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Handlungsbedarf für das gemeinsame Lernen

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie ist unzufrieden mit dem Bildungsstand Thüringer Schüler. Sieben bis acht Prozent der Mädchen und Jungen verlassen die Schule im Freistaat ohne Abschluss, weitere rund sieben Prozent lernen in Förderschulen. Dabei liegt der deutschlandweite Durchschnitt bei knapp der Hälfe. Das bedeutet natürlich Handlungsbedarf, so dass der Minister im ganztägigen Bildungsangebot und zum neuen Modell der Thüringer Gemeinschaftsschule einen Weg sieht, sein Ziel der erreichen, dass "eine gute Bildung der Kinder nicht von der sozialen Herkunft" abhängig sein darf. So jedenfalls formulierte der SPD-Landvorsitzende das zentrale Anliegen seiner Partei auf einer SPD-Veranstaltung in Gera, zu der Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb und der SPD-Kreisvorstand eingeladen hatten.
Das Interesse war so groß, dass für die weit über 100 Besucher der Veranstaltung im Hotel Royal zusätzliche Stühle herangeschafft werden mussten. Naturgemäß waren viele Lehrer erschienen, aber auch Elternvertreter der unterschiedlichsten Schulen, um aus berufenem Mund mehr über das Anliegen der Thüringer Gemeinschaftsschule und damit vielleicht auch über die eigene berufliche Perspektive der Pädagogen zu erfahren.
Matschies Maxime an die Pädagogen: Die Lehrer sollen den Lernprozess beleiten, anstatt ihn vorzusetzen. Lerngruppen und -projekte sollen einen individuellen Lernweg für jeden Schüler ermöglichen. Das setzt voraus, dass die personellen Voraussetzungen geschaffen werden. Neben Lehrern würden u.a. auch Sozialpädagogen und Sonderpädagogen benötigt. Wo nehmen wir die Lehrer her? Diese rhetorische Frage stellte sich der Minister und beantwortete sie gleich selbst: Die Abwanderung der Lehrkräfte in andere Bundesländer müsse gestoppt werden, der so genannte Anstellungskorridor bedürfe einer Erweitung. Das dürften die Pädagogen gern gehört haben, zumal in absehbarer Zeit ein erheblicher Teil ihrer Berufskollegen das Rentenalter erreichen wird.
Die Thüringer Gemeinschaftsschule geht im Kern davon aus, dass die Mädchen und Jungen bis zur achten Klasse gemeinsam lernen und sich dann für Übergangsmöglichkeiten zu anderen Schularten entscheiden. Bisher mussten die Weichen bereits nach der vierten Klasse erfolgen. Mit der Neuregelung würde auch die Möglichkeit geschaffen, das Abitur nach zwölf Schuljahren abzulegen, aber in freier Entscheidung könne auch noch ein weiteres Ausbildungsjahr bis zum Erlangen der Hochschulreife dazu gelegt werden.
Matschie räumte ein, dass das neue Thüringer Schulgesetz noch nicht in jedem Detail beschlossene Sache sei. Durch das dem Landtag vorliegende Kindergartengesetz würde aber schon ein wesentlicher Schritt getan. Für die Bildung der Kleinsten werden rund 1400 neue Stellen in den Kindergärten geschaffen.
Bereits im Mai sollten die Schulen ihr Interesse als Gemeinschaftsschule bekunden, in enger Zusammenarbeit von Schulleitung, Schulträger und Elternvertretung. Der Minister geht davon aus, dass die Neuregelung unabhängig von Parteigrenzen durch breiten Konsens zu erreichen sei. Man wolle keine zentrale Festlegung in Erfurt sondern eine Entscheidung vor Ort.
Die Stadt ist und bleibt für die Gebäude der Schulen und damit für ihre Sanierung verantwortlich. Gera will in den nächsten Jahren 83 bis 84 Millionen Euro in seine Schulen investieren, so Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm. Dazu sei es allerdings erforderlich, dass die Stadt weitere Unterstützung erhält, damit sie den finanziellen Eigenanteil aufbringen kann.
Im Ortsteil Aga ist man sich bereits einig, eine Gemeinschaftsschule zu gründen. Vielleicht auch deshalb, weil man sich mit dem Beschluss der Stadt Gera zur Auflösung der Agaer Schule nicht abfinden will. Matschies Satz "Ich verstehe jede Schule, die ihren Schulstandort erhalten will" machte den Agaer Hoffnung. Aber auch in diesem Fall wird nicht in Erfurt entschieden, sondern in Gera.

( Reinhard Schubert, 23.04.2010 )

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