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Gute Dienste für jeden Geraer

Jubiläen werden in aller Regel zünftig gefeiert. Bei einer "Institution" unserer Stadt ist das 120-jährige Bestehen eher still über die Bühne gegangen, obwohl jeder Einwohner die breite Palette ihrer Dienste nahezu täglich in Anspruch nahm: Die "kommunale Stadtentsorgung" ist 120 Jahre alt geworden. Zwar hatte sich der Stadtrat - das belegen alte Urkunden - bereits 1478 erstmals mit der Frage beschäftigt, wie die Stadt sauber zu halten sei. 1868 wurde erstmals ein Fuhrwerk zum Einsammeln des Hausmülls eingesetzt, aber erst 1889 festgelegt, dass künftig im gesamten Stadtgebiet der Hausmüll abgefahren werden soll. Die Arbeiten begannen dann ein Jahr später, so dass 1890 als Gründungsjahr der "kommunalen Stadtentsorgung" gilt. Damals hatte Gera rund 64.000 Einwohner.
Das Profil der Stadtentsorgung hat sich im Laufe eines reichlichen Jahrhunderts naturgemäß verändert und wurde Schritt für Schritt mit neuen Dienstleistungen für Bevölkerung und Wirtschaft erweitert. Immerhin gab es bereits in den Anfangsjahren etwa 15 fest beschäftigte Arbeitskräfte, denen 15 Zugpferde, 28 Fäkalien- und sechs Aschewagen zur Verfügung standen. Autos kamen in größerem Stil erst nach dem Umzug in die Schlachthofstraße zum Einsatz. Seit 1923 hat die Stadtentsorgung hier ihren Sitz.
Die stetige Aufwärtsentwicklung wurde vor allem durch den 2. Weltkrieg unterbrochen. Nach 1945 konnte die Einrichtung dank der Improvisierungskunst seiner Mitarbeiter unter erschwerten Bedingungen ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. So erinnert sich Günter Höfer, ein gebürtiger Geraer, in seinen persönlichen Aufzeichnungen: "Mitte der 40er bis Anfang der 50er Jahre war die wichtigste und mehr oder minder einzige Aufgabe der Tischlerwerkstatt das Zurechtsägen von Hartholzklötzchen für die Holzvergaser-Fahrzeuge. Diese benötigten pro Fahrzeug und Tag mehrere Zentnersäcke Holz... Die Müllabfuhr bestand aus vier älteren Aschenwagen, die allesamt einige Jahre mit Holzvergaser fuhren. Außerdem gab es nach meiner Erinnerung ebenfalls vier ‚Gauchenwagen’, die die Fäkalien bis Anfang der 50er Jahre in die Fäkaliengrube in der Gabelung der heutigen Bundesstraße 2 und der Straße in Richtung Stadtroda brachten (An der Scheibe)". Neben Müll- und Fäkalienabfuhr, Straßen- und Kanalreinigung wurden bald auch die Bäder, die Eisbahn und die Volksküche durch die Stadtwirtschaft verwaltet. Schriftliche Aufzeichnungen oder gar eine Chronik aus den ersten DDR-Jahren gibt es kaum.
Einen wesentlichen Einschnitt bildete die Gründung des VEB (K) Stadtwirtschaft Gera im Jahre 1967. In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelte sich das kommunale Unternehmen zu einem leistungsfähigen Entsorgungsbetrieb, in der Hainstraße und der Kantstraße sowie in den Nachbarstädten Ronneburg und Weida wurden weitere Betriebsteile geschaffen. Schließlich wurde am 30. Juni 1990 die "GERAER Stadtwirtschaftsbetrieb GmbH" gegründet, deren alleiniger Gesellschafter die Stadt Gera war.
Namentlich belegen lassen sich die Leiter der Stadtwirtschaft seit 1936. Bis 1930 hatte die Fuhrleistungen für die Stadt der Magistrat verwaltet. Bis ca. 1930 war Stadtbaurat Sausse für die stadtwirtschaftlichen Belange zuständig, gefolgt von Stadtwirtschaftsoberinspektor Max Köhler (bis 1945) und Betriebsleiter Kurt Brauer (bis 1963). Ihm folgten die Betriebsdirektoren Erich Trommler (bis 1976) und Georg Krasel (bis 1990). Seit 1990 war Dr.-Ing. Ulrich Porst Geschäftsführer der GmbH. Im Jahre 2008 wurde das Unternehmen in die Firma "Geraer Umweltdienste (GUD)" von der Stadtwerke AG eingebracht.

(Mit der Entwicklung der Stadtwirtschaft in den letzten Jahren wird sich ein weiterer Beitrag befassen, dessen Grundlage ein Gespräch mit Dr. Porst bildet. Als Quelle für beide Beiträge diente u.a. die "Chronik der Geraer Stadtwirtschaft’", deren Autor neben der verstorbenen Frau Echtermayer ebenso Dr. Porst ist).

( Reinhard Schubert, 05.08.2010 )

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