Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Eine Glockenzier für die Ewigkeit

"So etwas macht man nur einmal im Leben" ist Erik Buchholz überzeugt. Er ist der Künstler, der die drei neuen Glocken der Johanniskirche verziert hat. Und ein wenig habe er Angst vor dieser Arbeit gehabt, sei sie doch für die Ewigkeit, denn während Stahlgussglocken nur etwa 80 Jahre halten, können die bronzenen Glocken, die in Maria Laach für das Geraer Gotteshaus gegossen wurden, 500 Jahre und mehr läuten. Aber es ist auch Ehrfurcht, die Erik Buchholz vor dieser Aufgabe hatte. Und er erinnert sich an seine Kindheit, als im September 1980 die Glocken in der Stadt läuteten und an den großen Stadtbrand vor 200 Jahren erinnerten. Das habe ihn sehr bewegt und auch ein Besuch im Schreiberschen Haus, dass damals vor 200 Jahren als einziges kein Opfer des Flammenmeeres wurde. Hier prägte sich ein Bild der Malerfamilie Fischer ein: ein helles Winterbild vom Johannisplatz mit der Kirchenruine. "Das war für mich Alt-Gera, das hätte ich zurückholen wollen, die Klarheit des Tages und die erhabene Melancholie der Ruine", sagt er heute, 30 Jahre später.
Für Pfarrer Sebastian Kircheis und die Kirchenratsmitglieder kam für die Gestaltung der Glockenzier nur Erik Buchholz in Frage. "Bei ihm treffen künstlerische Fähigkeit und Glaubensbekenntnis zusammen", beschreibt der Pfarrer den Künstler. Für seine Arbeit wählte er neben Symbolen wie das Kreuz oder Hände drei Bibelstellen aus dem Johannisevangelium "Ich bin der gute Hirte", Ich bin das Licht der Welt" und "Ich bin der Anfang und das Ende". "Die Bilder, als solche sehe ich die Zier, entwickeln sich aus den Bibelstellen und sollen die existierende Motive christlicher Kunst erweitern", erklärt Erik Buchholz seine Motivation. In der Glockengießerei der Benediktinerabtei Maria Laach ließ er sich von Bruder Michael beraten. Aus einem Klumpen Wachs, den er dort bekam und auf einer Glasplatte ausbreitete, modellierte er seine Idee. Die Wachsplatte wird dann auf die Lehmgussform aufgebracht und bildet einen Abdruck. Erst dann wird die Form in die Glockengrube versenkt, und der Guss kann beginnen. - Ein komplizierter Vorgang,doch nach drei Tagen war alles getan. "Es ging schneller als ich dachte", verrät der Künstler.
Zur Glockenweihe am Sonnabend, 18. September, werden die Geraer die Gelegenheit erhalten, die neuen Glocken von St. Johannis zum ersten Mal und vielleicht auch zum letzten Mal aus nächster Nähe zu sehen, denn wenn sie erst im Glockenturm hängen, wird es schwierig. In der Johanniskirche läuteten 2003 zum letzten Mal die Glocken. Aus Sicherheitsgründen wurden sie abgehängt, denn auch hier waren wie in vielen anderen Kirchen im 1. Weltkrieg die Bronzeglocken eingeschmolzen worden und durch die kurzlebigen Stahlgussglocken ersetzt. Für die neuen Glocken wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, deren Schirmherrin die jetzige Landtagspräsidentin Birgit Diezel wurde. Sie wird zur Glockenweihe als Ehrengast dabei sein. Die Predigt zum Festgottesdienst hält Landesbischöfin Ilse Junkermann.
Eingestimmt auf das große Ereignis, zu dem alle Geraer und Gäste herzlich eingeladen sind, wird am Freitag, 17. September, 19.30 Uhr mit einem Konzert in der Johanniskirche. Es spielen Andreas Ebert (Falkenstein) Trompete und Martin Hesse (Gera), Orgel. Die drei Glocken, die in dieser Woche in unserer Stadt eintreffen, werden am Sonnabend ab 12.45 Uhr festlich geschmückt durch die Innenstadt gefahren. Der Umzug beginnt ab Salvatorkirche über die Große und Kleine Kirchstraße, Breitscheidstraße, Amthorstraße bis zur Johanniskirche. Nach dem Festgottesdienst erklingen ebenfalls Glocken, aber viel kleinere und in mehr Tonlagen als ihre großen Schwestern. Ab 17 Uhr gibt es ein Konzert der Handglockenchöre aus Gotha und aus Gera, wobei dieser auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken kann. Die Glockenweihe klingt am Sonntag, 19. September, 19.30 Uhr mit einem Konzert von Händels "Dettinger Te Deum" in der Johanniskirche aus. Die Ausführenden sind der Heinrich-Schütz-Chor aus Gera und das Hallesche Consort.

( Helga Schubert, 17.09.2010 )

zurück