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Neun Spielstätten - 20 Prozent Auslastung

„Unser Theater liegt uns am Herzen”, mit diesen Worten leitete LINKE-Stadtratsmitglied Mike Huster die aktuelle Stunde zum Theater in der jüngsten Stadtratssitzung ein, die seine Fraktion beantragt hatte. Noch immer ist die drohende Insolvenz von Theater & Philharmonie Thüringen nicht abgewendet. „Wir würden sofort zum Flächentarif zurückkehren, ist dies aber leider unter den jetzigen Rahmenbedingungen nicht machbar”, weiß Huster. „Wir sind bereit, trotz der desolaten Lage im städtischen Haushalt, uns dieser Verantwortung zu stellen und würden die zusätzlichen 300.000 Euro zu den vier Millionen Euro, welche die Stadt Gera jährlich leistet, zahlen”, appelliert Huster an den Stadtrat sich der Verantwortung zu stellen. Dass es kein endloser Prozess sein könne, dass Land ständig um Hilfe zu bitten, bemerkte CDU-Stadtrat und Aufsichtsratmitglied Dr. Michael Kneisel. „Die Eigenleistungen sind ebenfalls entscheidend, so haben die Mitarbeiter mit Gehaltskürzungen ihren Beitrag geleistet, nun sei es an der Zeit die Eigenmittel zu erhöhen”, fasste der CDU-Mann zusammen. So erwirtschafte das Theater Altenburg-Gera lediglich zehn Prozent selbst. Der Durchschnitt der erwirtschafteten Eigenmittel aller deutschen Theater liege bei 16 Prozent. „Wir müssen aus unternehmerischer Sicht auf das Theater schauen”, machte er deutlich. So sehe er gerade in der Auslastung der neun Spielstätten von gerade einmal 20 Prozent  mögliche Reserven. „Es muss mehr gespielt und eventuell auch vermietet oder verpachtet werden”, schlug er Lösungsansätze vor.

Aufsichtsrätin Sigrid Müller von der SPD-Fraktion verdeutlichte die Lage des Theaters metaphorisch und nahm Bezug auf das bekannte Holzturmspiel „Jenga”. „Wie bei diesem Spiel werden dem Theater immer mehr Stäbe entzogen und muss dabei versuchen weiter die Balance zu halten. Doch irgendwann wird auch der stabilste Turm das Gleichgewicht verlieren und einbrechen”, versinnbildlichte Müller die prekäre Lage und nahm zugleich Bezug auf die Petition. „Mehr als 27.000 Menschen haben diese Petition unterschrieben. Wir, als vom Volk gewählte Stadtratsmitglieder, haben die Aufgabe den Bürgerwillen umzusetzen.” Sie sieht u.a. die Lösung in einem deutschlandweiten Fond für Theater in Not. 

Gitta Zschach, AfG-Fraktion und ebenfalls Aufsichtsrätin, siehe die aktuell laufenden Haustarifverhandlungen ohne die Gewerkschaft verdi als nicht erfolgsversprechend. Im Falle des Scheiterns der Haustarifverhandlungen würden nicht einmal die Schließung des Schauspiels und des Puppentheaters sowie die Reduzierung des Orchesters ausreichen, um das Theater ab 2013 vor der Insolvenz zu bewahren. „Wir haben nur noch wenig Zeit, um zu handeln”, richtete sie ihr Wort an den Stadtrat. Denn, so machte sie klar, stünde zum einen die 2011 beschlossene Finanzierungsvereinbarung auf keinen guten Beinen und zum anderen seien die polemischen Forderungen ans Land unrealistisch, denn noch gebe es keine feste Zusage für die zusätzlichen Landesmittel von 1,16 Millionen Euro.      

Eine grundhafte Änderung der Rahmenbedingungen, forderte Stadtrat Eugen Weber. „Wir brauchen die Schultern aller Ostthüringer, um das Theater zu stabilisieren. Daher plädiere ich für eine Kulturraumfinanzierung. Warum soll auch nicht der Landkreis Greiz seinen Beitrag zu einer langfristigen Sicherung des Theaters beitragen”, mahnte er fragend an.  

Kulturausschussvorsitzender Klaus Peter Creter (CDU) zeigte auf, dass Altenburg und Gera die einzigen Theater Thüringens sind, die fusioniert haben. „Wer nicht fusionieren will, muss mit Kürzungen rechnen”, hofft er, auf Reaktionen seitens des Landes.

Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn kündigte an, in Abstimmung mit den Gesellschaftern Landkreis Altenburger Land und Stadt Altenburg eine Aufsichtsratssitzung anzuberaumen, in der die Geschäftsführung schonungslos die wirtschaftliche Lage und die daraus resultierenden Konsequenzen aufzeigen soll. Ab 2013 muss gegenwärtig mit einem jährlichen Defizit von 2,6 Millionen Euro gerechnet werden. „Ich baue auf eine gemeinschaftliche Verhandlungsposition der drei Gesellschafter, die eng abgestimmt ist mit dem Freistaat Thüringen, dem Hauptgeldgeber unseres Theaters. Gemeinsam mit der Intendanz, dem Betriebsrat und den Fördervereinen sollten wir überlegen, wie durch Spielplangestaltung, Marketingaktivitäten und andere Maßnahmen die Einnahmesituation der Theater GmbH verbessert wird“, betont Dr. Hahn.

( Fanny Zölsmann, 20.07.2012 )

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