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Verblüffende Einsichten in junge Gegenwartskunst

Ein Vergrößerungsspiegel, der beim Betrachten nach dem Zufallsprinzip von der Wand fällt und in tausend Scherben zerspringt; eine Fläche mit kleinen Metallkugeln ausgestreut; Stoffbahnen, die mit synthetischem Schweiß getränkt sind; aber auch ein mächtiger Bundesadler, der  über einem kleinen Haus thront – das alles ist junge deutsche Gegenwartskunst, zu sehen in der Ausstellung Otto-Dix-Preis 2012 in beiden Flügeln der Orangerie. Zum neunten Mal verlieh die Stadt Gera diesen nach ihrem berühmten Sohn benannten Preis. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf Jan Brokof aus Berlin. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert - einer der höchst dotierten Preise für junge Gegenwartskunst in Deutschland -,wobei die Hälfte zum Ankauf eines Werkes des Künstlers verwendet wird.

Jan Brokof, der 1977 in Schwedt geboren ist und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert hat, hat sich mehr der grafischen Stilrichtung und im Besonderen dem Holzschnitt verschrieben. Mit den Farben schwarz, rot, gelb (gold), die viele seiner Werke beherrschen, signalisieret er deutsch-deutsche Geschichte, politische Inhalte fließen ein, und er thematisiert soziale, ökonomische und nationalistische Konflikte und Widersprüche, wobei er besonders die noch bestehenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland hervorhebt. Der Dix-Preis sei eine wichtige Position für ihn, bekannte er, „Otto Dix ist für mich ein großes Zeitphänomen der 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts“, sagte er.

Insgesamt zeigt die Kunstsammlung Gera 116 Arbeiten von fünf Künstlern, denn es ist eine Besonderheit der Ausstellung, dass auch die Arbeiten der vier weiteren Nominierten präsentiert werden. Dabei erhielten die Künstler bereits im Vorfeld die Möglichkeit, die Räume der Orangerie zu inspizieren und so ihren speziellen Ausstellungsbeitrag zu entwickeln. Die Juroren hatten sich für Robert Barta, Peggy Buth, Wolfgang Lugmair und Monika Stricker entschieden. Zur Ausstellungseröffnung waren neben dem Preisträger allerdings nur Robert Barta und Monika Stricker anwesend. Wolfgang Lugmair befindet sich auf einer zweijährigen Projektreise in Mexiko und Peggy Buth ist gegenwärtig mit einer Arbeit in Paris beschäftigt. Robert Barta jedoch überraschte mit raumgreifenden Objekten und Installationen und verwirrt damit nicht selten die Besucher. 

Robert Barta ist 1975 in Prag geboren und lebt heute in Berlin. Er besucht die Akademie der Bildenden Künste in München und studierte ein Jahr am Art Institute in San Francisco. Bartas Arbeiten können nicht nur angeschaut werden, sondern sie fordern das Mittun des Betrachters heraus, ja der Künstler bezieht ihn in sein Werk ein. „Limits of Control“ nennt er eine Arbeit, die einen ganzen Raum ausfüllt. Dazu befreite er Kugellager aus ihren Lagern und schuf dadurch einen beweglichen Fußboden mit Stahlkugeln, 650.000 an der Zahl. „Wer sich hierauf begibt, benötigt die Hilfe des Anderen, und alle haben das gleiche Gefühl von Unsicherheit“, erklärt er. Seine Arbeiten sind nicht ohne hintergründigen Humor.

Mit einer menschliche Eigenschaft, die wahrscheinlich noch nie zu einem Thema in der Kunst gemacht worden ist, zumindest nicht in dieser Form, befasst sich Monika Stricker. Sie tränkte verschiedenfarbige Jerseystoffbahnen mit synthetischem Schweiß. Er wird in der Industrie zur Farb- und Beständigkeitsprüfungen eingesetzt. „Wenn Menschen schwitzen, steht immer ein Körper dahinter, bei mir ist das Schwitzen entkörperlicht“, deutete sie auf die Stoffbahnen. Es entsteht ein anderes Bild des Schwitzens, das vielerlei Deutungen zulässt. Monika Stricker wurde 1978 in Düsseldorf geboren und besuchte die dortige Kunstakademie.

Kommunikations- und Sprachprozesse spielen für die 1971 in Berlin geborene Künstlerin Peggy Buth, die an der Hochschule für Bildende Künste in Leipzig studierte, eine große Rolle. Auffallend in der Ausstellung ist eine große Wand mit riesigen Personalpronomen, die sie in allen möglichen Kombinationen zeigt. Es ist jedoch keine grammatikalische Übung. Scheinbar still und vertraut wirken die Bilder von Wolfgang Lugmair. Man sieht Figuren, Landschaften und Szenerien, doch beim näheren Hinsehen entrücken sie immer mehr in einen Schwebezustand, in dem sich eine Traumwelt offenbart. Wolfgang Lugmair, Jahrgang 1976, der in Karlsruhe studierte, setzt nicht auf die äußere Wahrnehmung, sondern siedelt Traum und Vorstellungen aus dem Unterbewusstsein in seinen Bilden an. Bis zum 23. September kann die Ausstellung in der Orangerie besucht werden.

( Helga Schubert, 27.07.2012 )

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