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Hohes Engagement für Ausbildung trägt jetzt Früchte

Die Stationen, die die Innungstruhe der Geraer Bäckerinnung bezogen hat, weiß heute niemand mehr. Jetzt hat sie zunächst Platz beim Innungsobermeister Wolfgang Laudenbach gefunden. Zuvor stand sie im Domizil der Bäckergenossenschaft in Scheubengrobsdorf. Seit 1608 existiert die Truhe, deren Inhalt manche Rätsel aufgibt und noch nicht gänzlich erforscht ist. Das wichtigste Dokument jedoch ist die Innungsordnung, die die Jahreszahl 1608 aufweist. Irgendwann, wenn mehr Zeit ist, werden die Schätze der Truhe aufbereitet, überlegt Innungsobermeister Wolfgang Laudenbach, der einen geeigneteren Standort als seinen Betrieb für das historische Stück sucht. Auch eine Fahne wünscht er sich für die Innung. Die alte hat ein Bäckermeister im 2. Weltkrieg im Museum sichergestellt. Leider ging sie nach 1945 in Stadteigentum über und ist jetzt brüchig und verschlissen. Eine neue Innungsfahne sei allerdings nicht billig. Sie in Auftrag zu geben, müßten sich die Mitglieder einig sein, aber für die Pflege des Brauchtums und der Tradition sei noch nicht genügend Interesse vorhanden, bedauert der Innungsobermeister.

Neue Geschichte wurde statt dessen am 12. April 1990 gschrieben. Da erfolgte die Wiedergründung der Bäckerinnung. Wieviel Mitglieder haben Sie heute?
Wir zählen 59 Mitgliedsbetriebe. 1998 fusionierte die Geraer Innung mit Greiz, so dass wir von Jena, über Hermsdorf, Stadtroda, Gera bis Weida und Greiz vertreten sind. Damit sind wir die größte Innung unserer Branche im Land Thüringen.

Eine grundlegende Wandlung im Handwerk gegenüber DDR-Zeiten hat sich doch bei der Ausbildung vollzogen. Sie selbst haben sich von Anfang an ganz stark für die Ausbildung eingesetzt. Trägt das Engagement Früchte? Auf jeden Fall. Vor der Wende durften wir im Handwerk überhaupt keinen Lehrling ausbilden. Heute haben 95 Prozent der Betriebe Auszubildende. Viele beschäftigen sogar mehrere Lehrlinge. Ausgezahlt hat sich auch der Neubau der Gewerblichen Berufsschule mit der modernen Backstube, die auf höchstem technischen Stand ist. Es gibt eine gute Zusammenarbeit zwischen Innung, Stadtschulamt und der Schule, so dass wir auf den höchsten Ausbildungsstand im Land Thüringen verweisen können.

Wie hat sich die Innung da einbringen können?
Zum Beispiel wurde auf Initiative der Bäckerinnung Gera der Landesberufsbildungsausschuss gegründet, so dass seit zwei Jahren in allen drei Berufsschulen in Gera, Erfurt und Suhl die gleichen Ausbildungsmodalitäten praktiziert werden. Wir haben einen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend, der im Bundesausscheid endet. Fünf Landessieger sind aus unseren Lehrlingsreihen schon hervorgegangen. Die Geraer Innung hat einen eigenen Gesellenprüfungsausschuss und das Land den Meisterprüfungsausschuss. In beiden Gremien bin ich Mitglied.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs im Bäckerhandwerk aus?
Recht gut. Jährlich werden etwa 50 Lehrlinge ausgebildet. Da kommen im Laufe der Jahre an die 500 zusammen. Aber der Bedarf ist immer noch höher, als Ausbildungsplätze vorhanden sind. In einigen Betrieben werden neben Bäckern ja auch Konditoren und Verkäuferinnen ausgebildet.

Und finden auch alle einen Arbeitsplatz?
Die meisten werden von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. So kommt es, dass wir fast überall eine junge Mannschaft vorfinden. Auch jetzt haben alle Gesellen, die es wollten, in ihrem Betrieb einen Arbeitsplatz erhalten.

Wie man erkennen kann, steht die Innung auf stabilen Füßen. Welchen Vorteil bringt es denn, Mitglied der Innung zu sein?
An erster Stelle möchte ich da den guten Zusammenhalt nennen. Und ich bin richtig stolz auf meine Innungsbetriebe, dass sie Freundschaft und Kollegialität vor Konkurrenzdenken stellen. Viele Kollegen aus den alten Bundesländern meinen, dass es das bei ihnen nicht mehr gibt. Wir helfen uns bei technischen Schwierigkeiten und anderen Problemen. Da war in einem Betrieb ein Backofen ausgefallen, ein anderer übernahm die Ladung oder wie in meinem Betrieb, wo das Mehlsilo nachts streikte, ein Innungskollege half mir aus. So könnte ich noch vieles aufzählen. Aber wichtig ist auch die Geselligkeit. Da kann man in aufgelockerter Runde auch mal über Alltagsprobleme und Sorgen reden und vielleicht eine Lösung mit nach Hause nehmen.

Kümmert sich die Innung auch um gesetzliche Regelungen oder um Rechtsprobleme und Kostenfragen?
Wir haben einen Rechtsbeistand und einen arbeitsmedizinischen Dienst. Wir haben uns darum gekümmert, dass die Betriebe 20 Prozent weniger Abwassergeld bezahlen müssen. Als die Stromunsicherheiten aufkamen, hat sich der Vorstand mit den Stadtwerken zusammengesetzt und einen Rahmenvertrag für die Innungsbetriebe ausgearbeitet.

Wie sieht es mit den Löhnen aus?
Da können wir als Innung nur die Orientierung geben und empfehlen, den Tariflohn und darüber hinaus zu bezahlen. Wer gutes Personal behalten will, muss auch guten Lohn zahlen, denn das Personal ist unser höchstes Gut. Wir müssen die Mitarbeiter doch motivieren. Jeder Betrieb hat die gleichen Voraussetzungen. Dort, wo nur geringer Lohn gezahlt wird, dort kränkelt der Betrieb, ist nicht gesund.

Wer heute Brot oder Brötchen kauft, vom Kuchen ganz zu schweigen, hat auch die Qual der Wahl. Gibt es denn in Ihrer Branche auch Trends und Modeerscheinungen?
Ganz sicher. Die neue Welle heißt Biowelle. Aber ob sie sich durchsetzt, denn diese Produkte sind ja teurer... Gut im Rennen liegen wir mit Körner- und Schrotprodukten. Da hat sich die Produktion verdreifacht. Das normale Thüringer Mischbrot hinkt dem hinterher. Neu und gefragt ist das Dosenbrot, ein Körnerbrot mit runden Scheiben, und wieder im Rennen: das Kürbiskernbrötchen. Bei Kuchen geht nach wie vor der Thüringer Blechkuchen in großen Mengen über den Ladentisch. Saisongemäß wird er mit Beeren und Obst belegt. Der sogenannte "Spuckkuchen" (Kirschkuchen mit Kernen) oder der Speckkuchen (hat nichts mit Speck zu tun, ist aber eine uralte Tradition) gehen weg - wie warme Semmeln.

( Das Gespräch führte Helga Schubert, 08.07.2000 )

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