zur politischen Leitung der Gruppe „Junge Marxisten/Neu Beginnen“, und war Unterbezirksleiter der Sozialistischen Arbeiterjugend. Karl Wetzel musste zur Wehrmacht in die Strafkompanie 999 und ist an der Ostfront bei Apsare am 3. März 1944 getötet worden. Sein Stolperstein soll gegen 16 Uhr in der Hainbergstraße 7 verlegt werden.
 Egon Wolfgang Barasz
Gegen 16.45 Uhr ist in der Karl-Liebknecht-Straße 6 die Verlegung des Stolpersteines von Egon Wolfgang Barasz vorgesehn. Seine Eltern wurden 1930 geschieden. Sein Vater und sein älterer Bruder sind 1931 nach Paris verzogen und er lebte weiter mit seiner Mutter in Gera. Egon war ein begabter jüdischer junger Künstler. Nach der Wirksamkeit der Rassegesetze wurde Egon als sehr blasser Junge fast ausschließlich während der Dunkelheit und oftmals in Begleitung einer älteren jüdischen Frau gesehen. Egon wurde wie weitere 14 jüdische Mitbürger am 19./20. September 1942 in das Vernichtungslager Belyze deportiert.
 
Helene Lätzsch
Sie wurde am 11. Juni 1899 in Leumnitz geboren und trug nach ihrer Hochzeit den Familiennamen Fleischer. Bereits mit 20 Jahren wurde sie Mitglied der SPD und 1923 Mitglied der KPD. 1930 wurde sie zum 1. Internationalen Frauenkongress nach Moskau delegiert und wurde 1932 Mitglied des Thüringer Landtages sowie im gleichen Jahr als Abgeordnete der KPD Mitglied des Reichstages. Ihre illegale Tätigkeit begann mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Nach langen Jahren Zuchthaus und KZ wurde sie völlig erschöpft entlassen. In der Naulitzer Straße  wohnend wurde sie 1941 erneut verhaftet und im Gerichtsgefängnis in Gera und  später in Jena untergebracht. Nach kurzer Zeit wurde Helene Fleischer in die Landesheilanstalt Stadtroda überführt und durch eine Spritze ermordet. Die Gestapo hat ihren Todestag am 26. Juni 1941 angeben. Der Stolperstein soll in der Naulitzer Straße 9 gegen 17.15 Uhr verlegt werden. 
Erwin Panndorf 
Vor dem Gebäude in der Pfarr-Straße 4 soll gegen 17.45 Uhr mit einem Stolperstein an den deutschen Kommunisten Erwin Panndorf erinnert werden. Er trat 1920 der KPD bei. 1934 trat er der KPdSU bei. Nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges und dem Überfall auf die Sowjetunion durchlief Erwin Panndorf eine weitere militärische Ausbildung im Rahmen des Geheimdienstes. Im Mai 1942 wurde er mit anderen Kameraden als Fallschirmspringer über Deutschland abgesetzt, um die Widerstandsnetze zu unterstützen und Spionage sowie Sabotageaktionen vorzubereiten. In Berlin erhielt er durch Antifaschisten Unterstützung, welche aber seine Verhaftung am 27. Juli 1942 nicht verhindern konnte. Er wurde am 10. Dezember 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet. 
Die Interessengruppe „Stolpersteine“ muss darauf hinweisen, dass das Projekt „Stolpersteine“ nicht mehr als „Kunstprojekt“ durch die Finanzbehörden anerkannt wird. Sie bittet daher zur weiteren Umsetzung des Projektes um Spenden über das evangelische Jugendhaus Shalom bei der EKK Eisenach: 
Bankleitzahl: 52060410
Kontonummer: 108010544 
Der Verwendungszweck ist „Stolpersteine“. Mit der Verlegung soll ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen von Unrecht während des NS-Regimes gesetzt werden.


( vorstufe, 01.11.2012 )

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