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Posthumus-Sarg bildet den Mittelpunkt

Fast zwei Jahre beschäftigte sich Heinrich Posthumus Reuß (1572 - 1635) mit der Gestaltung seines Sarges. Er wählte Bibeltexte und Gesangbuchverse aus, die den Sarkophag zieren sollten, und er beauftragte den bedeutendsten Musiker jener Zeit, Heinrich Schütz (1585 - 1672), die Musik für die Trauerfeierlichkeiten zu komponieren. Dessen "Musikalische Excequien" zählen zu den Hauptwerken protestantischer Trauermusik. Ein Bild über die protestantische Begräbniskultur können sich bis zum 25. April Besucher der Ausstellung "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" im Stadtmuseum Gera machen. Dabei steht der Prunksarg von Heinrich Posthumus Reuß im Mittelpunkt und wird damit seit langer Zeit wieder einmal der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Der Sarg, eine Leihgabe der Erben des Fürstenhauses Reuß, wird sonst in der alten Feierhalle des Ostfriedhofes aufbewahrt, die jedoch keine Besichtigung zulässt. Auf NG-Nachfrage betonte die Museumsleiterin Ute Heckmann, dass die Stadt im Sinne des Hauses Reuß nach einem Ort sucht, an dem das einzigartige Kulturdenkmal in angemessener Weise präsentiert werden kann .Der Prunksarg habe nicht nur eine Bedeutung für die Stadt Gera, sondern für die gesamte Kunst-, Kultur- und Kirchengeschichte, denn er gehöre zu den ersten, die die Veränderungen in der Begräbnispraxis und Friedhofskultur nach der Reformation durch Martin Luther widerspiegle, wusste sie.
Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Museum für Sepulkralkultur Kassel entstanden. Sie zeigt insgesamt 110 Exponate, davon haben rund 30 Objekte einen direkten Bezug zu unserer Stadt. Dazu gehören zum Beispiel die Grabplatte von Nicolaus de Smit, der 1623 in Gera verstorben ist, die Silberskulptur Christus am Kreuz von 1641 aus der 1780 zerstörten Johanniskirche oder eine Grafik von 1670, die den Leichenzug Heinrich II., Sohn von Heinrich Posthumus, von Schloß Osterstein zur alten Johanniskirche darstellt. "Da das Blatt insgesamt drei Meter lang ist, werden wir stets eine andere Ansicht aufrollen", erläuterte Ute Heckmann.
Wenn auch der Prunksarg von Heinrich Posthumus einen bedeutenden Platz in der Schau einnimmt, so erfährt der Besucher doch viele Einzelheiten über den Umgang mit Tod und Sterben und deren Wandlung in der Frühen Neuzeit. "In dieser Hinsicht hat sich ein Großteil unseres heutigen Gedankengutes und viele, vor allem im protestantischen Raum tradierten Normen und Verhaltensweisen erst infolge der Reformation herausgebildet", stellte die Museumsleiterin fest. Der Mensch sei in den Mittelpunkt der Begräbnisfeier und der Erinnerung gerückt. Wurden zuvor die Verstorbenen in Tücher gewickelt, erfolgte nun die Bestattung in Holzsärgen, die je nach Vermögensstand aufwändig gestaltet wurden. Leichenpredigten, die mehrere Seiten lang waren und sogar gedruckt wurden, erhielten eine Bedeutung.
Davon habe das Stadtmuseum etliche im Besitz. Sie würden oftmals zu wissenschaftlichen Untersuchungen auswärtiger Historiker herangezogen, deutete Ute Heckmann auf die Wichtigkeit des Bestandes, wovon einiges in Vitrinen zu sehen ist.

( Helga Schubert, 17.02.2011 )

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