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Weiterer Beitrag zu den Auswirkungen der Gesundheitsreform

Die jetzt wirksamen Zuzahlungen für Medikamente bringen die Kunden gegen die Apotheken auf. Fließen diese Gelder in Ihre Tasche?
Keineswegs. Wir sind gesetzlich verpflichtet, die erhöhten Zuzahlungen von unseren Kunden zu erheben und in voller Höhe mit den Krankenkassen zu verrechnen. Die Zuzahlungen erhöhen also nicht das Einkommen der Apotheken, sondern dienen ausschließlich dazu, die Ausgaben der Krankenkassen zu senken. Im Gegenteil: Wir haben sogar höhere Kosten, denn wir brauchen eine neue teure Software und ein modernes Kassensystem.
Ab sofort ist nicht mehr die Packungsgröße entscheidend, sondern der Arzneimittelpreis. Der Eigenanteil des Kunden liegt generell bei 10 Prozent des Preises, mindestens jedoch bei 5 Euro. Der Höchstbetrag für die Zuzahlung wurde auf 10 Euro festgelegt. Für bestimmte Personengruppen, z.B. Sozialhilfeempfänger, entfällt die bisherige pauschale Befreiung von Zuzahlungen. Hier müssen wir Apotheker uns Kritik anhören für eine Regelung, für die wir nichts können.

Die Neuregelung der Arzneimittelpreise, die teure Präparate billiger macht, müßten sie doch begrüßen. Sie aber sprechen von einer Belastung der Apotheken. Wie das?
Das griechische Wort "Apotheke" bedeutet soviel wie Vorratslager. In der Tat: Wir haben etwa 5000 Arzneimittel vorrätig. Bei den meisten der 31 Apotheken Geras ist das kaum anders. Durch die Neuregelung soll die Vergütung der Apotheken weitgehend vom Arzneimittelpreis abgekopplt werden. Durch das sogenannte Kombi-Modell werden niedrigpreisige Medikamente teurer, mittel- und höherpreisige Medikamente dafür deutlich billiger. Das senkt die Kosten bei den Kassen.
Der Pferdefuß jedoch: Die Erträge der Apotheken sinken, da bisher der größte Umsatz mit Medikamenten im oberen Preissegment erzielt wurde. Hinzu kommt: Die bisher den Apotheken gewährten Einkaufsrabatte werden gegen Null gehen.

Die Krankenkassen wollen eine Reihe Medikamente nicht mehr erstatten. Richtig oder falsch?
Bedenklich ist, dass nicht verschreibungspflichtige Medikamente nicht mehr erstattet werden (Ausnahme: schwerwiegende Er-krankungen). Damit wird so mancher Patient finanziell stärker als bisher belastet.
Auch freiverkäufliche Medikamente sind wirksam und oftmals ohne Alternative. Jetzt besteht die Gefahr, dass Patienten aus finanziellen Gründen notwendige Präparate nicht mehr kaufen. Damit wird künftig weniger getan, um Krankheiten zu vermeiden.

Was halten Sie von der Aufhebung des Verbots für den Versandhandel von Medikamenten?
Eine bedenkliche Regelung. Das Risiko für die Arzneimittelsicherheit ist groß. Übers Internet bestellte Medikamente brauchen länger bis zum Kunden. Die Apotheke sichert Rundumversorgung und stellt viel schneller zu. Bei der Online-Bestellung fehlt zudem der Dialog mit dem Patienten, um Zweifelsfragen auszuschließen. Ganz abgesehen von unklaren Haftungsregelungen, falscher Lagerung oder gar gefälschten Medikamenten. Und der Versandhandel ist oftmals auch teurer als in den öffentlichen Apotheken.

Ihre Apotheke hat für ihre Qualitätsarbeit ein Zertifikat errungen. Stolz darauf?
Aber sicher. Denn wir sind in Gera die erste Apotheke, die das von der Thüringer Landesapothekenkammer verliehene Qualitätssiegel erhielt. Es würdigt das erfolgreiche Streben unserer acht Mitarbeiter nach kundenorientiertem Service und freundlicher Beratung. Es macht uns Mut, dass mit der Gesundheitsreform sowohl die Eigenverantwortung des Patienten für seine Gesunderhaltung gefördert wird als auch unsere Kompetenz als Fachleute und Dienstleister für Arzneimittel stärker als bisher gefragt ist.

( (Das Gespräch führte Harald Baumann), 06.02.2004 )

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