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Geschichte schlaglichtartig erleben

Es gibt wenige Museen, die die gesamte Stadtgeschichte in einem Ritt darstellen. Das Stadtmuseum Gera hat dies jetzt mit dem zweiten Teil der Dauerausstellung "Rückblicke - Einblicke - Ausblicke" getan, und Museumsleiterin Ute Heckmann und ihr Team ist mit Recht stolz darauf. Es sei eine große Herausforderung, die komplette Historie zu zeigen, doch habe man sich dem 20. Jahrhundert zwar chronologisch, aber mit sechs Hauptthemen in 20 Kapiteln genähert. Das kann der Besucher nachvollziehen, zumal er der Geschichte nicht in empirischer Breite begegnet, sondern schlaglichtartig. "Das ermöglicht es uns, bestimmte Themen später mit Sonderausstellungen zu vertiefen", erklärt Ute Heckmann.
Leihgeber der informativen Ausstellung, die auf 180 Quadratmeter - die komplette Dauerausstellung beträgt 480 Quadratmeter - dargstellt wird, sind Thüringer Archive, das Geraer Stadtarchiv, aber auch zahlreiche Geraer Einwohner, die vor allem Fotos und Haushaltsgegenstände über die Kriegs- und Nachkriegsjahre retteten oder als Umsiedler Erinnerungsstücke aus ihrer Heimat aufbewahrten., wie zum Beispiel ein Kaffeegeschirr, das zu dem kargen Hab und Gut einer Familie aus Böhmen gehörte. 20.000 Ostumsiedler mussten sich nach dem 2. Weltkrieg in Gera ein neues Zuhause aufbauen. Das war ein Fünftel der damaligen Einwohnerzahl, greift die Ausstellung das Thema auf.
Der zweite Teil der Geschichtsschau beginnt mit dem Jahr 1914 und endet 2007? "Eigentlich hat die Ausstellung keinen Endpunkt", sagt die Historikerin. Die Überlegungen gingen dahin, die Geschichte fortzuschreiben, aber nicht quadratmetermäßig - dafür gibt es natürliche Grenzen - sondern im Austausch mit anderen Komplexen. Außerdem erhalten auch die Museumsgäste die Möglichkeit, ein Wörtchen mitzureden, ja sie werden geradezu aufgefordert, die Geschichte weiterzuschreiben. Wie stellen sie sich Gera in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten vor? Per Touchscreen können sie auf einem Monitor ihre Gedanken äußern und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. "Die besten Ideen und Geschichten wollen wir in unsere Quellensammlung übernehmen", versprach Heckmann.
Viel Bekanntes, was Geraer Bürger selbst noch erlebt haben oder woran sie sich erinnern können, aber auch Neues und weniger Bekanntes wird in der informativen Ausstellung vermittelt. Krücken aus Holz weisen auf die vielen Verwundeten des 1. Weltkrieges hin. Der "Wintergarten" war ein Lazarett. Es folgen die Inflationsjahre, wo ein Brot eine Billion Mark kostete. Für kurze Zeit war Gera die Hauptstadt des Volksstaates Reuß und außerdem war sie die größte Stadt Thüringens, da Erfurt ja zu Preußen gehörte. Man staunt vor einem Modell der Garenstadt Heinrichsgrün, grenzt den Nationalsozialismus mit Hakenkreuz und Judenstern nicht aus, hört eine Sirene die bei Fliegeralarm ertönte, sieht eine original Luftschutztür und hört auch einen Erlebnisbericht vom schwersten Luftangriff auf Gera am 6. April 1945. Die Kapitel streifen Schlüsselmomente der Geraer Geschichte, gehen auf die industrielle Entwicklung und herausragende sportliche wie kulturelle Ereignisse ein. Da dürfen das Rennrad des Geraer Radsportasses Olaf Ludwig nicht fehlen, der Microcomputer MC 80 des VEB Elektronik, der kleine Goldene Spatz oder der der große grüne Bugalou als jüngstes Kind unserer Geschichte. Und wer dann die Geschichte noch einmal Revue passieren lassen will, findet sogar ein Plätzchen auf einer steinernen Rundbank, die einst die Fußgängerzone in der Breitscheidstraße zierte.

( Helga Schubert, 27.11.2009 )

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