Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Eine alte Dame wird 100

Am 1. Oktober 1910 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau der Zwötzener Schule. Architekten waren die Gebrüder Kießling aus Kötzschenbroda bei Dresden. Bereits ein Jahr später, am 30. Oktober 1911, wurde Einweihung gefeiert, Schüler und Lehrer ergriffen Besitz von dem als Volksschule konzipierten verputzten Ziegelbau.
Dabei handelt es sich um einen Schulbau mit Nebengebäuden und eingefriedeten Pausenhof. Sie ist eine Eckbebauung mit vorgelagerter Freifläche, die sich über drei Geschosse und eine ausgebaute Mansarde erstreckt. Der L-förmige Bau wurde unter Mansarddach mit Zwerchhaus und Dachaufsatz, die Fassaden mit Jugendstildekor konzipiert. Die Innenausstattung erfolgte mit Plastik, Reliefs und Brunnen. Auch der Anbau der Hausmeisterwohnung verfügt über eine Fassade mit Jugendstildekoration. Die Turnhalle wurde in analoger Gestaltung ausgeführt und hat hohe Fenster und einen kappellenartigen polygonalen überdachten Anbau.
Im Verlauf der seither vergangenen 100 Jahre nagte der Zahn der Zeit an der Bausubstanz. Dank des vom Stadtrat der Otto-Dix-Stadt beschlossenen Schulsanierungsprogramms, basierend auf Mittel des Konjunkturpaketes II, erstrahl die Zwötzener Schule heute wieder in ihrem ursprünglichen Glanz und ist vor allem durch ihre hellen Außenputz, der nach historischem Vorbild erneuert wurde, schon weithin sichtbar. Ausgewechselt wurden auch die Fenster, wobei auch hier als Vorlage die Originalfenster dienten. Überhaupt mussten und wurden bei den Sanierungsarbeiten am gesamten Gebäude die denkmalpflegerischen Aspekte bedacht.
Offizieller Start für die Sanierung der Zwötzener Schule war der 15. Oktober 2010. Der Wertumfang war mit insgesamt 3,1 Millionen Euro angesetzt, davon 2,9 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Das Ende der Sanierung war für den Beginn des Schuljahres 2011/12 anvisiert, denn im Oktober 2011 sollte das 100-jährige Schuljubiläum im neugestalteten Ambiente feierlich begangen werden. So liefen gerade in den letzten Monaten die Bauarbeiten auf Hochtouren, um den Zeitplan der Sanierung fristgerecht einzuhalten.
So wurden seit den Winterferien unter anderem Bodenbeläge verlegt, die Wände gemalert, im Keller eine neue Heizanlage eingebaut, die Heizkörper im gesamten Haus gewechselt, die Sanitäreinrichtungen komplett erneuert, das Gebäude trockengelegt, das Dach neu gedeckt und Wärmedämmmaßnahmen im Dach und an der Fassade vorgenommen.
Ein wirkliches Schmuckstück ist die Hauseingangstür. Während der Vorbereitungen wurde zufällig festgestellt, dass sie ursprünglich mit Schablonenmalerei verziert war. Die farbigen Ornamente wurden freigelegt und mit der Sanierung der Tür erneuert.
Die Sanierungsarbeiten erfolgten bei laufendem Unterricht und Hortbetrieb, was nicht nur für die Nutzer der Schule, sondern auch für die am Bau beteiligten Unternehmen zu einer echten Herausforderung wurde. Denn ohne Lärm, Dreck und Staub ging da nichts, auch wenn es im Vorfeld klare Absprachen gab. So wurde vereinbart, dass das Material erst nach Beginn der ersten Stunde angeliefert wird. Die Sicherheit der Schüler stand übrigens immer an erster Stelle. Bauzäune und Schutzdächer sorgten für ihre Sicherheit. Während des Unterrichts waren lärm- und schmutzintensive Arbeiten untersagt. Schulleiter, Lehrer, Elternsprecher, Eltern und Schüler wurden regelmäßig über das Baugeschehen informiert und auch Belehrungen der Schüler über das richtige Verhalten während der Baumaßnahmen hatte oberste Priorität.
Doch auch diese Herausforderung überstand die Zwötzener Bildungseinrichtung mit Bravour, wie zuvor auch die Stürme der Zeit, wie ihre wechselhafte Historie zeigt. Während des Krieges, sie trug damals den Namen "Schemm-Schule", wurde die Schule als Lazarett genutzt. Mit Kriegsende wurde sie für zehn Wochen zum Quartier für die amerikanische Armee. Danach zog wieder das Lernen in das Gemäuer ein. Seit 1951 trug sie den Namen "Kurt Keicher" und erhielt in dem Reigen der sich bildenden Polytechnischen Oberschule in Gera die Nr. 1. Mit der Einführung der neuen Schulstruktur im August 1991 galt sie als 8. Regelschule und seit dem 90-jährigen Schuljubiläum nennt sie sich "Zwötzener Schule". Ab September 2005 lernten dann Grund- und Regelschüler unter einem Dach. Seit der Schließung der Regelschule mit Beendigung des Schuljahres 2007/08 haben nun die Grundschüler alleinig Besitz von der 100-jährigen "Alten Dame" ergriffen. Bereits im Zeitraum von 1999 und 2005 gab es unter anderem Brandschutzmaßnahmen, wurde die Sporthalle saniert, das Untergeschoss umgebaut und teilsaniert sowie die Werkräume erneuert. Damals flossen bereits über 1,5 Millionen Euro in das Schulgebäude.
Auch wenn die Bauleute noch nicht ganz das Feld geräumt haben, jetzt wird erst einmal das 100-jährige Schuljubiläum gefeiert. Vom 6. bis 8. Oktober sind die Türen der Schule weit geöffnet und die Besucher erwartet ein reichhaltiges Programm.

( Reinhard Schulze, 06.10.2011 )

zurück