Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Unauffindbares wird endlich gezeigt

Unzählige Werke von Otto Dix gelten als verschollen, d.h. sind unauffindbar. Und doch bekommen Ausstellungsbesucher in Gera einige dieser Meisterwerke zu Gesicht. Ein großer Teil der Jubiläumsausstellung „Otto Dix: retrospektiv“ ist den verschollenen Arbeiten des Künstlers gewidmet und zeigt anhand einiger kunsthistorisch bedeutenden Exemplare die Kriminalgeschichte, die hinter jedem der verlorenen Bilder steckt.
 Holger Saupe, Leiter der Geraer Kunstsammlung, schildert den Weg zu dieser in der deutschen Museumslandschaft einzigartigen Präsentation: „Im Rahmen unserer vorangegangenen Dix-Ausstellung ‚Unverblümt‘ haben wir mit einem der Bilder gespielt. Wir haben das ‚Selbstbildnis mit roten Gladiolen“ farblich verfremdet und sind so auf die Idee gekommen, andere verschollene Dix-Bilder nicht nur in ihrer erahnten Farbigkeit zu reproduzieren.“ Damit stieß man auf den tragischen Aspekt, dass hunderte Bilder vieler Künstler nicht mehr auffindbar sind. „Da wir als Museum auch die Aufgabe haben, die breite Öffentlichkeit auf eher unbekannte Phänomene aufmerksam zu machen, sahen wir uns in der Pflicht, uns auch auf diesen Bereich der kunsthistorischen Forschungen zu konzentrieren.
 Vor allem die Nationalsozialisten störten sich an 1933 zunehmend an dem unbequemen Künstler Otto Dix und beschlagnahmten hunderte seiner Bilder in Museen und Galerien. Dabei nahmen sie v.a. Anstoß am öffentlichen Dix und verschonten zum Glück private Sammlungen. Zwar konnte der Maler weiter arbeiten, doch das Zeigen seiner Werke wurde immer gefährlicher. Einige seiner Bilder hat er selbst vor den Nazis in Sicherheit bringen wollen. Viele verschwanden jedoch während der „Entartete Kunst“-Hetze, wurden im Besten Fall weiterverkauft oder im schlimmsten Fall zerstört. Zahlreiche Originale verkauften man in die Schweiz. Ein Wiederfinden ist daher oft fast unmöglich.
 Über die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität Berlin gelang es Holger Saupe und seinen Mitarbeitern, die Historie einiger wichtiger Bilder zu klären. „Für die Ausstellung haben wir die Arbeiten ausgewählt, die erstens kunsthistorische Bedeutung haben und zweitens auch thematisch in Geras Dix-Sammlung passen“, sagt er. Anhand von Fotos, die Dix im Atelier oft selbst von seinen Bildern anfertigen ließ, berechnete Holger Saupe die Originalgröße der Bilder, stützte sich dabei zusätzlich auf Größenangaben des Künstlers, auf vergleichbare Fotos und die Abmaße von Dix‘ Staffeleien.
 Die Arbeit der Museologen und Kunsthistoriker zu den unauffindbaren Werken bot spannendes Forschungspotential. Neben dem Durchforsten von Werkverzeichnissen wurden auch die Korrespondenzen des Künstlers und aussagekräftige Dokumente auf Hinweise abgeklopft. So stieß man anhand einer Postkarte von Dix an seine Eltern auf ein „Barrikade“ betiteltes Gemälde, dass noch nie ausgestellt wurde. In Gera bekommt man nun einen Eindruck des monumentalen Werkes.
 Die in der Ausstellung gezeigten verschollenen Arbeiten entfalten ihre Wirkung auf den Betrachter nicht allein ihrer beachtlichen Größe wegen. Auch die Art und Weise der Präsentation ist neu. In Lichtkästen werden die Abbildungen hinterleuchtet. Sobald das Licht aus geht, sind auch die Bilder (wieder) verschwunden und erinnern so an ihre Unwiederbringlichkeit. Die Bilder hat man in Schwarz-Weiß belassen, da jede Reproduzierung der Farben Spekulation bleiben müsste. Auch so büßen sie nichts von ihrer Wirkung ein - und beweisen die außerordentliche Bedeutung von Otto Dix‘ unmittelbarer und schonungsloser Kunst. „Die Otto-Dix-Stiftung Vaduz war sehr angetan und das Kunstmuseum Stuttgart möchte sich für eine eigene Ausstellung einige hier gezeigten Bilder ausleihen“, freut sich Holger Saupe über die Beachtung der Schau in der überregionalen Kunstszene.
 Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März jeweils Dienstag bis Sonntag und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Samstags und Sonntags gibt es jeweils um 14 Uhr öffentliche Besucherführungen.

( Christine Schimmel )

( Administrator, 09.02.2012 )

zurück