Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Auf Schatzsuche in den Museumsdepots

Auf Entdeckungsreise in die Magazine des Museums für Angewandte Kunst (MAK) begaben sich Mitglieder des Fördervereins "Freunde des Ferberschen Hauses". Für sie war es wie eine Schatzsuche, denn viele der Sammelstücke hatten sie noch nie gesehen und lösten Verwunderung und mitunter Entzücken aus. Dennoch vergaßen sie ihr Anliegen nicht. Als Ausstellungskuratoren, das erste Mal in der Geschichte des 20-jährigen Hauses, durften sie die Exponate für die Ausstellung "Durchsichten - Einsichten", eine Schau aus den Beständen des Hauses aus Anlass des Jubiläums, auswählen. "Wir haben ganz bewusst gesagt, lasst doch mal den Verein schauen. Als Laien entdecken sie Dinge, die vielleicht bei uns ein Schattendasein führen und die wir aus Betriebsblindheit übersehen", erläuterte Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson das Vorhaben. Und damit hat er genau ins Schwarze getroffen, denn "was die Vereinsmitglieder herausgesucht haben, entspricht genau unserer Sammlungsintention," freute er sich.
Die Museumsgründung vor 20 Jahren war ein Glücksfall, denn meistens hat man erst eine Sammlung und gründet dann passend dazu ein Museum. "Bei uns war es umgekehrt", erinnerte sich Hans-Peter Jakobson, "wir haben mit null Bestand angefangen, hatten aber das Ferbersche Haus". Heute ist das Museum in Thüringen einmalig und auch deutschlandweit gibt es nicht allzuviele, die sich mit Gebrauchs- und Handwerkskunst des 20. Jahrhunderts und der unmittelbaren Gegenwart befasst. 21 300 Positionen aus dem grafischen Bereich, wozu auch Plakate und Verpackungen gehören, 1800 keramische Sammelstücke, 2000 Fotografien, die Brühl-Sammlung mit 1000 Objekten und zahlreiche Arbeiten aus den Bereichen Schmuck, Glas, Textil und Porzellan gehören heute zum Bestand und lagern in modernen Depoträumen. "Es ist gut, dass wir uns in unserer Sammeltätigkeit auf die Jahre ab etwa 1900 konzentriert haben und uns bestimmte Eckpunkte wie Funktionalismus, Bauhaus, Art deco und natürlich Aenne Biermann konzentriert haben", bestätigte der MAK-Chef das Konzept. Er hatte im Laufe der Jahre stets den richtigen Riecher für das Aufstöbern von wichtigen Zeitzeugen der Alltags- und angewandten Kunst und war mit detektivischen Spürsinn oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nach der Wende zum Beispiel haben die Leute viel weggeschmissen. Barbara Lechner habe ihm damals geraten, einen Aufruf zu starten. Mit Erfolg, denn viele Verpackungen, die DDR-Geschichte dokumentieren, landeten nicht in der Mülltonne, sondern im Museum.
Dann habe er gezielt nach Grafikdesign gesucht oder sei bei Ofenauflösungen in Keramikwerkstätten zur Stelle gewesen. Auch aus Schalck-Nachlässen ist einiges in das Geraer MAK gewandert. Als der Staatliche Kunsthandel aufgelöst wurde, hat er die Galerien abgeklappert und Plakate aufgekauft. "Da habe ich Schätze entdeckt, kleine Kostbarkeiten, wie handgemalte Plakate von Eberhard Dietzsch, Ellena Olsen und vielen anderen.
Die einmalig sind", schwärmte er. Schenkungen kamen hinzu "und ein paar Ankäufe sind auch jetzt noch möglich, eine Fotografie oder ein Gefäß ist eben nicht so teuer wie ein Gemälde", gibt er zu.
Die Ausstellung nun enthält von jedem etwas. Es ist eine an Farben und Formen vielfältige Gesamtschau, die Laien und Fachleute in Szene gesetzt haben. Zu finden sind Plakate, Textilkunst, Schmuck, Keramiken, Glas und Porzellan in den unterschiedlichsten Handschriften. Das sind Namen wie Heiner-Hans Körting, Ulli Wittich-Großkurth, Ute Klötzer, Winfried Wunderlich, der Altmeister der Töpferkunst Walter Gebauer oder Uta Feiler, Heng Knye, Hendrik Schink (Kahla kreativ) aus der jüngeren Design- und Kunstszene.
"Wir hoffen, dass wir das Richtige ausgewählt haben. Es war nicht einfach, aber es hat uns allen viel Spaß gemacht", verriet Dr. Gabriele Helfrich, Vorsitzende des Fördervereins. Die Sonderausstellung ist bis zum 25. April im Museum für Angewandte Kunst zu besichtigen.

( Helga Schubert, 20.02.2004 )

zurück