Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Sehnsucht nach der Heimat

Gera wird älter und die Bevölkerungszahl nimmt ab. Die Konsequenzen aus der demografischen Entwicklung für den Wohnungsmarkt erörterten die Vertreter der großen Wohnungsunternehmen mit Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Volkmar Vogel und mit Hans-Joachim Ruhland, Direktor des Thüringer Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
 
Einig sind sich Vermieter und Politik, dass Gera als gute Adresse fürs Wohnen weiter attraktiv gemacht wird. Die Stadt müsse als Standort für Wirtschaft, Bildung, Kultur und Wohnen regional stärker wahrgenommen werden. Wenn jährlich mindestens 600 Menschen zuziehen, sei ab dem Jahr 2020 eine Konsolidierung der Einwohnerzahl bei 90.000 möglich, verweist Uwe Klinger, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Glück Auf“ auf die gerade in der Diskussion befindliche Stadtentwicklungskonzeption. Damit könnte das Szenario, das im Jahr 2020 nur noch 87.700 Einwohner und für das Jahr 2025 ein weiteres Abrutschen auf 82.500 Einwohner prognostiziert, abgewendet werden. Zuversichtlich stimmt, dass die meisten Menschen, die nach Gera ziehen, im Alter zwischen 15 und 35 Jahre sind. Um diesen Prozess weiter zu befördern, will die Stadt die Wirtschaft stärken, betonte die Oberbürgermeisterin. Sie verwies aber auch darauf, um die älteren Menschen zu werben, damit sie in Gera ihren Lebensabend zu genießen. Geraer, die nach der Wende die Stadt verließen, um anderswo Arbeit zu finden, hätten Sehnsucht nach der alten Heimat.
 
Die Geraer Vermieter richten sich gegenwärtig auf eine Stadtgröße von 90.000 Menschen ein – aber auch darauf, dass im Jahr 2030 jeder dritte Geraer älter als 65 Jahre ist und dass dann der Anteil der Ein-Personen-Haushalte bei 45 bis 50 Prozent liegt. Konsequenz aus der absehbaren demografischen Entwicklung: Es müssen weitere Wohnungen abgerissen werden, auch wenn die große Abrisswelle vorbei ist, so Uwe Klinger. Wohnungsabriss bedeute Vernichtung von Eigentum, so Dieter Lappan, Vorstand der WBG „Glück Auf“. Deshalb müssten die Schulden, die auf diesen Immobilien lasten, aus den Papieren. Ohne Schuldenentlastung würden Gebäude leer stehend bleiben und es könnten Ghettos mit sozialen Brennpunkten entstehen, warnt Andreas Schricker, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“, vor den Konsequenzen. Der Wohnungsrückbau müsse auf breitere Schultern verlagert werden, fordert Uwe Klinger. Deshalb sollten auch Anreize für private Vermieter geschaffen werden, Wohnungen vom Markt zu nehmen. Zum einen ist das von gemeinsamem Interesse für einen funktionierenden Wohnungsmarkt, zum anderen ist es für eine geordnete Stadtentwicklung wichtig.  Hans-Joachim Ruhland äußerte die Erwartungen an die Bundespolitik, dass die Fördersätze höher und flexibler angesetzt werden und die 75 bis 80 Millionen Euro, die bundesweit im Fördertopf für Abrisse „übrig“ bleiben, unter den Antragstellern verteilt werden und zwar an die, die über ihre Verpflichtungen hinaus Wohnungen rückgebaut haben. Ausdrücklich lobte der Verbandschef die Zusammenarbeit der Geraer Wohnungsunternehmen.
 
Axel  Bartzok, Vorstand der WBG „Aufbau“, mahnte die Politik vor Überreglementierungseifer. Wenn die Vermieter zu Investitionen in energetische Sanierung  binnen kurzer Zeiträume gezwungen werden, außerdem noch Stadtumbau betrieben und Denkmalschutz beachtet werden müsse, entstünden Aufwendungen, die nicht mehr tragbar seien – und in der Konsequenz würden sich für solche Wohnungen keine Mieter finden.
 
Die Städtebauförderung sollte stärker mit anderen Förderprogrammen verknüpft werden, regte der Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel an. Die Idee des Programms „Altersgerechtes Umbauen“, das bis 2011 mit dem Konjunkturpaket bestand, solle weitergeführt werden.  Im Jahr 2016 werde es eine Entscheidung zum Stadtumbauprogramm geben, das nicht mehr nach Ost und West, sondern nach dem Bedarf unterscheidet.

( Neues Gera, 06.09.2012 )

zurück