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Liebe, Hassen und Sterben

Katharina Hancui heißt die kleine Künstlerin, die Sabine Schramm bei ihrem nächsten Puppenschauspiel auf der Bühne unterstützen wird. 
Nach einem Casting überzeugte sie die Puppenbühnenleiterin Sabine Schramm und den Regisseuren Tim Heilmann. Gesucht wurde ein Kind für das neue Stück „Gefährliche Liebschaften”. „Katharina war einfach der Renner”, so Heilmann. „Sie hat mit einer solchen Reinheit gesungen. Es war eine anspruchsvolle Prüfung, die sie sehr gut gemeistert hat”, lobt Sabine Schramm. Und dass sie ein kleiner Profi ist, bewies sie schon in der ersten Probe. „Wir waren erstaunt, wie schnell sie die Regieanweisungen umsetzen kann. Es macht Spaß mit ihr zu arbeiten”, betont Heilmann.
Ihr Talent kommt nicht von ungefähr. Längst ist Katharina Hancui für geübte Theaterbesucher keine Unbekannte mehr. Wirkte sie u.a. auch bei der Inszenierung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ mit. Ihre Eltern spielen im Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera. Katharina Hancui ist im Theater groß geworden. Später will sie, wer würde etwas anders vermuten, selbst gerne Puppenspielerin oder Schauspielerin werden. 
Ab Sonnabend, 7. Juli, ist sie als „Kind” in den „Gefährlichen Liebschaften” nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos zu erleben. „Das Kind symbolisiert die Reinheit, den Urzustand und die Freiheit. Es ist der Gegenpol zur intriganten Marquise de Merteuil. Im Buch gibt es kein Kind”, erklärt die Leiterin der Puppenbühne, Sabine Schramm, ihre kreative Ausgestaltung im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Sie selbst wird die Marquise de Merteuil spielen. Doch worum geht es überhaupt. Wer ist Merteuil und warum steht ein Kind im Kontrast zu einer Frau?
„Gefährliche Liebschaften” ist eine zynische Schachpartie der Intrigen, bei der es am Ende keine Sieger geben kann. „Die genauso hinterhältige wie für die Öffentlichkeit unbescholtene Marquise de Merteuil und der Frauenherzen vernichtende Vicomte de Valmont verbindet das Band der Verachtung. Beide haben es sich zum Ziel gemacht, mit den Waffen der Verführung ihre Mitmenschen in den nihilistischen Abgrund zu stürzen, den sie hinter jeder Zwischenmenschlichkeit erwarten”, gibt Sabine Schramm einen Einblick in das Buch. „Es geht um eine gut betuchte Frau, die zu viel Zeit, zu viel Geld und zu viel Langeweile hat. Im Laufe des Stückes wird geliebt, gehasst und gestorben”, fügt Regisseur Tim Heilmann hinzu. Er zeichnet ebenfalls für Bühne und Kostüme verantwortlich.  
Der berühmte Briefroman aus dem Jahr 1782 hält bis heute einer Gesellschaft den Spiegel vor, die das Gefühl als lästiges Übel verachtet und Kavaliersdelikte wie Hinterlist und Heimtücke hochhält, solange sie sauber verpackt bleiben. Dieses nach wie vor aktuelle Sittenbild einer ganzen Epoche wird nun mit all seinen Feinheiten und Gemeinheiten in der Verbindung von Schauspiel, Puppe sowie den Suiten für Cello von Johann Sebastian Bach, gespielt von Lukas Dreyer, Solocellist des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera, auf die Bühne des Puppentheaters gebracht. Wie ein Seziermesser schält die Inszenierung Schicht für Schicht von den Figuren bis die Partie aus Verführung und Vernichtung zu ihrem finalen Höhepunkt ansetzt. Ende 18. Jahrhundert, es ist auch die Zeit des französischen Philosophen und Aufklärers Jean-Jacques Rousseau, der zu den wichtigsten geistigen Wegbereitern der Französischen Revolution zählt. „Rousseau spricht oft vom Urmenschen. Für ihn ist der Mensch, der in der Gesellschaft lebt, niemals fähig moralisch rein und frei zu denken und zu handeln. Die Gesellschaft verdirbt immer. Das Kind, welches wir als Gegenpol aufleben lassen, soll den Urzustand des Menschen symbolisieren”, macht Heilmann neugierig auf ein gesellschaftskritisches Stück, welches trotz mehr als 200jähriger Geschichte, nie an Aktualität verlieren wird. 
Am Sonnabend, 7. Juli, um 19.30 Uhr, feiert das Stück Premiere. Den Puppenbau übernahm Lutz Großmann. Dramaturg ist Lennart Naujoks. Wer zur dieser Vorstellung keine Zeit hat, der bekommt noch einmal am Freitag, 13. Juli, 19 Uhr, die Gelegenheit. Danach verabschiedet sich das Puppentheater mit einer Sommernacht in die Spielzeitpause - rund um die Inszenierung wird es musikalische und kulinarische Überraschungen geben. 

( Fanny Zölsmann, 28.06.2012 )

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