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Orientieren trotz Handicap

Vorsichtig tastet sich Isabel Wandhowski mit einem Behindertenstock am Beckenrand des Hofwiesenbades entlang. Auf der Nase trägt sie eine Brille. Doch sehen kann die Studentin des Studienganges Soziale Arbeit an der Berufsakademie (BA) kaum noch etwas. Denn sie hat nur noch zehn Prozent Sehfähigkeit auf beiden Augen. Um sich zu orientieren, nimmt sie den Stock zu Hilfe. „Hier merke ich beispielsweise, dass die Rillen vom Beckenrand anfangen und dann kommt das Wasser“, sagt sie und fährt mit dem Stock über die Oberfläche am Beckenrand. Dann nimmt sie die Brille ab und blinzelt. „Das Hofwiesenbad hat für Sehbehinderte gute Bedingungen. Sie können sich gut orientieren“, lautet letztendlich ihr Fazit. Die Studentin des vierten Semesters ist nicht wirklich sehbehindert, sondern testet das Hofwiesenbad auf die Tauglichkeit für Sehbehinderte. „Man sieht durch diese Brille alles verschwommen. Es ist ein komisches Gefühl. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, nichts sehen zu können“, sagt ihre Kommilitonin Susanne Völker. 

Die beiden sind zwei von insgesamt sieben Bachelor-Studenten der BA, die gemeinsam mit Mitgliedern des Behindertenstammtisches in der vergangenen Woche drei Tage lang in der Stadt unterwegs gewesen sind, um verschiedene Einrichtungen auf ihre Barrierefreiheit für Körper- und Sehbehinderte zu testen. 

Neben dem Hofwiesenbad haben unter anderem das H35, das Stadtmuseum, die Arcaden, das Theater und der BUGA-Park auf dem Prüfstand gestanden. Anhand von Checklisten, die der Stammtisch erarbeitet hat, haben die Studenten unter anderem die Zugänglichkeiten zu den Einrichtungen, die Erreichbarkeit und beispielsweise im Hofwiesenbad die Sanitärräume sowie den Umkleidebereich untersucht. 

Mithilfe von Sehbrillen und Rollstühlen konnten sich die Teilnehmer selbst ein Bild davon machen, wie es ist, körper- bzw. sehbehindert zu sein. Ein nicht so angenehmes Gefühl, wie die Studenten erfahren haben. „Man zieht schon die Blicke auf sich, wenn man im Rollstuhl sitzt. Meistens haben die Leute Mitleid und das ist wirklich ein unangenehmes Gefühl“, sagt Martin Kretschmar. 

Durch das Unterrichtsfach „Empirische Sozialforschung“ sind die Studenten auf das Projekt aufmerksam geworden. Dieses wird im Rahmen eines Lokalen Aktionsplanes (LAP) durchgeführt. Die gewonnenen Ergebnisse fließen in den Stadtführer „Barrierefrei durch Gera“ ein. Weiterhin entsteht eine Studienarbeit, welche die Studenten Anfang August vorstellen werden.

Das Projekt „Gera auf dem Weg zur Barrierefreiheit“ wird im Rahmen des Bundesprogrammes „Toleranz fördern - Kompetenz stärken“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. 

Nähere Infos unter www.toleranz-fördern-kompetenz-stärken.de

( Doreen Hotzan, 28.06.2012 )

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