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Pro und Contra zur JVA in Aga

Die Standortfrage sollte nach sachlichen Gesichtspunkten entschieden werden. Es ist kein Platz für Stimmungsmache im Stil von „ich möchte ohne Angst durch den Wald laufen“. Dennoch, was den Standort Aga für die neu zu errichtende Justizvollzugsanstalt (JVA) angeht, sind die Meinungen unter den Anwohnern geteilt. Allerdings spiele die Akzeptanz unter den Bewohnern schon eine Rolle, wenn es um die Entscheidung für den JVA-Standort geht. Im Moment noch im Rennen dafür sind neben den beiden Standorten in Thüringen – Aga und Großenstein/Korbußen – zwei weitere in Sachsen.

Gewissermaßen zum „Halali“ hatten man in Aga geblasen, als für den vergangenen Donnerstag der Ortsteilrat Aga zu einer Öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema JVA Aga in die Bildungsstätte der Handwerksrkammer für Ostthüringen Gera-Aga alle interessierte Bürger eingeladen hatte und dazu ein Expertenrunde die Rede und Antwort standen und das mit Leidenschaft.

Eigentlich sollte die Entscheidung über den Standort schon am 30. Juni fallen, wurde dann auf Montag vertagt und letztlich wieder ausgesetzt. Weiter im Dunkeln bleibt, wer Aga als JVA-Standort überhaut ins Gespräch gebracht hatte.  Ortsbürgermeister Bernd Müller hatte es von einer seiner Amtskolleginnen erfahren, die wiederum hat es aus den MDR-Nachrichten. Übrigens ein ganz entscheidender Punkt, der die Gemüter bei den gut 100 gekommenen Bürgerinnen und Bürger in Wallung brachten. Selbst die, die Aga als Standort befürworten, fühlen sich in ihrem demokratischen Rechten beschnitten. Licht ins Dunkle konnte auch SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Armin Allgäuer, nicht bringen, verwies aber darauf, dass es seit Kenntnis der Ausschreibung bereits die vierte Informationsveranstaltung sei. Er selbst sieht im Bau der JVA eine Chance für Aga. „Wir leben seit Jahren in Gera mit der JVA und selbst wenn es Probleme gab, dann wurden die angesprochen und gelöst. Und das ist ja das Gute an der Sache.“

JVA ja, aber warum ausgerechnet in Aga, sieht Cornelia Gräser Aga als Erholungsstandort gefährdet. „Ich werde wohl dann nicht mehr mit den Kindern einfach so im Wald spazieren gehen können“, zeigt sich Erzieherin Sunhild Riedel besorgt.

Die Ängste wolle man nicht einfach beiseite schieben, seien sogar verständlich, war Herbert Windmüller, Abteilungsleiter Strafvollzug im Thüringer Justizministerium bemüht die Skeptiker zu beruhigen. Eine Lanze für die JVA brach Dirk Bergner, Bürgermeister der Stadt Hohenleuben, der sich sogar enttäuscht darüber zeigte, dass sein Ort aus der Bewerbung herausgefallen ist. „Dass Freigänger Bürger bedrohen, stehlen oder sogar einbrechen, davon sei ihm nichts bekannt und auch dass Kindergartenkinder sich nicht mehr frei bewegen können, eine solche Auffassung könne er nicht teilen.“ „Die werden sich hüten. Freigang ist das höchste Privileg für einen Gefangenen. Dass setzt keiner so leicht aufs Spiel“ beruhigt auch Joachim Fritzsche, Leiter der JVA Hohenleuben. Bedenken will auch Justizvollzugsbeamtin Heidrun Wilke nehmen. Sie kennt das Milieu, wohnt selbst seit 20 Jahren in Hohenleuben, angegriffen von gefangenen sei sie nie. 

Geplant ist der Bau einer JVA für 940 Häftlinge, darunter 80 im offenen Vollzug, aber keine „schweren Jungs“. Die Investitionssumme ist mit 160 Millionen Euro veranschlagt und bietet 408 Arbeitsplätze.

So blieb ein möglicher wirtschaftlicher Effekt auch nicht unerwähnt. So könnte das örtliche Handwerk einen Nutzen draus zeihen. Das mit den Häftlingen die Schlüsselzuweisungen durch das Land steigen, darauf verwies Dirk Bergner und Jürgen Frank, Leiter der JVA Gera verwies darauf, dass Gefangene als ersatzfreie Strafen gemeinnützige Arbeiten leisten können.

Ob die Vorteile die Nachteile aufwiegen, will Harald Tscherner bezweifeln. Anders der Agaer Martin Kuhn, der wie Kurt Kröber aus Pölzig ein eindeutiges Statement für die JVA Aga abgegeben hat.

„Ob nun die Mehrheit der Anwesenden  für oder gegen die JVA ist, da mag ich mich nicht festlegen“, so das Fazit von Bernd Müller, der das Positive in dieser Veranstaltung auch darin sieht, dass die Bürger schon nach ihrer Meinung gefragt werden und auch von ihrem Recht, sie zu äußern gebrauch machen wollen.

( Reinhard Schulze, 06.07.2012 )

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