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Gegen Verharmlosen und Vergessen

Der Verein "Gedenkstätte Amthordurchgang" wird im November fünf Jahre alt. "Der "Amthordurchgang", der Name einer Straße im Stadtkern Geras war für viele Menschen Synonym für Polizei, Haft und politische Willkür. Unser Verein will mit der Errichtung einer Gedenk- und Begegnungsstätte im Torhaus der ehemaligen politischen Haftanstalt und anderen Projekten Raum schaffen, um die Geschichte politischer Strafjustiz zu dokumentieren, die tatsächlichen Geschehnisse darzustellen, zu diskutieren, an die Opfer politischer Gewaltherrschaft vor und nach 1945 zu erinnern, zu gedenken und in das öffentliche Bewusstsein zu rücken," beschreibt der Verein sein Anliegen auf seiner Internetseite. Vor allem konzentriert er seine Arbeit auf diese Gedenkstätte, hat eine Reihe von Publikationen veröffentlicht und Diskussionsrunden organisiert.
Der Aufbau der Gedenkstätte war ein steiniger Weg. Ursprünglich sollte nach der Wende das Gefängnis-Gebäude komplett abgerissen werden und Platz für ein neues Justizzentrum schaffen. Dagegen gab es heftige Proteste, sogar eine kurzzeitig Besetzung. All das führte zumindest zu einem Teilerfolg: Vor dem Abriss gerettet werden konnte das ehemalige Verwaltungsgebäude im Eingangsbereich der Haftanstalt, das so genannte Torhaus. Über 22.000 Besucher konnten in den zurückliegenden fünf Jahren hier begrüßt werden.
Das kleine Vereinsjubiläum wurde im benachbarten Gerichtsgebäude gefeiert. Der historische Schwurgerichtssaal war zu DDR-Zeiten Sitzungssaal des für Stasi-Angelegenheiten zuständigen 1a-Senates. "Ein Glücksfall für Gera und die Justiz, weil man hier sehr deutlich machen kann, dass die Justiz in der DDR ein Instrument der Willkür und der Partei war, während heute Richter an keinerlei Weisungen gebunden sind," meinte Landgerichtspräsident Peter Granderath zu Beginn der Feierstunde. Er begrüßte es nachdrücklich, dass der Verein nicht nur einen Beitrag zur DDR-Geschichte leistet, sondern sich auch der Zeit des Nationalsozialismus widmet. Gedenken und Forschung seien hier konkret an den Opfern festgemacht. Granderath bezeichnete die Beschäftigung mit der DDR als ein schwieriges Anliegen und bedauerte, dass die Kinder zu wenig über die DDR erfahren. Das Wenige sei zudem manchmal sogar noch leicht nostalgisch.
Diesen Gedanken griff auch Thüringens Sozialministerin Heike Taubert auf: "Die Verklärung der DDR-Geschichte kommt in Mode." Deshalb sei es zu begrüßen, dass der Verein seinen Beitrag geleistet, dass ins Gedächtnis zurückgerufen wird, was von Vergessen bedroht war. Das hätten die Vereinsmitglieder durch "Sturheit und Stehvermögen" glücklicherweise erreicht. Auch sie würdigte die Anstrengungen im Torhaus, die Geschichte des Gefängnisses von der Gestapo der Nazizeit über den Geheimdienst der Russen bis zum Staatssicherheitsdienst der DDR darzustellen und aufzuarbeiten. Julia Batz, eine junge Geschichtsstudentin der Friedrich-Schiller-Universität Jena berichtete über ein Praktikum, das sie im "Torhaus" absolviert hatte. In der Schule und sogar beim Studium hatte sie das Gefühl, dass die DDR-Geschichte in der Lehrtätigkeit zu kurz kommt. Deshalb war sie besonders beeindruckt von den umfassenden Projekten der Gedenkstätte, von den Einzelschicksalen, was Menschen in den Mauern der Haftanstalt erleben und erleiden mussten.
Festredner der kleinen Jubiläumsfeier war Joachim Gauck, Vorsitzender der Vereinigung gegen das Vergessen und für Demokratie und langjähriger früherer Chef der Stasi-Unterlagen-Bundesbehörde. Die Nazis hätten zwölf Jahre lang ihr unmenschliches System am Leben halten können, die rund 90.000 hauptamtlichen sowie 150.000 inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR runde 40 Jahre. Deshalb mahnte Gauck, sich nicht mit der Meinung der "Normalnostalgiker", abzufinden, die früher nicht viel von Diktatur und Unrechtsstaat gemerkt hätten und heute nach der Devise verfahren: "Wenn wir uns schon erinnern, dann soll es nicht weh tun." Man dürfe dieser Art der Nostalgie einfach nicht dulden. Daher müsse es solche Denkmale wie das "Torhaus" in Gera geben, eine Erinnerung an Versagen, Schuld und Unrecht.
In diesem Zusammenhang riet der Redner dem Verein, sich angesichts der schwierigen Finanzsituation weitere Unterstützer zu suchen, so u.a. die Landeszentrale für politische Bildung, die Stasi-Unterlagenbehörde, Stiftungen, Gewerkschaften und das Landgericht, dessen Präsident in seiner Rede bereits eine Zusage gegeben hatte. "Wenn man sich nur vom Staat abhängig macht, dann sind Sie jetzt schon tot," so Gauck.
Das Torhaus mit seiner neu gestalteten Ausstellung hat Di, Do und Sa 14-18 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

( Reinhard Schubert, 26.11.2010 )

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