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Im Strudel von Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Ein Motto hat sich die Theaterleitung für die neue Spielzeit nicht gegeben. Auf alle Fälle ist sie grün – so präsentiert sich jedenfalls das Programmheft für die Spielzeit 2012/2013 – und grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung, die Hoffnung, dass sich alle Gesellschafter mit dem Land Thüringen noch einmal an einen Tisch setzen und über eine für alle Mitarbeiter und Publikum akzeptable Lösung verhandeln, die Hoffnung, dass Schauspiel, Puppentheater und Teile des Orchesters nicht sterben müssen und die Hoffnung darauf, dass der in Thüringen einmalige Akt der Verknotung von zwei Theatern, nämlich von den Bühnen der Stadt Gera und dem Landestheater Altenburg zu einer Theater&Philharmonie Thüringen (TPT) ihren verdienten Lohn erhält. „Eigentlich wollen wir heute nicht über Finanzen reden“, bemerkte Generalintendant Kay Kuntze zur Spielplan-Pressekonferenz. „Wir möchten darüber sprechen, wofür wir eigentlich da sind. Erlebnisse und Eindrücke zu vermitteln, Kunst zu bieten“. Und davon kann das Theater mit einer ganzen Menge aufwarten.

24 Neuinszenierungen enthält der anspruchsvolle Spielplan, den Kay Kuntze üppig und abwechslungsreich nannte und alle Genres einschließt. Mit zwei neuen Ballettabenden wartet Ballettdirektorin Silvana Schröder auf. „27“ heißt das Tanzstück, eine Uraufführung, die sich Popikonen widmet, die im Alten von 27 Jahren gestorben sind. Ebenfalls um eine Uraufführung handelt sich bei dem Ballett „Schwarzer Schwan“. Aus der Sicht des schwarzen Schwans erhält Tschaikowskis „Schwanensee“ eine neue Erzählweise. Die Aufführung wird vom Philharmonischen Orchester begleitet. Ehrgeizige Pläne hat die Leiterin des Puppentheater Sabine Schramm mit ihrem kleinen Ensemble. Neue Wege werden durch spartenübergreifende Inszenierungen gegangen. Ein Beispiel dazu ist „Die Feuerbrunst“. Joseph Haydn soll das Stück als Marionettenoper komponiert haben. „Ob wir Marionetten verwenden – mal sehen“, stellt Sabine Schramm in Frage, aber es wird ein musikalisches Theater mit Puppen werden wie auch „Hexe Hillary geht in die Oper“, ein Kinderstück mit Musik. Zu den weiteren neuen Vorhaben gehören u. a „Der kleine Prinz“ nach dem berühmten Buch von Antoine de Saint-Exupéry, „Die Eisprinzessin“ und „Medea“, von Theo Fransz, eine deutschsprachige Erstaufführung. Der Adventskalender wird nach dem Erfolg im letzten Jahr im Haus am Gustav-Hennig-Platz wieder geöffnet. Ein neues Projekt ist die „Feuerwehr“, „Wir kommen, wenn es brennt“, erklärt Sabine Schramm und bezieht sich auf Schulklassen, die zu den Themen Mobbing, Rassismus und Zivilcourage Unterstützung benötigen.

Bernhard Stengele, der neue Schauspieldirektor, stellt sich persönlich mit deutschen Balladen unter dem Thema „Sie haben nämlich Entenfüße“ zu Anfang der Spielzeit vor. „Im Strudel von Geschichte, Gegenwart und Zukunft“ beschreibt er die Vorhaben im Schauspiel. Im Mittelpunkt stehen eine Reihe von Bearbeitungen antiker Stücke, die sich mit Frauenfiguren befassen. In dieser Spielzeit steht „Kassandra“ nach dem Roman von Christa Wolf auf dem Programm. Klassisches wie „Iphigenie in Aulis“ von Euripides über Volksstücke wie „Kasimir und Karoline“ oder die Komödie „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo sind zu finden. Etwas Außergewöhnliches plant Bernhard Stengele mit dem Projekt Schauspieler lesen aus ihren Lieblingsbüchern. Dabei verlassen sie jedoch den Theaterboden und begeben sich auf das Parkett fremder Wohnzimmer. Interessenten aus der Region, die über eine größere Wohnungen verfügen (etwa 15 Interessierte sollten  hineinpassen), können sich für dieses Vorhaben bewerben.

Im Musiktheater punktet Kay Kuntze, der auch als Operndirektor fungiert, ebenfalls mit Vielfalt. Historisches, Wiener Klassik und Moderne zählt er auf, Oper, Operette, Musical, Rock und Pop. „Chess“, ein Musical von Benny Andersson und Björn Ulvaeus, den beiden Abba-Jungs, das viele Nummer 1-Hits enthält, ist dabei. Ein Schlüsselwerk der französischen Romantik „Werther“ von Jules Massanett steht ebenso auf dem Plan wie auch ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch. Komik und tolle Tanzmusik verspricht Kay Kuntze mit „Du bis ich“. Vor 80 Jahren wurde die Operette in Frankreich uraufgeführt. Sie erlebt nun die deutschsprachige Erstaufführung. In der Geraer Johanniskirche wird das Mysterienspiel von Benjamin Britten Noahs Flut“ aufgeführt. Dabei wirken auch Schüler der Musikschule und der Gymnasien mit. Bleibt noch das Konzertgeschehen. Der Kommissarische Musikdirektor Jens Troester zählt 120 Konzerte, darunter neun Philharmonische und eine Reihe von Sonderkonzerten auf. Traditionspflege, Meisterwerke der Vergangenheit, Bekanntes und Beliebtes, aber auch Neugier auf Spannendes und Neues. Zum 50. Todestag von Hanns Eisler wird dessen „Deutsche Sinfonie“ gespielt. Hierbei wirkt der Philharmonische Chor mit. Mehrere Philharmonische Konzert werden durch solistischen Glanz gekrönt. Der Pianist Bernd Glemser und der derzeit weltweit beste Trompeter Gabor Boldoczki sind in Gera und Altenburg zu hören.

Das sind nur einige Beispiele der Gesamtvorhaben des Spielplanes 2012/2013. Bleibt die Hoffnung, dass die Kassen aufgefüllt werden, denn seit Jahren verzichten die rund 300 Mitarbeiter auf einen angemessen Lohn und ihre zugestandene Mehr-Freizeit bedeutet weniger Vorstellungen, was nicht im Sinne von Effektivität ist. Die Hoffnung bleibt aber auch, dass das Publikum die Reihen füllt und sich somit zu ihrem Theater bekennt.

( Helga Schubert, 27.04.2012 )

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