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Fußball-Deutschland jubelt, doch Kicker-Gera weint

Wenn die Männermannschaft des 1. FC Gera 03 am 7. August gegen SV Motor Altenburg zum ersten Heimspiel der Landesliga-Saison 2010/2011 aufläuft, wird sie viele oder ganz andere Gesichter haben als zur letzten Oberliga-Spielzeit. Wenn...! Denn Aufsichtsrat und Vorstand des vor sieben Jahren gegründeten Fusionsvereins beantragten am 2. Juli beim Amtsgericht Gera eine vorläufige, sprich: ordentliche Insolvenz. Das heißt: Es bleiben dem FC 03 knapp drei Monate Zeit, alle Dinge, Personalien und vor allem Finanzen zu klären, die weiteres Bestehen wirtschaftlich rechtfertigen.
Diese Nachrichten bestimmten die gedrückte Stimmung eines seit Dezember ’09 erstmals wieder einberufenen Pressegesprächs mit mehr als nur Tageszeitungsreportern. Zuletzt vollzogen sich Wandlungen eher im Hintergrund. Der Vorstand um den im Sommer 2009 eingesetzten Heiko Fischer war bereits zurück getreten. Der Aufsichtsrat überstand Umbildungen und tagte u.a. am 19. Mai für den Ernstfall.
Fazit: Nachdem eine Krankenkasse den Verein massiv angriff, musste man die Verteidigung hoch ziehen und die Taktik ändern. Als Libero und Helfer in der Not wurde der Altpräsident Peter Harthaus (70) vom Aufsichtsrat als Interimsvorstand reaktiviert. Er verlangte den sauberen Kassensturz; und der ergab: Die laufenden Verbindlichkeiten sind derzeit nicht zahlbar. Damit befürchtet man bei 03 mit dem Abstieg nun auch die Ausstiege mehrerer Sponsoren. Die Schraube dreht sich. In welche Richtung und wie schnell?
Fakt ist: Die Relegation gegen den Lichtenrader BC 1925 kostete, aber stellte sich per 30. Juni als wertlos heraus, weil Tennis Borussia Berlin nach Insolvenz in diese Oberligastaffel eingegliedert werden soll. Auch wenn der FC 03 vom NOFV immer noch die Einladung zur Staffeltagung auf dem Tisch hat... Mit der Form und Interessen der Vereine nehme man es dort derzeit offenbar nicht so genau, kritisierte Peter Harthaus die viel zu lange anhaltende Ungewissheit. Elf Spieler seien weggelaufen, weil man nicht recht wusste, wie soll es weiter gehen. Statt Mike Sadlo, mit dem man sich auf Handschlag als Trainer vereinbart hatte, soll Marco Weißhaupt ab 12. Juli (vorläufig) das Training der Ersten leiten.
Die 03er arbeiten nun mit Spielplänen des Thüringer Fußballverbands. Aber sie müssen in Rechnung stellen, dass die vorläufige Insolvenz unter der Verwaltung von Rechtsanwalt Bernd Krumbholz eine Art Galgenfrist darstellt. Schafft man die Sanierung in dieser Zeit nicht, gilt der FC 03 als erster Absteiger aus dem Fünfzehnerfeld der Thüringenliga. Mit laufenden Verbindlichkeiten seien die (rückständigen) Beiträge zu Kranken- und Innungskasse, Spielergehälter, Forderungen des Finanzamts usw. gemeint. Nach dem Abstieg der Frauen aus der Regionalliga und dem Rückzug der Zweiten, beliefen sich Ausgaben künftig auf etwa zehn- bis fünfzehntausend Euro monatlich. Harthaus nahm da ausdrücklich langfristige Verbindlichkeiten aus, die durch Bürgschaften untersetzt seien. Er muss es wissen. "Das Leben ist nicht nur Asphaltstraße", warf er einen Spruch ein; appellierte ans Geraer Publikum ("Mit 150 Zuschauern kann man keine Oberliga spielen") und an Fußball-Gera, das sich möglichst solidarisch zeigen solle.
Gedacht ist an eine Aktion á la 500 mal 200 Euro, um 80.000 bis 100.000 Euro operatives Geld aufzutreiben. Welche wichtigen Sponsoren bereits positive Signale setzten, führte Dr. Klaus-Peter Wattenbach für den Aufsichtsrat jedoch nicht genauer aus. Den erfolgreichen vierzehn Nachwuchs-Mannschaften stünde der Förderverein zur Seite. Die Frauen warten derzeit noch auf Unterschriften zur Spielgemeinschaft mit Wismut Gera für den Start in der Thüringenliga. Die Männer sollen ab sofort kostensparend im Zwötzener Karl-Harnisch-Sportpark spielen. Mit welchen Gesichtern? Auch das müssen die nächsten Tage zeigen.

( Thomas Triemner, 09.07.2010 )

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