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Ist Bio drin, wo Bio draufsteht?

Als Konsument hat man es wahrlich nicht leicht, sich im Dschungel der Werbebotschaften, Qualitätskennzeichen und Gütesiegel zurechtzufinden. Hübsche Bilder von glücklichen Kühen, Schweinen oder Hühnern auf der grünen Wiese weisen vermeintlich auf "glückliches" Fleisch hin. Nicht anders verhält es sich mit pflanzlichen Produkten. Ist aber Bio drin, wo Bio drauf steht?
Im Geraer Vorort Aga steht Europas modernstes Bio-Gewächshaus. Dort werden Gurken und Tomaten angebaut, die die Bezeichnung tragen: "aus biologischem (ökologischen) Anbau (Landbau)" oder "aus biologischer (ökologischer) Landwirtschaft". Ob der Verbraucher, der Produkte der Marke "Bio-Hof Aga", kauft auch wirklich sicher sein kann, dass es sich dabei um Bio-Produkte handelt, sprach "Neues Gera" mit der Gartenbauingenieurin (FH) und Betriebsleiterin des Bio-Hof Aga, Carolin Ullrich.

Sie garantieren, dass der Verbraucher sicher sein kann, dass bei den Produkten aus dem Bio-Gewächshaus Aga, wo Bio draufsteht, auch Bio drin ist. Wodurch wollen Sie diese Sicherheit gegenüber dem Käufer gewährleisten?
Der Bioanbau wird in Deutschland sehr stark kontrolliert. Einerseits durch eine unabhängige Kontrollstelle, andererseits vom Land, vom Bund und von der EU. So sind keine Lücken möglich, da jedes Institut prüft. Zum anderen ist mein eigener Anspruch an die Produkte hoch, so dass ich nur essen möchte was gut schmeckt, nachhaltig hergestellt und biologisch einwandfrei ist.
Das "Herzstück" im Bio-Gewächshaus ist die Bio-Gasanlage zur Wärmeversorgung. Welche Vorteile bietet die Bio-Gasanlage und wie funktioniert sie?
Die Biogasanlage produziert in erster Linie grünen Strom, dabei fällt für das Gewächshaus günstig Wärme ab. Oftmals wird die Wärme nur in geringen Mengen genutzt und ist ein Abfallprodukt. Wir nutzen diese Wärme um Gurken und Tomaten zu produzieren.
Eine Biogasanlage funktioniert wie ein großer Kuhmagen. Bakterien setzten organische Masse, in diesem Fall Mais und Hühnerkot, um und erzeugen Methangas. Dieses wiederum wird in einem Motor verbrannt. Der Motor erzeugt Strom und wird dabei warm. Der Strom wird in das Stromnetz eingespeist und die Wärme heizt das Gewächshaus.

Gegenwärtig wird viel über eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes gesprochen. Pflanzen brauchen aber zum Wachstum Kohlendioxid. Wie lösen sie diesen "Gordischen Knoten"?
In dem neuen Gewächshaus in Aga wird CO2 zugeführt, damit die Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen haben. Dieses CO2 wird dann in der Pflanze gebunden und entweicht nicht in die Atmosphäre.
Sie setzten im Bio-Gewächshaus aber nicht nur auf die Kräfte der Natur. Wie werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung geregelt?
Im Gewächshaus befinden sich Geräte, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den CO2-Gehalt messen. Außerhalb des Gewächshauses ist eine Wetterstation. Die Daten der beiden Messeinheiten werden in einem Computer verarbeitet, der dann die Lüftung, die Heizung, die Wasserzufuhr und Schattierung steuert. In diesem Klimacomputer müssen im Vorfeld natürlich die Parameter eingestellt werden.

Welchen Vorteil bringt der Einsatz von Erdhummeln zur Bestäubung und was geschieht danach mit ihnen?
Erdhummeln müssen in bestimmen Kulturen eingesetzt werden, damit die Blüte befruchtet wird. Geschieht dies nicht, werden keine Samen in den Früchten gebildet und die Tomaten können nicht verkauft werden, da sie viel kleiner bleiben und nicht schmecken. Bei der Gurke hingegen ist der Einsatz von Hummeln nicht nötig. Die Tiere haben eine Lebensdauer von ca. 8 Wochen und sterben dann eines natürlichen Todes.

Sie sprachen davon, dass Schädlinge mit Nützlingen bekämpft werden. Wie muss man sich das vorstellen?
Die Natur ist von je her so eingerichtet, dass es für jeden Schädling einen Nützling gibt. Wir machen uns diesen Umstand zu Nutze und kaufen Nützlinge ein, die dann die Schädlinge fressen. Es entsteht ein Gleichgewicht und die Pflanzen werden nicht befallen. Auf diese Weise brauchen wir keine Pflanzenschutzmittel.

Worauf wurde beim Bau des Bio-Gewächshauses noch besonders Wert gelegt?
Das Gewächshaus ist aus mehren Gründen das modernste Europas. Zum einen die energiesparende Bauweise und das nachhaltige Konzept. Beispielsweise wird auch das gesamte Regenwasser aufgefangen und wieder zum Gießen benutzt. Ein wichtiger Aspekt ist, dass in diesem Gewächshaus 42 geistig Behinderte und psychisch Kranke der Lebenshilfe Gera Arbeit finden werden. Um diesen besonderen Anforderungen an diese Leute gerecht zu werden wurde das Gewächshaus speziell ausgestattet. Sicherheitsglas auf dem Dach, verbreiterte Wege und Erntewagen, sowie eine großzügig angelegte Verpackungshalle mit Fußbodenheizung sind nur einige Dinge auf die besonders Wert gelegt wurde.

( Reinhard Schulze, 19.05.2011 )

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