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Gera ist Sorgenkind in Sachen Arbeitslosigkeit

Die Schere zwischen einem sich immer deutlicher abzeichnenden Fachkräfte-Mangel in der Wirtschaft und der in vielen Fällen verzweifelnden Suche von Arbeitslosen nach einem Job klafft in Gera noch weit auseinander. Besonders groß ist der Anteil von Frauen mit Kindern, die nach der Elternzeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben suchen. "So gute Chancen, wieder Arbeit zu finden, hatten wir seit 20 Jahren nicht," stellte Thüringens Ministerin für Familie, Arbeit und Gesundheit, Heike Taubert, bei der ersten Informationsberatung der Arbeitsagentur in Gera fest. Allerdings räumte sie auch ein, dass Gera wegen der fehlenden Großindustrie das größte Sorgenkind in Sachen Arbeitslosigkeit in Ostthüringen sei. Ihr Appell an die Arbeitgeber: "Haben Sie den Mut, den Menschen, die wieder arbeiten wollen, eine Chance zu bieten!"
Weit über 150 Interessenten, überwiegend junge Frauen, waren gekommen, wo Projektträger, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, die Thüringer Initiative zur Integration und Armutsbekämpfung, das Netzwerk Thüringer Frauenzentren und viele andere, Hilfe bei der Suche nach einem beruflichen Neustart anboten.
Stefan Scholz, Mitglied der Geschäftsführung der Geraer Arbeitsagentur, konnte zwar berichten, dass es in der Stadt Gera 2.260 Arbeitslose weniger als im Vergleichsmonat das Vorjahres gäbe und damit die aktuelle Quote bei 10,5 Prozent liegt - in Thüringen liegt die Quote allerdings mit 9,6 Prozent unter der magischen 10-Prozent-Hürde. Natürlich, so Scholz weiter, stecken hinter jeder Zahl Menschen mit ihrem Schicksal. So kann man sich nicht damit abfinden, das die Arbeitslosenquote im Landkreis Greiz und im Saale-Orla-Kreis wesentlich niedriger liegt.
Sorgen macht auch die demoskopische Entwicklung. Der Anteil der jugendlichen Bevölkerung liegt in Gera gegenwärtig bei rund zehn Prozent und hält damit nach dem Landkreis Altenburg leider den Negativrekord in Deutschland. Die Statistik belegt ferner, dass rund vier Prozent mehr Jugendliche die Stadt verlassen als aus anderen Regionen hinzu kommen. Hinzu kommt noch eine relativ geringe Geburtenzahl, die Quoten der Abwanderung scheint sich aber weiter zu stabilisieren.
Eine gravierende Auswirkung dieser Entwicklung ist auch, das schon heute auf 100 ältere Einwohner nur 42 Jugendliche kommen. Damit ist eine Kompensierung beim Ausscheiden von älteren Menschen durch Jugendliche bereits heute nicht mehr in vollem Umfang möglich. Mit 60,9 Jahren, so der statistische Durchschnitt, beenden die Geraer ihr aktives Berufsleben. Über ein Drittel der Arbeitskräfte sind gegenwärtig schon älter als 50 Jahre, sie werden also in den nächsten zehn Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Zudem erwarten die Statistiker für die Stadt Gera in den nächsten Jahren einen Bevölkerungsrückgang von rund zehn Prozent. Das wird dazu führen, dass für die Pflegeberufe in etwa drei Jahren rund 14 Prozent mehr Arbeitskräfte benötigt werden, jede dritte Arbeitsstelle muss aus Altersgründen neu besetzt werden.
Trotz der erwähnten Probleme darf aber nicht unterschätzt werden, dass für manche Arbeitgeber das Alter der Stellenbewerber oft noch ein Hinderungsgrund für eine Neueinstellung ist. Die Arbeitsagenturen empfehlen daher auch, die zahlreichen Fördertöpfe zu nutzen, die von Leistungen des Freistaates bis zum Europäischen Sozialfond reichen. Bei einigen Berufen, z. B. in der Metallbranche oder als Montierer bestehen bereits heute gute Chancen, kurzfristig wieder in Lohn und Brot zu kommen.
Zu den nicht zu unterschätzenden Fortschritten bei der Arbeitsvermittlung gehört auch die Tatsache, dass auch im Bereich der Arbeitsagentur Gera sowie der ARGEs die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger sowie der Sozialhilfe-Bezieher deutlich zurückgegangen ist und es sogar wieder 500 offene Stellen gibt.
Mit dem neuen Beratungs- und Hilfeangebot an Wiedereinsteiger hat die Agentur auf jeden Fall ein weiteres Programm aufgelegt, das hoffentlich Wirkung zeigt. Es kann allerdings allein nicht den Ausbau der wirtschaftlichen Dynamik ersetzen.

( Reinhard Schubert, 19.08.2010 )

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