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Eine Vision wird Wirklichkeit

"Eine Vision, zu schön um Wahr zu sein", erinnert sich Bernd Koob, 1. Vorsitzender der Ortsvereinigung Lebenshilfe Gera Stadt/Land e.V. "Es war der 3. Dezember 2008, Weihnachtsmarkt des Heimatvereins Aga, als mich Carolin Ullrich bei Seite nahm und mir von der Idee eines Bio-Gewächshauses erzählte." Wenn Bernd Koob heute darüber spricht, fühlt man sich an ein Zitat aus Goethes Faust erinnert: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. So ging es nicht nur ihn. Auch als er die Idee im Vorstand der Ortsvereinigung vortrug, war man zwischen Begeisterung und Zweifel hin und her gerissen. "Faszinierend an Carolin Ullrich war, dass sie ihre Vorstellungen so detailliert vortrug, dass man letztlich dann doch das Gefühl hatte, das muss einfach gelingen." Sein Gefühl hatte Bernd Koob nicht getäuscht.
Gut eineinhalb Jahre lagen zwischen Idee, Planung, Projektion, Genehmigungsverfahren, Beschaffung der finanziellen Mittel und Spatenstich, bis im Juli 2010 die Bagger in Aga anrollten. Trotz widriger Witterungsbedingungen wie Dauerregen und der frühzeitige Wintereinbruch, wodurch der Bauhergang zum Teil erheblich beeinträchtigt wurde, wird die Gesamtanlage am 10. Mai in Betrieb gehen. Am 6. Mai erfolgt die offizielle Schlüsselübergabe und am 7. Mai der Tag der offenen Tür mit Besichtigung und Führung durch die Gesamtanlage. Mitte Mai werden 7.750 Gurkenpflanzen und ab Juni ebensoviel Bio-Tomatenpflanzen gesetzt.
In einer Bauzeit von knapp einem Jahr ist ein 95 Meter breites, 120 Meter langes und 6,50 Meter hohes Bio-Gewächshaus auf der grünen Wiese entstanden. Gebaut wurde es von der holländischen Firma Gacon. Bei den weiter am Bau Beteiligten handelt es sich um Unternehmen aus der Region. Über 10.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden. Die Investition beläuft sich auf 2,6 Millionen Euro für das Bio-Gewächshaus und weitere 2 Millionen Euro für die Biogasanlage.
Ein ähnliches Projekt steht in Nürnberg und doch ist in Aga alles anders, was eben das Bio-Gewächshaus zum modernsten in Europa und zu einem Leuchtturm in der Behindertenarbeit macht.
Für die studierte Gartenbauingenieurin Carolin Ullrich ist biologische Gemüseanbau eine Wissenschaft. Wenn sie über das Bio-Gewächshaus spricht, dann spürt man nicht nur fachliche Kompetenz sondern ebenso Leidenschaft, die den Zuhörer förmlich mitreist, wie auch die Freude an der Zusammenarbeit mit behinderten Menschen.
Was macht nun die Einmaligkeit dieses Bio-Gewächshauses aus? Da sind zum einen die Stehwände der Anlage in Wärme sparender Polycarbonatsausführung, die voll automatisierte und computergesteuerte Klimaführung und Wasserversorgung der Pflanzen, die Grundlastspeisung der Heizung über eine Biogasanlage, der Einsatz von ausschließlich chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel sowie Wachstumsförderer und Mineralien. Die Bestäubung der Blüten übernehmen Erdhummeln. Schädlinge werden mit Nützlingen bekämpft, so frisst die Larve des 7-Punkt-Marienkäferrs viele Blattläuse.
Ein Klimacomputer sorgt für optimale Bedingungen. So gedeihen Tomaten am besten bei 17 bis 27 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Je nach Bedarf wird automatisch gelüftet, was auch partiell erfolgen kann oder es schaltet sich eine Sprühanlage ein. Einmalig ist auch, dass Pflanzung, Pflege und Ernte der Bioprodukte durch behinderte Menschen erfolgt.
Was die Vermarktung der Anlage angeht, zeigt sich Bernd Koob zuversichtlich und setzt dabei auch auf regionale Abnehmer: "Bio ist längst keine Nische mehr, sondern ein Markt mit großer und stetig wachsenden Nachfrage." 42 behinderte Menschen erhalten so eine vollwertige und anerkannte Arbeit.
Zum Tag der offenen Tür, am Sonnabend, 7. Mai, können sich die Besucher selbst ein Bild vom Bio-Gewächshaus in Aga machen und sich über die Erzeugung von Gemüse ohne chemische Keule informieren.

( Reinhard Schulze, 28.04.2011 )

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