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Spitzen-Schule in beklagenswerter Hülle

Am Abend des Donnerstags schlägt die Stunde der Wahrheit: Der Geraer Stadtrat wird über den Haushalt entscheiden. Sicher ist: Ganz egal in welche Ecke die dünne Finanzdecke gezogen wird, es bleiben viele berechtigte Wünsche auf der Strecke. Und dennoch müssen die Weichen gestellt werden, sonst ist der Zug für viele Vorhaben auf Jahre hinaus abgefahren. Zum Objekt Campus Rutheneum haben sich zwar alle bekannt, aber es bleiben viele Fragezeichen. Schulleiter Dr. Joachim Hensel hatte deshalb Stadträte, Elternvertreter, Lehrer, Schulleitung und Schülersprecher gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung an den Tisch gebeten. Schließlich drängt die Zeit. Ganz nüchtern eingeschätzt: Entweder die erste Etappe des Genehmigungsverfahrens wird auf den Weg gebracht, oder man kann die Angelegenheit für die nächsten Jahre vergessen. Der Schulleiter beklagte Informationsverluste über den Stand der Planung, so dass die Gesprächsteilnehmer von Fachdienstleiter Bernd Kriebitzsch mit der Ankündigung überrascht wurden, dass der Fördermittelantrag noch in dieser Woche auf den Weg nach Erfurt gebracht werde. 400.000 Euro werden gebraucht, um den städtebaulichen Wettbewerb auf den Weg zu bringen. Finanzausschuss-Vorsitzender Hans-Jörg Danneberg bestätigte, dass der Betrag im Haushalt verankert sei.
Das Goethe-Gymnasium/Rutheneum seit 1608 hatte 1991 zusätzlich zu seinem Gebäude am Johannisplatz das Haus am Nicolaiberg erhalten, in dem zu DDR-Zeiten die Kaufmännische Berufsschule untergebracht war. Damals hatte man eine "optische Sanierung" vorgenommen. Lehrkörper und Schüler konnten sich aber zu keiner Zeit an den geteilten Schulstandort gewöhnen, es war schwer, eine einheitliche Schulgemeinde zu schaffen. Der bauliche Zustand des Hauses Nicolaiberg ist katastrophal: Die Aula ist baupolizeilich gesperrt, alle unteren Räume vom Schimmel befallen, wärme- und schallisolierte Fenster fehlen, die Feuerwehr hat eine bis 2013 befristete Ausnahmegenehmigung zum Betrieb des Hauses erteilt. "Die Schüler wollen nicht in dieses Haus gehen", so Dr. Hensel. Durch die Spezialklassen für Musik, den weit über Thüringen hinaus bekannten Chor und viele anderen guten Lehr- und Lernergebnisse habe die Schule einen guten Ruf. In jedem Schuljahr kommen 50 bis 60 Internatsschüler aus den benachbarten Kreisen nach Gera. Diesen Wettbewerbsvorteil wolle man nicht verspielen.
Hans-Jörg Dannenberg, CDU-Fraktionsvorsitzender, sieht gute Chancen für die Verwirklichung des Campus-Projektes. Thüringens Bauminister Christian Carius habe die Unterstützung signalisiert. Das ist allerdings auch dringend nötig, denn das Projekt wird knapp 13,7 Millionen Euro kosten, davon rund 8,7 Millionen Fördermittel durch den Freistaat. Es bleiben also fünf Millionen, die die Stadt aufbringen und im Haushalt einstellen muss. Eine erhöhte Kreditaufnahme für diesen Zweck scheidet allerdings aus, das hat das Landesverwaltungsamt bindend festgestellt.
Wenn alles nach Plan läuft, soll folgender Zeitablauf gelten: Ende Mai wird mit dem Fördermittelbescheid aus Erfurt gerechnet, danach würde ein Planungsbüro den städtebaulichen Wettbewerb ausarbeiten, dessen Gewinner etwa im November feststehen. Knapp eine Million Euro will die Stadt im Rechnungsjahr 2011 einstellen, so dass in den Jahren 2012 bis 2014 gebaut werden könnte. Erst dann ist die Zusammenführung der beiden Schulstandorte möglich. Die Zeitschiene von drei Jahren ist zwingend. Überlegt wird noch, ob man nicht nur das alte Regierungsgebäude in die Planung einbezieht und eventuell eine Schulsporthalle baut. Eine ganze Reihe von Fragezeichen!
"Entscheidend wird sein, ob die zugesagten Fördermittel kommen", brachte es der Andreas Schubert, stellv. Fraktionsvorsitzender der LINKEN, auf den Punkt, Bildungsausschuss-Vorsitzender Prof. Thomas Weil (SPD) gab zu bedenken, dass die Stadt bei anderen Schulbaumaßnamen schon weiter sein wollte. Schließlich gäbe es im einschlägigen Stadtratsbeschluss noch die so genannte Rückfallklausel. Im Klartext: Wenn innerhalb von drei Jahren nicht die verbindliche Zusage für Fördermittel vorliegt, kann man das ganze Projekt vergessen.
Nicht unerwartet kam dann noch die Bemerkung, ob man gerade jetzt ein Sommerbad bauen müsse, wenn kein Geld da sei. Die Antwort ebenso prompt: "Wir sollten nicht Freibad, Bildung und Kultur gegeneinander ausspielen!"
Geras Stadträte haben auf ihrer Donnerstags-Sitzung nunmehr das vorerst letzte Wort. Übrigens fast auf den Tag genau 20 Jahre, nachdem sich die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung in Gera konstituiert hatte.

( Reinhard Schubert, 21.05.2010 )

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