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Experimentieren mit Raum und Form

Sie sind sich zuvor noch nie begegnet, entstammen zwei verschiedenen Welten, ihr Lebensweg verlief völlig anders. Und das liegt nicht nur am Geburtsjahr - er wurde 1927 in Göttingen geboren und sie 1950 in Dresden -, sondern auch an den Mitteln und Möglichkeiten, die Berufung zum Beruf zu machen. Beide verbindet jedoch der Mittelpunkt ihres Lebens: die Kunst. Emil Cimiotti (Jahrgang 1927) ist Bildhauer und Barbara Toch (Jahrgang 1950) ist Malerin. So unterschiedlich das Werk der Beiden auch sein möge, es zeigt doch Parallelen, nämlich die Auseinandersetzung mit Struktur und Raum und das Experimentieren mit der Abstraktion. Beiden Künstlern widmet die Kunstsammlung Gera je eine Sonderausstellung bis zum 24. Mai in der Orangerie im Küchengarten.
Für Barbara Toch, die seit 1977 in Gera lebt, ist es eine Ehrung zu ihrem 60. Geburtstag. Aber der Besucher wird keine Retrospektive vorfinden, sondern es wurden Werke der vergangenen zehn Jahre ausgewählt. "Innere Gärten" nannte die Künstlerin ihre Schau. Trotz aller Abstraktionen und Formfindungen nehme sie ihre Anregungen aus der Natur, bekannte Barbara Toch. Die Gedankenwelt von außen würde sich im Inneren niederschlagen. Die Künstlerin drückt in ihren zum Teil sehr großflächigen Werken Wachstum und Zersetzung, Bewegung und Veränderung aus. Zu ihrer Malweise bekennt die Künstlerin, dass sie sich zwar mit einer bestimmten Vorstellung an die Arbeit begebe, doch mitten im Weg, diktiere das Bild den Prozess. "Es entstehen Formen, die mich mitunter selbst überraschen und man muss vergessen, ob das jemand schön findet", lächelt die 60-Jährige.
Barbara Toch hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Sie lernte bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer. Später löste sie sich von der strengen in der DDR üblichen Motiv- und Formensprache und experimentierte mit Kontrast- und Farbwerten, mit Raum und der gewohnten Wahrnehmung des Betrachters. Die Ausstellung zeigt 41 Exponate der Malerei, Arbeiten auf Papier und Buchbinderleinen, Collagen und Faltungen. "Die Ausstellung ist wunderbar", lobt die Künstlerin, " ich selbst erhalte eine eigene klare Sicht auf mein Schaffen, was man so im Atelier nicht verspürt".
Auch Emil Cimiotti, der 82-jährige Bildhauer, ist von seiner Ausstellung im oberen Mittelteil der Orangerie sichtlich beeindruckt. Zwar könnten nicht seine großen Arbeiten (Brunnen u .a.) gezeigt werden, aber ein wesentlicher Ausschnitt seiner Arbeiten sei zu sehen. Insgesamt sind in Gera, wie überhaupt zum ersten Mal in Thüringen, 22 Plastiken aus fünf Jahrzehnten sowie 23 Werksskizzen und Zeichnungen ausgestellt. Jedes der Plastiken ist ein Unikat, denn Emil Cimiotti bedient sich einer uralten Technik des Wachsausschmelzverfahrens. Der Künstler formt sein Werk in Wachs, der dann beim Guss verloren geht. Schon in der Bronzezeit wurde dieses Verfahren verwendet. Auf diese Weise ergibt sich keine plastische Masse, sondern der Künstler öffnet den Innenraum, lässt transparente Zwischenräume erkennen und macht die Bronze durch Licht- und Farbeffekte zu einem filigranen Gebilde.
Emil Cimiotti absolvierte nach dem Krieg eine Lehre als Steinmetz, begann 1949 ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart, wechselte 1951 nach Berlin und konnte dank eines Stipendiums in Paris studieren. Hier begegnete er Namen wie Brancusi, Giacometti und Laurens. Später beendete er sein Studium in Stuttgart und erhielt 1959 ein Stipendium der Villa Massimo in Rom. Anfangs wurden seine Werke heftig zerrissen, doch bereits 1958 und 1969 wurden die außergewöhnlichen Plastiken auf der Biennale in Venedig gezeigt. Ausstellungen und Preise folgten und machten ihn zu einem Künstler von internationalem Rang.

( Helga Schubert, 08.04.2010 )

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