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Die "Nächtliche Erscheinung" verschenkt

Nein, es war keine "Nächtliche Erscheinung", die Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera, hatte. Er konnte diese Lithographie von Otto Dix mit dem Titel "Nächtliche Erscheinung II" tatsächlich für die Kunstsammlung in Besitz nehmen. Zu verdanken ist dies dem Verein der Freunde und Förderer der Kunstsammlung Gera und des Otto-Dix-Hauses, deren Mitglieder dem Werk seit etwa zwei Jahren in Interne-Auktionen auf der Spur waren. Damals lagen die Gebote bei etwa 12.000 Euro. "Bei einer Summe im vierstelligen Bereich haben wir dann zugeschlagen", freut sich Ulrich Schütt, der Vorsitzende des Vereins. Mit der Schenkung will der Verein das bürgerschaftliche Engagement voranbringen. Gerade im Hinblick auf das neue Kunsthaus eröffneten sich großartige Perspektiven für Gera als Kunststadt. "Dafür wollen wir ein Zeichen setzen", bekannte Ulrich Schütt. Außerdem stellten die städtischen Kassen immer weniger Geld für Kunstankäufe zur Verfügung. Eine andere Arbeit von Otto Dix sei ihnen schon einmal durch die Lappen gegangen, verriet der Kunstfreund. Mit seinem Gebot von 10.000 Euro war der Verein schon an seine finanzielle Schmerzgrenze gelangt, 2.000 Euro hätten noch gefehlt. Das Geld sei nicht aufzutreiben gewesen, und die Stadt hatte den Rest auch nicht beisteuern wollen.
"Bei einer Auktion muss das Geld sofort da sein, wenn nicht, ist man raus", erläutert Holger Saupe als Erfahrener in Kunstauktionen. Heute ist das Werk um das Vielfache wert - eine verpasste Chance, ein weiteres Dix-Werk in die Otto-Dix-Stadt zu bringen.
Umso größer ist die Freude, dass die Lithographie "Nächtliche Erscheinung II" der Sammlung zugeführt werden kann. Das Werk gehört ganz einfach zu Gera, denn das Original befand sich mit weiteren vier Dix-Arbeiten schon einmal im Besitz der Stadt. Sie wurden alle in den Jahren 1938/39 von den Nazis als "entartete Kunst" gemeinsam mit Werken von Kurt Günther, Erich Drechsler und anderen Geraer Künstlern be-schlagnahmt und entfernt. Die meisten Bilder sind bis heute nicht mehr auffindbar. Nicht umsonst bezeichnete Holger Saupe die Schenkung als eine Sternstunde, wofür er sich bei dem Förderverein viele Male bedankte. Zum 118. Geburtstag von Otto Dix wird es in diesen Tagen seinen Platz in seinem Geburtshaus in Untermhaus finden.
Die Lithographie "Nächtliche Erscheinung" von 1923 zeigt eine großstädtische Szenerie. Otto Dix war von Dresden nach Düsseldorf gezogen und hat hier die nächtlichen Begegnungen eingefangen. "Ein erschreckendes Antlitz zwischen Tod und Verbrauchtsein", deutete Holger Saupe das Werk, das er in die Hauptschaffensperiode des Malers einordnet. Beim näheren Hinschauen würde man zwischen den Passanten auch den Künstler selbst erkennen, als Selbstbildnis mit Hut und markantem Gesicht.
Dr. Heiner Hünicke, ebenfalls Mitglied des Fördervereins, äußerte den Wunsch, weitere Werke des großen Sohnes der Stadt an die Sammlung übergeben zu können. Ganz konkret nannte er das Gemälde "Das Gewächshaus", das zur Dix-Ausstellung "Unverblümt" während der Bundesgartenschau 2007 zu sehen war. Vorgespräche habe es schon gegeben, versicherte Holger Saupe, doch da das Werk im Privatbesitz sei, müsse man abwarten.

( Helga Schubert, 03.12.2009 )

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