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"Erst in Gera demonstrieren - dann in Nürnberg promenieren!"

Die heutige Otto-Dix-Stadt erlebte im Herbst 89 Tage, die alles verändern sollten. So grau der Herbst auch gewöhnlich in dieser Jahreszeit ist, 1989 gab es unzählige Tage, die aus dem grau heraus zu den lichtesten Tagen werden sollten. Es waren einfache Bürger, die sich ein Herz fassten und immer zahlreicher auf die Straße gingen. Vielen unter ihnen war es wahrscheinlich gar nicht bewusst, welche unausgeschöpfte Chance sich damals bot, um das Bild Deutschlands nach außen dauerhaft zu verändern und die Identität eines neurotisierten Volkes wieder aufzubauen.
In der kürzlich von Geras Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm in Anwesenheit der ehemaligen Oberbürgermeister von Gera, Horst Jäger und Nürnberg, Dr. Peter Schönlein, eröffneten Ausstellung "Erst in Gera demonstrieren - dann in Nürnberg promenieren!" im Stadtmuseum Gera, erinnern Fotos und Zeitdokumente an diese doch so wechselhafte wie bewegende Zeit. Als die beiden Alt-Oberbürgermeister Horst Jäger und Peter Schönlein im Dezember 1988 während eines Festaktes in Nürnberg ihre Unterschrift unter den Städtepartnerschaftsvertrag setzen, war es mehr ein Akt der Festschreibung der Zweistaatlichkeit Deutschlands - Städtepartnerschaften wurden nur zwischen Staaten abgeschlossen - als der mögliche Gedanke an eine baldige deutsche Einheit. "Wir hatten nie daran gedacht, durch die Partnerschaft das Zwei-Staaten-System zu untergraben. Was ein Jahr später passierte, habe man damals nicht kommen sehen", so Peter Schönlein, der hohen Respekt vor dem gezeigten Mut der Geraer Bürger zeigte, indem er klarstellte: "Wir können uns im Nachhinein nicht Dinge ans Revers heften, die da nicht hingehören." Und in der Tat. Seitens der großen Politik wurde in diesen Tagen nur begleitet und gefördert, was ohnehin geschah. Herr war damals tatsächlich nur einer: das Volk, das genau verstand, was die Stunde geschlagen hatte.
Ob nun die Städtepartnerschaften - 1985 gab die DDR-Führung ihre starr ablehnende Haltung zu Städtepartnerschaften mit bundesdeutschen Kommunen auf - nicht doch zum Fall der Mauer beigetragen haben, bedarf weiteren Forschungen. Doch für die Geraer wurde sie zu einer Vision: "Erst in Gera demonstrieren - dann in Nürnberg promenieren!" - so stand es auf einem Transparent, das auf den Demonstrationen durch die Geraer Innenstadt mitgeführt wurde. So schlägt auch die Ausstellung den Bogen vom Beginn der Städtepartnerschaft bis zum Wendeherbst. Das umfangreiche Bildmaterial, insbesondere des leider viel zu früh verstorbenen Geraer Fotojournalisten Wolfgang Beringschmidt, aber auch originale Transparente der Geraer Donnerstagsdemonstrationen sowie historische Film- und Tondokumente wecken bei Zeitzeugen Erinnerung und lassen die Ereignisse auch für die nachkommende Generation lebendig werden.
Peter Schönlein erinnert sich noch heute an die langwierigen Verhandlungen im Vorfeld des Zustandekommens der Städtepartnerschaft, aber auch, auf den damaligen Oberbürgermeister Horst Jäger bezogen: "Wir konnten uns immer offen in die Augen sehen."
An einem Novembertag eigentlich nach Gera gekommen, um im Fettnäppchen zu drehen, entschied das WDR-Team sich dann lieber für einen Kameraschwenk hin zu den Demonstranten. Ihr damals festgehaltenes Stimmungsbild ergänzt das Ausstellungsrepertoire wie auch Ton-Mitschnitte von Friedensgebeten in St. Johannis, die vom damaligen Pfarrer Joachim Urbig an das Stadtarchiv übergeben wurden.
Zu sehen ist die Ausstellung im Stadtmuseum bis zum 10. Januar 2010, dienstags 13 bis 20 Uhr, mittwochs 10 bis 17 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen 11 bis 18 Uhr, an den beiden Weihnachtsfeiertagen 11 bis 18 Uhr und am Neujahrstag 13 bis 18 Uhr.

( Reinhard Schulze, 27.11.2009 )

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